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Deutsche wenden sich von Konsumgesellschaft ab

Hamburg Mehr Miteinander statt Gegeneinander: Die Deutschen wenden sich zunehmend von der Konsum- und Erlebnisgesellschaft ab.

Nur noch jeweils 21 Prozent halten diese gesellschaftlichen Leitbilder für zukunftsfähig.

Das ergab eine veröffentlichte repräsentative Umfrage mit dem Titel: «60 Jahre Bundesrepublik: Quo vadis, Deutschland?» der Stiftung für Zukunftsfragen. Deutlich mehr Bürger setzen sich für eine «Wohlfühlgesellschaft» ein. 39 Prozent wollen eher «gut leben statt viel haben». Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine «Sozialgesellschaft, in der der Staat die Bürger vor Not, Armut und Arbeitslosigkeit schützt und sozial absichert».

«Der Wohlstandsbegriff verändert sich», sagte der wissenschaftliche Leiter der Hamburger Zukunftsstiftung, Prof. Horst W. Opaschowski, am 2. April. Der Vater des Wirtschaftswunders, Ludwig Erhard, habe den Begriff «Wohlstand für alle» geprägt. «Er meinte damit im Prinzip nur den Lebensstandard: mehr Kühlschränke, mehr Autos. Das war seine Form von Wohlstand», sagte der Zukunftsforscher. Wenn man sich aber die Geschichte ansehe, dann habe Wohlstand in früheren Jahrhunderten eine ganz andere Bedeutung gehabt. «Es hat erstens etwas mit Wohlergehen zu tun gehabt und zweitens mit Glücklichsein. Und genau das kommt jetzt wieder», sagte Opaschowski.

In ökonomischen Notzeiten rückten die Menschen automatisch enger zusammen und «besinnen sich dessen, was notwendig ist». Teilweise habe das die DDR-Bevölkerung vorgelebt. Im April 1990 habe das Zukunftsinstitut die DDR-Bevölkerung befragt. Damals waren im Osten die Lebensgewohnheiten der Westdeutschen «auf den Kopf gestellt». «Oben an standen die Familienorientierung und die Nachbarschaftshilfe. Ganz unten stand das Kino und der Freizeitpark.» Nach ein paar Jahren wurde die Umfrage wiederholt und es war quasi Gleichstand. «Die Ostdeutschen wollten genau das wie alle im Westen haben. Die Sehnsucht nach Geld, nach Reichtum, hat die menschlichen Fähigkeiten verkümmern lassen.»

Heute solle der Staat nur noch die Rahmenbedingen schaffen. «Die Deutschen wollen nach wie vor ein sicheres Einkommen haben und sorgenfrei und ohne Angst leben können», sagte der Zukunftsforscher. «Sie erwarten, dass der Staat seine Sicherheitsversprechen einlöst, und hoffen auf mehr soziale Gerechtigkeit.» Lediglich drei Prozent der Befragten glauben, die Zivilgesellschaft garantiere Freiheit, Gleichheit und Sicherheit. 39 Prozent sehen in Deutschland dagegen eine Klassengesellschaft, in der das Wohlstandsgefälle wachse und die Kluft zwischen Arm und Reich größer werde. «Wenn nichts passiert, wird sich dieser Zustand sogar noch verstärken.»

Die Menschen wünschten sich eine Gesellschaft, «die lebenswert und zukunftsfähig zugleich ist und sind auch bereit, etwas dafür zu tun», sagte Opaschowski. In einer solchen Gesellschaft solle der Staat die Bürger «vor sozialer Not schützen, müssen die Generationen fest zusammenhalten und füreinander da sein und wollen sich die Menschen wieder mehr selber helfen, indem sie pragmatisch Gemeinschaften auf Gegenseitigkeit bilden», sagte der Zukunftsforscher. Ein Beispiel seien die zahlreichen Tauschbörsen, die überall wie Pilze aus den Boden schießen. Auch wenn die Menschen dadurch ein Stück persönlicher Freiheit verlieren, «sie gewinnen dafür aber genügend Sicherheit und soziale Geborgenheit».

dpa-infocom