Situation erzeugt Hochspannung
Mainz Es ist erst das vierte Nachbarschaftsduell der beiden Städte überhaupt in der Zweiten Liga.
Und noch nie war die Spannung vor dem Derby zwischen dem SV Wehen Wiesbaden und dem FSV Mainz 05 so knisternd wie vor dieser Partie heute Abend (20.15 Uhr) in der ausverkauften Brita-Arena.
Viel hat nicht gefehlt, und das vierte Städtederby wäre zumindest aus der Sicht der Gastgeber nahezu bedeutungslos geworden. Wäre nämlich dem FC Ingolstadt in der hektischen Schlussphase in Rostock der Siegtreffer gelungen, der SV Wehen Wiesbaden hätte an diesem 24. Spieltag der Zweiten Liga seine Hoffnungen auf den Klassenverbleib vorzeitig begraben können. Das 1:1 in Rostock wie auch die Ergebnisse der Spitzenteams am gestrigen Sonntag verleihen dem Aufeinandertreffen heute Abend in der Brita-Arena nun zusätzliche Brisanz und knisternde Spannung.
"Für den SV Wehen ist das heute wirklich der allerletzte Strohhalm", sagt Christian Heidel. "Darin liegt sicherlich die große Gefahr dieses Spiels. Wir treffen auf einen Gegner, der kämpfen, kratzen und um sein Leben rennen wird, um diesen Strohhalm zu ergreifen." Der Manager des FSV Mainz 05 hat vor dem Fernseher gesessen, gebannt das Liga-Geschehen verfolgt und Parallelen festgestellt.
"Alles ist möglich. Wir sind natürlich eindeutig besser als die Wehener, aber Greuther Fürth ist auch klar besser als der VfL Osnabrück und geht dort mit 1:5 ein. Die Wiesbadener hoffen darauf, dass uns nun auch so etwas passiert", behauptet Heidel. Doch das dürfe und werde nicht passieren. Aus dieser Konstellation heraus bezieht das heutige Duell eindeutig seine Dramatik. Durch die Fürther Niederlage und dem Freiburger Auswärtsverlust in Duisburg hat die Mannschaft von Jörn Andersen die Möglichkeit mit einem Sieg an der Berliner Straße den Abstand zum Tabellenführer auf vier Punkte zu reduzieren und die Fürther zwei Zähler hinter sich zu lassen. Die zweite nicht minder bedeutungsvolle Aufgabenstellung heißt, die Kräfteverhältnisse ähnlich klar wie in den bisherigen Derbys aufzuzeigen.
Jedes Mal standen die Treffen der Nachbarn eindeutig im Zeichen der Mainzer: 3:1, 3:0 und 5:0. Jeweils in derart eindeutiger, einseitiger Manier, die diesem Derby die Geschichten und Emotionen entzog, die ein solches Duell zum Derby erheben. "Ein richtiges Derby ist das wirklich nicht", sagt auch Heidel. Doch das Lokalkolorit rückt das Ganze immerhin in die Nähe davon.
"Zwischen Mainz und Wiesbaden gibt es nun mal diese Rivalität, diese Klischees. Egal, wie es ausgeht, der Verlierer wird gefoppt. Und wehe, wir verlieren. Ich möchte nicht wissen, was dann los ist. Für jeden Mainzer ist es enorm wichtig, dass wir zeigen, dass wir auch die Stärkeren sind."
Die große Bedeutung, die das Spiel für die Anhänger habe, müsse der Mannschaft inzwischen klar sein. Dafür haben die Verantwortlichen gesorgt. Die geballte Unterstützung in der Brita-Arena werde Andersens Team zusätzlich daran erinnern. "Wir haben ein Auswärtsspiel, aber Mainz ist dabei", beschreibt Heidel die Situation. "Das wird der Mannschaft helfen, dieses Spiel zu gewinnen." Totale Konzentration und die Bereitschaft kämpferisch an die Grenzen zu gehen, lautet Heidels Forderung an die Profis. "Die Mannschaft muss dieses Spiel angehen, als wäre es das Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen."
Rund 14 Kilometer Fahrtstrecke liegen zwischen den Stadien. Die Mainzer rechnen damit, dass zwischen 6000 und 8000 Anhänger ihre 05er begleiten und zu einem Sieg animieren. Einen Erfolg, den die 05er auch dank des enttäuschenden Heimspiel-Remis gegen den FC Augsburg dringend benötigen, um die zuletzt doch arg strapazierte Stimmung rund um den Bruchweg wieder aufzuhellen. "Der bisherige Spieltag hat doch gezeigt, wie wichtig es ist, die Nerven zu behalten", sagt der 05-Manager.
Die Niederlagen von Freiburg und Fürth haben den Manager zudem darin bestärkt, dass es in der jetzigen Phase der Saison nicht sinnvoll ist, auf die Tabellenstände zu schauen. "Vieles relativiert sich auch wieder", sagt Heidel. "Es bleibt einfach immer dabei, man muss auf die Punkte schauen. Wer aufsteigen will, benötigt 60 Zähler plus x. Das ist das Einzige, was wirklich sicher ist."
41 Punkte haben die 05er vor dem heutigen Derby auf ihrem Konto. "Das heißt für uns: 19 Zähler plus x müssen wir holen." Ein Sieg heute Abend würde das Team diesem Ziel näher bringen. Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aber auch das Ende der ohnehin kurzen Derby-Geschichte bedeuten. Das vierte Wiesbaden-Mainzer-Städteduell wäre dann sicherlich auf unbestimmte Zeit zugleich das letzte. (Jörg Schneider)
RZO
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