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G20-Gipfel startet in London

London - Die 20 führenden Wirtschaftsmächte (G20) kommen heute in London zusammen, um Auswege aus der schwersten ökonomischen Krise nach dem Zweiten Weltkrieg zu suchen.

Die Staats- und Regierungschef wollen eine tiefgreifende Reform des globalen Finanzsystems auf den Weg bringen.

So sollen künftige Zusammenbrüche von Banken und anderen Finanzinstituten verhindert und Gefahren für die übrige Wirtschaft rechtzeitig erkannt werden. Auch gegen Steueroasen und exzessive Managergehälter will die Gipfelrunde vorgehen. Einige Länder wie Japan fordern neue milliardenschwere Konjunkturprogramme. Deutschland und Frankreich lehnen das ab.

Bereits am Tag vor den entscheidenden Verhandlungen hatten Gipfel- Gegner massiv gegen das Treffen protestiert. Dabei war ein Mann ums Leben gekommen. Er war nach Angaben der Polizei am Mittwochabend bewusstlos auf der Straße zusammengebrochen. Nach dem Bericht eines Augenzeugen lag kein Fremdverschulden vor. Bis zum Abend wurden in London 26 Menschen festgenommen.

Die Verhandlungen der G20-Unterhändler gestalteten sich nach Angaben von Diplomaten schwierig. Die Staats- und Regierungschefs müssen demnach selbst Kompromisse finden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten am Mittwochabend vor einem ersten Arbeitsessen eindringlich an die Kollegen appelliert, nationale Interessen zurückzustellen und keine verwässerten Beschlüsse zu fassen. Auch US- Präsident Barack Obama rief bei seinem Debüt auf der großen internationalen Bühne die G20-Staaten zur Einigung auf.

Obama hatte bei seiner ersten Europareise einen Neuanfang der amerikanisch-russischen Beziehungen geschafft. Mit seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew vereinbarte Obama, die atomare Abrüstung wiederzubeleben.

Merkel und Sarkozy sprachen sich vor allem dafür aus, Steueroasen weltweit durch die Veröffentlichung einer Liste an den Pranger zu stellen. Neue Konjunkturprogramme, wie unter anderem von Japan gefordert, dürften nicht im Mittelpunkt des Gipfels stehen. «Wir wollen solche Ergebnisse, die auch wirklich ein Resultat sind und die Welt verändern», sagte Merkel nach einem Gespräch mit Sarkozy. «Das, was wir heute haben, dass Milliarden an einem Finanzsystem leiden, mit dem sie nichts tun haben, darf sich nicht wiederholen.»

Mehrfach wurden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa von Seiten Deutschlands und Frankreichs Entwürfe des britischen Vorsitzes für ein Abschlussdokument zurückgewiesen. Deutschland wehrte sich dagegen, dass konkrete Reformvorhaben nur noch in einem Anhang zum Abschlussdokument auftauchen sollten. Der Franzose deutete an, dass es Schwierigkeiten mit dem britischen Premier und Gastgeber Gordon Brown gebe.

Noch sei unklar, wann «die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg überwunden werde, aber «2009 wird ein hartes Jahr», sagte Obama, der von seiner Frau Michelle begleitet wird. Das Ehepaar Obama und die übrigen Gipfelteilnehmer kamen am Abend bei Queen Elizabeth II. im Buckingham Palast zusammen.

dpa-infocom