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Neuer Datenskandal bei Lidl

Hamburg/Neckarsulm - Beim Discounter Lidl gibt es nach der Bespitzelungsaffäre einen neuen Datenskandal. Das Unternehmen hat die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen festgehalten.

Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in seiner neuen Ausgabe berichtet, setzte das Unternehmen Formulare ein, in den der «Grund der Krankheit» von Mitarbeitern eingetragen werden sollte. Dies legten mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen nahe, die durch einen Zufall in einer Mülltonne in Bochum entdeckt wurden.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sagte dem «Spiegel», er sehe die Aktion von Lidl «äußerst kritisch.» «Der Grund der Krankheit geht den Arbeitgeber grundsätzlich nichts an.» So steht beispielsweise über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krankgeschrieben war: «Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert». Bei einer anderen heißt es als Krankheitsgrund: «Psychologe».

Lidl-Deutschland-Chef Frank-Michael Mros hatte die Existenz der Krankenformulare gegenüber dem Magazin zugegeben. Die Arbeit mit den Listen sei im Zuge der Umsetzung des neuen Datenschutzkonzeptes bei Lidl Ende 2008 eingestellt worden, teilte das Unternehmen außerdem am Samstag mit. Die Listen seien nicht datenschutzkonform gewesen, hätten aber dazu gedient, die Mitarbeiter ihrem gesundheitlichen Zustand entsprechend einzusetzen.

Für die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zeigen die neuen Vorfälle, dass das Unternehmen seit dem Bespitzelungsskandal im vergangenen Jahr nichts gelernt hat. Damals hatten Detektive im Auftrag von Lidl das Verhalten von Mitarbeitern überwacht und protokolliert. Den Verbrauchern riet Roth im Internetportal «stern.de», sich einen Einkauf gut zu überlegen. «Die Verbraucher können deutlich machen, dass sie nicht einverstanden sind, wenn bei Lidl die Rechte der Arbeitnehmer mit Füßen getreten werden. Das können sie auch mit ihrer freien Entscheidung, wo sie einkaufen, tun.» Zu einem direkten Boykott wollte Roth aber nicht aufrufen.

«Lidl arbeitet seit April vergangenen Jahres konsequent daran, ein ganzheitliches Datenschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Hierbei werden alle Geschäftsprozesse gewissenhaft untersucht und gegebenenfalls überarbeitet», betonte Joachim Jacob, ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Bundes und Berater von Lidl für den Datenschutz, in der Erklärung vom Samstag. Über 3000 Filialen und 34 Regionalgesellschaften seien in diesen Prozess eingebunden, «das nimmt zwangsläufig Zeit in Anspruch.» Alle Einträge in die Akten stammen laut «Spiegel» aus der Zeit nach der Entdeckung der Spitzelmethoden bei Lidl, die im März 2008 bekanntgeworden waren.

dpa-infocom



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