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So funktioniert „Tom’s Book“


Ein Buch für neue Gedanken

Es fängt an mit einem leeren Buch – und endet mit einem Band, der die Gedanken, Gefühle, Meinungen der jungen Generation enthält.

2000 dieser Wandertagebücher reisen bereits durch Deutschland, weitergereicht von einem Jugendlichen zum nächsten. Unsere Zeitung schickt weitere 50 Exemplare auf den Weg. Ihr Name: „Tom’s Book“.

Sid ist 13 Jahre alt , lebt in Mönchengladbach und ist der größte Maradona-Fan der Stadt. Mindestens. Auf seinen beiden Seiten in Tom’s Book Nummer 2829 klebt links ein Zeitungsartikel über seinen Helden, umringt von gezeichneten Fußbällen, Flaggen und Trikots. Sein Kommentar steht auf der rechten Seite, in krakeliger Schülerschrift, und beginnt so: „Ich habe diesen Artikel ausgewählt, weil es mich sehr freut, dass Maradona, der beste Spieler aller Zeiten Argentiniens, neuer Nationaltrainer ist ...“ Dass das so ist, wissen jetzt nicht mehr nur Sid und seine Jungs, sondern Dutzende Jugendliche, die nach ihm Tom’s Book 2829 erhalten haben – und alle, die sich unter www.tomsbook.de durch die hochgeladenen Bucheinträge klicken.

Das Prinzip von Tom’s Book: Ein Jugendlicher erhält ein Buch, klebt einen Zeitungsartikel hinein, der ihn besonders berührt, interessiert oder geärgert hat, und schreibt auf, was ihm dazu durch den Kopf geht. Manche scannen ihren Eintrag und stellen ihn ins Internet. Dann geben sie das Buch weiter – das ist Ehrensache, schließlich ist es ein Wandertagebuch.

Bereits 2000 Bücher haben der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und die „Zeitungs Marketing Gesellschaft“ (ZMG) auf die Jugend in Deutschland losgelassen. Manche davon haben längst das Land verlassen, was man im Internet verfolgen kann. Den längsten Weg hat Buch 2532 zurückgelegt: 17 967 Kilometer von München nach Neuseeland.

Jetzt sorgt unsere Zeitung dafür, dass Tom’s Book seinen Weg durch die Klassenräume, Zimmer und Treffpunkte der Jugendlichen in unserer Region antritt. Um 50 Bücher können sich Jugendliche und Lehrer (für ihre Klassen natürlich) bei uns bewerben. Wie das geht, steht unten auf der Seite.

Die Bücher werden nach und nach immer spannender, bunter, lebendiger. Anhand der Zeitung teilen die Schreiber mit, wie sie denken, wer sie sind. Und wer eines durchblättert, erfährt, dass es die Jugend von heute, von der Erwachsene so gerne sprechen, gar nicht gibt. Die Einträge zwischen den beklebten und bemalten Buchdeckeln sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie geschrieben haben. Auf die Schnelle hineingekritzelt, liebevoll illustriert, lustig, wütend, nachdenklich. Die 19-jährige Josy hat den Wetterbericht ausgeschnitten und bedauert das Ende des Sommers. Jäni, 15, kann es kaum fassen, dass es noch Piraten gibt – als Kind wurde ihr da etwas ganz anderes erzählt. Und die 17-jährige Ina ist froh, dass ihre Zeitung gegen die Industrienationen argumentiert, die beim Thema Umweltschutz die hohen Emissionen in den Entwicklungsländern vorschieben. Ihr Vorschlag: „Man müsste auch dort mehr Info und Unterstützung verbreiten. Könnte klappen, oder?“

Das Vorbild von Tom’s Book ist das Projekt „1000 Journals“ aus den USA. Im Sommer 2000 schickte Someguy, ein Künstler aus San Francisco, 1000 leere Tagebücher in die Welt. Sein Auftrag war einfach: „1000 Journals ist ein Experiment, und du bist ein Teil davon. Schreib einen Eintrag und gib es weiter.“ Mittlerweile gibt es Wartelisten von Leuten, die sich an dieser globalen Flaschenpost beteiligen wollen. Bei Tom’s Book reicht eine Bewerbung an uns. Und etwas Glück.

Stephanie Mersmann

RZO