Brachliegender Weinberg an der Mosel wird zum Olivenhain
Pünderich Gutes Olivenöl von der Mosel. Was sich anhört wie eine klimawandelgespeiste Utopie, will ein Kölner Ehepaar Wirklichkeit werden lassen.
Bernd Schäfer und seine Frau Ayse Aktül-Schäfer haben bei Pünderich, am Moselhang nahe der Marienburg, einen Olivenhain mit etwa 200 Bäumen angelegt. "Wir wollen versuchen, Olivenbäume in Deutschland heimisch zu machen", sagen sie.
Unscheinbar stehen die Setzlinge im Sonnenlicht. Holzstangen stützen die kaum mehr als 40 Zentimeter hohen Bäumchen. Wer näher herangeht, dem fällt die ungewöhnliche Form der Blätter auf. Lang sind sie, auf der Oberseite glänzt das Grün kräftig, auf der Unterseite ist es hell und matt. Wo einst Brombeersträucher wucherten, wachsen jetzt Olivenbäume. Bernd Schäfer ist sich darüber im Klaren: "Es ist ein Abenteuer, das meine Frau und ich da wagen."
Dabei haben sie so etwas wie ein Vorbild: den Sinziger Spitzenkoch Jean-Marie Dumaine, den sie auf einer Messe kennengelernt haben. Er ist Vorsitzender des Vereins Ahrtrüffel und baut auf dem Vereinsgrundstück bei Bad Neuenahr französische Trüffeln an. Nutzgehölze an der Mosel zu etablieren, die dort nicht heimisch sind - daran arbeitet auch das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. Zu diesem Zweck legt man bei Zeltingen gerade einen Sortengarten an. Darin stehen nicht nur ein paar Oliven, sondern etwa auch Mandelbäume.
Carsten Neß ist Landespfleger beim DLR und hört mit Interesse vom Olivenhain nahe Pünderich: "Ich glaube nicht, dass es in Rheinland-Pfalz irgendwo im größeren Stil Olivenbäume gibt." Er hält die Idee auch keineswegs für völlig abwegig: "Überlebenschancen sind gegeben." Wolfgang Schmitz, Gartenbauingenieur beim Bürgerservice Trier, glaubt, die mediterrane Pflanze könnte künftig eine Möglichkeit sein, der Verbuschung vieler Moselhänge entgegenzuwirken.
Zwei Jahre lang trugen die Schäfers den Gedanken mit sich herum, Olivenbäume an die Mosel zu holen. In den Pünderichern Clemens und Rita Busch fanden sie Verbündete. "Wie wir baut Clemens alles biologisch an", sagt Bernd Schäfer. "Wir haben die gleiche Einstellung." Und Busch warb im Gemeinderat für das Vorhaben, der ohnehin eine Ökoausgleichfläche ausweisen musste. Das 4000 Quadratmeter große Flurstück haben die Kölner dann erworben. Die Bäume pflanzten Schäfers im März. Freunde aus der Nähe sehen auf der Plantage nach dem Rechten, wenn die Schäfers in Köln oder in der Türkei sind.
Eigentlich ist der 44-Jährige Versicherungsmakler. Seine vier Jahre ältere Frau Ayse stammt aus der Türkei und ist Lehrerin. Seit mehr als 20 Jahren leben sie in Köln. Nebenberuflich handeln sie mit Olivenöl aus der Türkei und anderen Artikeln um die Olive.
Begonnen hat alles vor acht Jahren. Einige alte Olivenbäume standen auf einem Grundstück, das Ayse Schäfer damals in Sirince erworben hatte, "dem Weindorf der Türkei", 80 Kilometer südlich der Hafenstadt Izmir. Den Schäfers fiel der sehr milde, süße Geschmack des Öls auf, das sich aus den Früchten dieser Bäume gewinnen ließ. Bis die Schäfers unter dem Namen "Olea organica" ihren Ölhandel ins Laufen brachten, vergingen jedoch noch drei Jahre. "Wir mussten erst lernen, wie man Olivenöl herstellt." Von 2004 an verkauften sie es schließlich, via Internet, in Bioläden, Feinkostgeschäften und auf Märkten in Deutschland.
Bis ihre Bäume an der Mosel Oliven tragen, wird es mindestens drei Jahre dauern. "Die kann man dann noch alle persönlich begrüßen", sagt Bernd Schäfer. Nennenswerte Ernten gebe es frühestens nach sieben Jahren. "Bis dahin liegen noch einige Winter vor uns." Denn Frost könnte den Plan schnell durchkreuzen, an der Mosel Olivenöl herzustellen. Wochenlang strenge Minustemperaturen - das würden die Bäume kaum überleben. Schäfer: "Wenn man böswillig ist, kann man sagen, wir setzen auf den Klimawandel." Und das mit viel Optimismus: Für 50 Jahre haben die Schäfers das Flurstück gepachtet. (David Ditzer)
RZO
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