Liam Gillick zeigt deutschen Beitrag in Venedig
Venedig Mit Spannung wird die Präsentation des britischen Künstlers Liam Gillick im Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig erwartet.
Am Donnerstag zeigt der 1964 geborene Künstler seinen Beitrag «Die Zukunft verhält sich immer anders» für die 53. internationale Kunstschau am Canal Grande. Betreut wird der Pavillon erneut von Nicolaus Schafhausen, dem Direktor des «Witte de With Center for Contemporary Art» in Rotterdam. Er hatte schon vor zwei Jahren das Konzept für den deutschen Beitrag erstellt. Damals hüllte die Berliner Künstlerin Isa Gensken den streng-weißen deutschen Pavillon in ein orangefarbenes Absperrnetz und machte ihn damit selbst zur Skulptur.
Schafhausen hatte seine Wahl des Briten damit begründet, dass Gillick Gedankenmodelle mit dem Anspruch entwickle, zwischen den verschiedenen Komplexen in der gegenwärtigen Kunstlandschaft zu vermitteln. Seine künstlerische Praxis wolle Grenzen der Kunstwelt auflösen und lasse sich schon aus diesem Grunde nicht nur einer Disziplin zuordnen. Der Künstler selbst versteht sein Schaffen vor allem als Dialog. «Meine Arbeit erfordert eine kritische Rezeption, die differenzierte Gedanken, aber auch Skepsis geniert», hatte Gillick bei der Bekanntgabe erklärt.
Die Wahl eines britischen Künstlers für den deutschen Beitrag stieß auf unterschiedliches Echo. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» etwa sah darin ein «richtiges Zeichen für eine Kunst, die mit Landesgrenzen sowieso nicht mehr zu fassen ist». Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler reagierte mit Unverständnis: «Gibt es in Deutschland derzeit wirklich keinen Künstler, keine Künstlerin, mit der dieses Land sich der kulturellen Weltöffentlichkeit hätte zeigen können?», lautet die Kritik.
Unter dem Motto «Weltenmachen» öffnet sich die 53. Kunstbiennale am Sonntag dem Publikum. Mehr als 90 Künstler aus 77 Nationen präsentieren bis zum 22. November alle Gattungen der Kunst - Malerei, Installation, Videoarbeiten, Fotografie, Performance, Skulpturen und Zeichnungen. Erstmals dabei sind Montenegro, Monaco, das westafrikanische Land Gabun, der ostafrikanische Inselstaat Comoros und die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit dem Motto solle der kreative Prozess der Künstler in den Mittelpunkt gestellt werden, hatte der Biennale-Direktor Daniel Birnbaum angekündigt. Birnbaum leitet die Frankfurter Städelschule, die zu den wichtigsten Kunstakademien Deutschlands zählt.
Bei der Eröffnungszeremonie am Samstagabend werden die Japanerin Yoko Ono und der Amerikaner John Baldessari mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Ono, die Witwe des ermordeten Beatle John Lennon, wird als «Schlüsselfigur der Nachkriegskunst» und Pionierin auf dem Gebiet der Performance geehrt. Der Kalifornier Baldessari erhält die Auszeichnung als herausragender Meister der visuellen Kunst.
dpa-infocom
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