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Über den Dächern: Berliner Klettertour auf Gasometer

Berlin Die Knie zittern, auch bei den ganz Mutigen, die nach 465 Stufen oben auf dem Berliner Gasometer stehen.

Berlins neue Touristenattraktion ist anders als die bekannten Aussichtspunkte der Hauptstadt in luftiger Höhe.

Statt bequemer Aufzüge gibt es hier nur leicht rostige Stahltreppen. Sessel wie in Panorama-Restaurants sucht der Gast vergebens, auf dem Gasometer pfeift Besuchern 80 Meter über dem Boden der Wind um die Ohren. Es ist ein sehr unmittelbares Erlebnis, auf den Stahlgittern des Industriedenkmals 188 Meter einmal im Kreis zu laufen. Regierungsviertel und Museumsinsel, Fernsehturm und Funkturm, alles kommt in den Blick. Nur beim direkten Blick nach unten bleibt ein mulmiges Gefühl.

Stillgelegte Gasometer sind in den vergangenen Jahren zu Anziehungspunkten geworden. Der Denkmalschutz verhinderte den Abriss der markanten Stahlfachwerkbauten - und plötzlich gab es Ideen: Oberhausen machte eine Ausstellungshalle aus seinem Gasometer. In Berlin ist die erstmalige Öffnung für Berliner und Touristen ab Ostern ein Experiment. Der Testlauf von Karfreitag an soll zeigen, ob das Konzept aufgeht. Es gibt drei Führungen an Wochentagen, am Wochenende sind es mehr. Mehr als neun Gäste dürfen aus Sicherheitsgründen nicht nach oben.

Ein billiges Vergnügen ist der Aufstieg nicht: Rund 30 Euro kassieren die Tour-Organisatoren von jedem Besucher. Wer beim Anblick des mächtigen Industriedenkmals nahe dem S-Bahnhof Schöneberg plötzlich kalte Füße bekommt, hat Pech. Bezahlt ist bezahlt.

Leicht irritierte Blicke gibt es auch beim Anblick des Rosts, der sich in 100 Jahren am Treppenturm angesetzt hat. «Rost ist wie Lack», versichert Gasometer-Führer Jochen Wiesenberg. Die Dekra habe alles genehmigt. Wie beruhigend. Nach vier Treppen winkt der Schornsteinfeger auf dem Hausdach gegenüber, nach acht Treppen ist er schon winzig klein. «Ober gibt es ein Sauerstoffzelt», scherzt Wiesenberg angesichts seiner keuchenden Gäste. Er wählt sie sehr genau aus. Damen mit Stöckelschuhen, Herzkranke oder Besucher mit Alkoholfahne - sie alle müssen unten bleiben.

Über den Dächern von Berlin ist der Blick schließlich frei für Höheres. Die Hochhäuser am Potsdamer Platz oder der Fernsehturm kommen in den Blick. Die Geländer am obersten Gasometer-Ring sind 1,10 Meter hoch und haben nur drei Streben. Wer jetzt umkehren möchte - bitteschön.

Den Standhaften zeigt Wiesenberg von oben das Haus, in dem Marlene Dietrich aufwuchs, direkt zu Füßen des Gasometers. Hildegard Knef wohnte später gar nicht weit entfernt. Die Berliner Gäste aber haben sich längst in Fachdiskussionen über Kirchen- und Hochhausnamen verstrickt - und über die Lage der besten Kneipen in Gasometer-Nähe.

In wenigen Jahren schon soll es rund um das Denkmal aus Stahl ganz anders aussehen. Wo bis 1995 ein Gaswerk stand, ist das Europäische Energiezentrum geplant. Entstehen soll unter anderem eine private Hochschule für Energiefragen. Das Innere des Gasometers ist für ein Konferenzzentrum vorgesehen, das Äußere wird saniert. Ob die Aufstiegsmöglichkeit dann noch bleibt, wird sich zeigen.

Das Gasometer in Berlin: www.climb-berlin.com Von Ulrike von Leszczynski, dpa

dpa-infocom