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«Die Herzogin»: Historische Haute Couture mit Stars

Hamburg - England, 1774: Im malerischen Park des Familienanwesens der Spencers knüpft die 17-jährige Georgiana (Keira Knightley) erste zarte Bande zum jungen Lord Charles Grey. Aber eine Liebesheirat kommt in diesen Kreisen natürlich nicht in Frage.

Längst hat Georgianas gewiefte Mutter (Charlotte Rampling) den Ehevertrag mit dem Herzog von Devonshire bis in kleinste Details ausgehandelt. Das lebenslustige Mädchen wird den deutlich älteren, emotional sehr reservierten Mann (Ralph Fiennes) heiraten, um für männliche Nachkommen zu sorgen. Ihr persönliches Glück bleibt im Korsett dieser arrangierten Ehe schnell auf der Strecke. Als der erhoffte Nachwuchs zunächst ausbleibt, wird die Ehe mit dem lieblosen Herzog zum Luxus-Gefängnis. Und ohne Skrupel beginnt der tyrannische Adelige eine Liaison mit Georgianas Freundin Bess.

Basierend auf Amanda Foremans Biografie der Herzogin von Devonshire (1757-1806), einer Vorfahrin von Prinzessin Diana, hat Regisseur Saul Dibb ein opulentes, hochkarätig besetztes Historiendrama in Szene gesetzt, in dem die Mode eine der Hauptrollen spielt. Soviel Tüll, Rüschen, Bänder und Borten gab es selten zu bestaunen auf der Leinwand, die mitunter zum Laufsteg wird. Folgerichtig wurde «Die Herzogin» in diesem Jahr mit einem Oscar für Kostümdesign ausgezeichnet.

Neben der historischen Haute Couture sind es vor allem die extravaganten, mit Straußenfedern geschmückten Turmfrisuren der Herzogin, die für Aufsehen sorgen. Als eines dieser kunstvoll hochgesteckten Haar-Ungetüme bei einem Ball Feuer fängt, ist bereits einer der dramaturgischen Höhepunkte des Films erreicht.

Der Regisseur weiß einfach zu wenig mit seinem hochklassigen Ensemble anzufangen. Ralph Fiennes gibt sehr sparsam den sauertöpfischen, verklemmten Herzog, ein Langweiler, der mehr an seinen Hunden als an seiner jungen Ehefrau interessiert ist. Hohl klingen seine Schritte in der endlos großen Eingangshalle. Keira Knightley stolziert in Dutzenden von Kleidern durch die erlesenen Parks und Salons, aber das Drama einer Frau, die um ihre Identität kämpft, kann die attraktive Actrice immer nur andeuten. Auch eine Powerfrau wie Charlotte Rampling bleibt als Mutter im Kontext dieser historischen Modenschau viel zu blass.

Dabei ist die Lebensgeschichte der Herzogin von Devonshire trotzdem interessiert genug, um den Zuschauer zwei Stunden lang zu fesseln. Georgiana befreit sich aus den Fesseln des lieblosen Herzogs, kehrt zu ihrer großen Liebe Grey zurück, und wird zur bewunderten Society-Lady und sogar zur politischen Aktivistin, die flammende Reden für den Parlamentarismus hält.

Die Paparazzi ihrer Zeit , die gefürchteten Karikaturisten, verfolgten die Salonlöwin mit der Riesenmähne auf Schritt und Tritt. Der Dramatiker Richard Sheridan schrieb eine Komödie über ihre Ehe, Maler wie Thomas Gainsborough oder Joshua Reynolds schufen spektakuläre Porträts einer Frau, die trotz aller Widerstände ihr Leben zu genießen weiß. Neben der Mode war das Spielen ihre große Leidenschaft. Als sie 1806 im Alter von 48 Jahren stirbt, soll die Herzogin hoch verschuldet gewesen sein.

www.kinowelt.de Von Johannes von der Gathen, dpa

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