Mutter erwacht nach Badeunfall aus Koma
Leer/Aurich Trauer, etwas Erleichterung und viele offene Fragen: Nach dem tragischen Badeunfall einer Mutter und ihrer drei Kinder im Hallenbad in Leer (Ostfriesland) sind immer noch viele Menschen fassungslos.
Am Sonntagabend war die 41 Jahre alte Vietnamesin mit ihren Kindern leblos vom Beckenboden geborgen worden. Alle wurden ins künstliche Koma versetzt, um schwere Hirnschäden zu vermeiden. Nachdem am Montag die acht Jahre alte Tochter im Krankenhaus starb, erwachte die Mutter am Dienstag aus dem Koma.
Körperlich gehe es ihr zwar besser , «aber sie weiß jetzt auch, dass ihre Tochter tot ist», sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Werner Kramer in Aurich. An die näheren Umstände des mysteriösen Unfalls kann sich die Verletzte nicht erinnern. «Die Ärzte haben Hoffnung, dass sich ihr Zustand weiter bessert», sagt Kramer. Doch so lange bleiben die Details im Dunkeln.
Wichtige Aufschlüsse soll die Obduktion des gestorbenen Mädchens bringen. Die Ergebnisse sowie eine Untersuchung auf Medikamente oder Giftstoffe standen am Dienstag noch aus. Auch die anderen Verletzten würden genau untersucht, sagt Kramer. Einzelheiten nannte er nicht.
Kurz vor Feierabend war die Frau mit drei Kindern im Alter von fünf, sieben und acht Jahren ins Nichtschwimmerbecken gegangen. Ein Zeuge will sie dort noch spielend gesehen haben. Wann sie dann in den mit einer Leine gekennzeichneten Schwimmerbereich wechselten und untergingen, wie lange sie unter Wasser blieben, das alles ist bislang unklar.
Wegen fahrlässiger Tötung ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Schwimmmeisterin, die die Beckenaufsicht hatte. «Es gibt aber nur einen Anfangsverdacht nach ganz geringen Anhaltspunkten in ihren Aussagen», sagt Kramer. Die Schwimmmeisterin hatte die vier leblosen Körper aus dem Wasser gezogen, Helfer hatten die Opfer erstversorgt. Die Frau hat sich inzwischen krankgemeldet.
Vor gut einem Jahr war es schon einmal zu einem Badeunfall gekommen, sagte Aqua Park-Geschäftsführer Norbert Averdung. Damals sei ein Nichtschwimmer ins tiefe Wasser gestoßen worden: «Er hat nach seiner Rettung eine gute Woche im künstlichen Koma gelegen, danach ging es ihm besser», sagt Averdung. «Schäden sind nicht zurückgeblieben.» Die Justiz hatte damals das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt.
Die Wassersicherheitsinitiative «Blausand.de» in Bremen kritisierte unterdessen die Überwachung in deutschen Schwimmbädern. Viele Bäder verzichteten aus Kostengründen auf Überwachungskameras, und auch das Aufsichtspersonal sei häufig überfordert.
dpa-infocom
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