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Mit der Kamera auf Jagd im Mittelrheintal

Mittelrhein Sagen ranken sich um das Tal der Loreley, Besucher aus aller Herren Länder kommen an den Mittelrhein, um Burgen zu erkunden, Geschichte zu erleben und Mythen aufzuspüren.

Viele werden dabei auch auf die atemberaubende Natur aufmerksam. Wie groß aber gerade dieser Schatz ist, ermisst kaum jemand.

Das Tal der Loreley hat viel mehr zu bieten als Burgen und Mythen. Das hat Hans-Jürgen Zimmermann schnell gelernt. In den vergangenen fünf Jahren war der Natur- und Tierfilmer am Mittelrhein unterwegs, hat sich auf die Spuren von Flora und Fauna gemacht und einen großen Schatz entdeckt: die Artenvielfalt in einer atemberaubenden Landschaft. „Wilde Natur im Tal der Loreley“ hat er seinen Film genannt, der die weltberühmte Region von einer unbekannten Seite zeigt.

Schwungvoll lenkt Hans-Jürgen Zimmermann sein Auto die Serpentinen des Bopparder Hamms hinauf. Zigmal war er bereits hier oben, vor etwa fünf Jahren das erste Mal. Vom herrlichen Blick auf den Rhein, auf Filsen und Osterspai lässt sich der Routinier kaum mehr ablenken. Mit sicheren Handgriffen lädt er Kamera, Objektive, Stativ aus dem Kofferraum, schultert die rund 25 Kilo beherzt und marschiert los. Meistens ist er alleine unterwegs. „Die Mauereidechse lebt hier“, erklärt er. „Und die Zippammer, ein sehr schöner Vogel.“ Das eigentliche Highlight aber ist eine botanische Rarität, die ausschließlich im Bopparder Hamm zu finden ist: die Bopparder Schleifenblume.

Unentdeckte Landschaft

Das Gewächs ist dabei gar nicht leicht auszumachen. „Am Anfang hab’ ich die eigentlich unscheinbare Blume nicht erkannt und beinahe platt getreten“, erinnert sich Zimmermann, grinst schelmisch. Das passiert ihm heute freilich nicht mehr. Er geht einige Meter, da entdeckt er etwas anderes: „Ah, die Nieswurz. Eine Pflanze, die im Winter blüht, eine Verwandte der Christrose.“ Eine Hummel, ein Eichelhäher, ein Bussard kreuzen innerhalb von wenigen Sekunden den Weg. „Genau das ist es“, sagt er begeistert. „Die Artenvielfalt, die Biodiversität. Je mehr ich das Mittelrheintal erlebt hab’, desto deutlicher wurde mir, welche Perle es bezüglich der Natur ist. Ein Paradebeispiel für eine unentdeckte Landschaft.“

Gespür für das Besondere

So zeigt sein Film in beeindruckenden Bildern vieles, was jeder kennt, in seinem Reichtum aber doch außergewöhnlich ist. Und Kostbarkeiten, die es nur selten in Deutschland oder sogar nur hier im Tal der Loreley gibt. Die Gottesanbeterin hat ihren Weg vom Mittelmeerraum wahrscheinlich über die burgundische Pforte zum Oberen Mittelrheintal gefunden. Auch der Schmetterlingshaft lebt hier, ein seltener Hybrid aus Libelle und Schmetterling.

Tiere, Pflanzen, die wilde Natur, all das begeistert Hans-Jürgen Zimmermann bereits seit seiner frühen Kindheit. Seit 30 Jahren dreht der gelernte Maschinenbauer aus dem Kreis Neuwied mittlerweile Natur- und Tierfilme. Er produziert fürs deutsche Fernsehen, seit kurzem verkauft er seine Arbeiten auch ins Ausland. Er ist Autor, Kameramann und Regisseur zugleich und zeigt immer wieder ein Gespür für das Besondere, für das Wunder hinter dem Gewöhnlichen. Die Augen fürs Mittelrheintal aber hat ihm jemand anderes geöffnet: Hans Arnold Hürter, ein begeisterter Schmetterlingsforscher, Buchautor und mittlerweile über 80 Jahre alt. Dieser berichtete ihm vom großen Segelfalter im Tal der Loreley – und führte Zimmermann mit Herzblut und Sachverstand hinter die Kulissen der Burgen und Mythen. „Einen besseren Scout hätte ich mir nicht wünschen können.“

Szenenwechsel: Hans-Jürgen Zimmermann liegt auf dem Boden nahe Dörscheid (Rhein-Lahn-Kreis), sein Objektiv auf eine Schrecke gerichtet – die blauflügelige Ödlandschrecke. Es ist mucksmäuschenstill, nur vom Tal her dringt ein gedämpftes Rauschen herauf. Vielleicht ein Zug. Plötzlich entdeckt er ein anderes Tier, ganz nah: eine schwarze Röhrenspinne. Er schwenkt die Kamera um, rutscht über den Boden, bannt das Spinnenmännchen, dessen Hinterteil furchterregend rot leuchtet, aufs Band. Auch der Schlingnatter und der Smaragdeidechse ist er an diesem Tag auf den Fersen. Botanisch hat Dörscheid ebenfalls eine Menge zu bieten. Zum Beispiel das gelb blühende Brillenschönchen oder der Diptam, der sogenannte brennende Strauch, der bei großer Hitze ätherische Öle ausströmt und dem man sich möglichst nicht mit einem brennenden Streichholz nähern sollte. „Im Mittelrheintal musste ich nie lange auf ein Motiv warten“, erklärt er später. „Manchmal wusste ich sogar nicht, was ich zuerst drehen soll.“

Kuscheltiere sind rar

Schatten breitet sich aus, die Sonne senkt sich. Zimmermann packt seine Ausrüstung zusammen, hievt alles in den Kofferraum. Schluss für heute. Jede Menge Insekten, doch kein einziges Säugetier hat er an diesem Tag vor die Linse bekommen, „Kuscheltiere sind hier rar“, erklärt er schmunzelnd. Aber das Obere Mittelrheintal ist Eldorado für Schmetterlinge, Insekten, Käfer, Vögel. Und für Menschen, die Auge und Herz für die Schönheit der Natur haben. 60 Stunden Material hat Hans-Jürgen Zimmermann auf seinen Exkursionen rund um die Loreley gesammelt, 52 Minuten davon zeigt er in seinem Film – eine Hommage an die Natur im Unesco-Welterbe, die die Schönheiten der Landschaft mit den vom Menschen geschaffenen Kulturgütern verbindet. (Michaela Cetto)

Die DVD (Sprachfassungen Deutsch und Englisch) zu 17,90 Euro ist erhältlich im Internet unter www.naturundtierfilm.de sowie ab sofort auch im Buchhandel.

RZO




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