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Ausstellung eröffnet

Aloys Rump: Dem Leben abgerungene Poesie

Boppard - Aloys Rump der Name hat Klang in der Kunstszene des Landes. Das ist das Resultat beharrlichen und konsequenten Arbeitens über die Jahre.

Den Rummel des Kunstbetriebs hat Rump, Akademieschüler von Peter Brüning, Gerhard Richter (Düsseldorf) und Fred Thieler (Berlin), nie gesucht. Der gebürtige Bopparder ist gerade 60 Jahre alt geworden. Eine Ausstellung in der Kunsthalle würdigt vom morgigen Samstag an sein Schaffen.

Nach dem Studium zog sich Rump in seine Geburtsstadt zurück, in die vermeintliche Provinz. Eine Wahl, die nicht überall auf Verständnis stieß. Doch inzwischen gelten in einer vernetzten Welt andere Maßstäbe. Was einst an der Peripherie lag, das kann jetzt ins Zentrum rücken.

Kontakte bis nach China

Heute hat Aloys Rump seinen Platz gefunden in der deutschen Kunstszene. Er engagiert sich in der Aktionsgruppe rheinland-pfälzischer Künstler (ARK), pflegt Kontakte nach Frankreich, China und Japan. Rolf Tiedemann, der Herausgeber der Werke Adornos, hat dem Schaffen Rumps einen großen Essay gewidmet, und K. O. Götz, der Begründer des Informel, zählt zum Freundeszirkel des Bopparders. Bundespräsident Horst Köhler wurde auf Rump aufmerksam, zeichnete ihn vor drei Jahren mit einem Stipendium aus. Und auch die Heimatstadt zeigt sich als Mäzen, kaufte Werke an und ließ den Künstler das Foyer der Stadthalle gestalten.

Aloys Rump, ein unabhängiger und unbequemer Kopf, wählte bewusst die beschwerliche Existenzform des freien Künstlers. Es war ein harter und dorniger Weg zu Erfolg und Anerkennung. Und auf diesem langen, steinigen Pfad hat ihn über all die Zeit seine Frau Tina begleitet, hat ihm, wie er dankbar anmerkt, in so manchem Tief den Rücken gestärkt. Manfred Schling, der Freund und Vertraute, sieht es so: "Das Werk von Aloys Rump reflektiert alle Seiten des Lebens, sowohl die Wunden als auch die Aussichten auf Glück."

Eine kleine Dachkammer in der Koblenzer Straße diente zunächst als Atelier. Hier entstanden die unter Sammlern mittlerweile hochbegehrten Objektkästen, Schreinen gleich, die rätselhafte Funde bergen. Später dann bezog Rump im Herzen des ältesten Viertels der Stadt, in der Leiergasse, ein geräumiges Atelier - Werkstatt der Ideen und Großobjekte bis heute. Hier versenkt er sich in seine Projekte, grübelt und schafft, kritisch beäugt vom ausgestopften Raben, dem Relikt einer Poe-Installation.

Holz, Marmor und Schiefer

Hier wandelt der Künstler, wie Kollege Schling in einer Würdigung anmerkt, die Materialien Holz, Marmorstaub und Schiefer "zu den Bausteinen einer dem Leben abgerungenen Poesie". So entstanden aus pulverisiertem Stein die Stelen der Destruktion "Vom Staub der Türme" zum 11. September und jetzt "Entfärbte Schatten", Scheiben aus schwarzem Oxid und Marmorstaub. Rumps Bilder und Objekte springen den Betrachter nicht an. Sie warten geduldig darauf, entschlüsselt zu werden, zeigen sich voller Rätsel, fordern den forschenden Blick, enthüllen sich erst in der Reflexion.

60 - na und? Aloys Rump steckt voller Ideen: "Wer aufhört zu träumen, hört auf zu leben." Da zeichnet sich die Chance ab, in Ome, Boppards Partnerstadt in der Nähe Tokios, Werke vorzustellen. Und noch während der Ausstellung in der Kunsthalle packt Aloys Rump wieder mal die Koffer, transportiert er seine großformatigen Fächer nach Frankreich. Als einziger deutscher Künstler ist er eingeladen zu den unter Frankreichs Intellektuellen legendären Tagen von Brangues. Das Treffen im Zeichen Paul Claudels wird eröffnet mit Aloys Rumps "Cent phrases pour éventails".

60 - das kann keine Zäsur sein: "Künstler arbeiten, bis sie umfallen", ist Rumps Credo. Und anschließen könnte er sich auch einer Devise seines früheren Düsseldorfer Lehrers Gerhard Richter. Der ackert an seinen Kunstwerken, "bis nichts mehr zu tun ist". Und zu tun ist immer.

Ernst-Peter Strauch

"Formulierung", die Ausstellung zum 60. Geburtstag in der Kunsthalle Koblenz, wird am Samstag um 19 Uhr eröffnet.

RZO