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Mehr Studenten suchen wegen Finanznot Hilfe

Mainz Nebenjob verloren, Eltern drehen den Geldhahn zu, BAföG-Überweisung verzögert sich: Studenten können aus vielerlei Gründen in Finanznöte geraten.

Die Zahl derer, die sich hilfesuchend etwa an das Sozialreferat der Studierendenvertretung AStA in Mainz wenden, ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Vor zwei Semestern hätte das Referat so vielen Studierenden mit einem zinslosen Darlehen oder einer Bar-Beihilfe finanziell unter die Arme greifen müssen, «da war die Kasse zum ersten Mal seit langer Zeit ausgeschöpft», sagt Sozialreferentin Gilda Farshidfar. In diesem Semester habe der AStA bereits einen Spendenaufruf gestartet - mit bislang geringem Erfolg.

Derzeit seien die Studienbeiträge fällig - rund 200 Euro sind das in Mainz. «Da ist der Warteraum zum Beratungszimmer manchmal völlig überfüllt», sagt Farshidfar. Der Sozialfonds des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) wird aus einem kleinen Teil des Studienbeitrags gefüttert - pro Student sind dies in Mainz 75 Cent. Im Semester kommen so rund 26 250 Euro zusammen. Damit kann die Sozialreferentin «unverschuldet finanziell in Not geratenen» Studenten helfen - das sind rund 1000 pro Jahr. «Darunter sind überdurchschnittlich viele allein Erziehende», sagt Farshidfar.

Um eine Bar-Beihilfe, Darlehen oder einen «Freitisch», eine aufgeladenen Essenskarte für die Mensa, zu bekommen, müssen die Studenten unter anderem die Kontoauszüge der vergangenen drei Monate und offene Rechnungen vorzeigen. «Wegen der knappen Kasse gilt bei uns derzeit 'die härtesten Fälle kommen zuerst'», sagte Farshidfar.

In Kaiserslautern hingegen gibt es beim AStA keinen Sozialfonds. Dafür bietet das Studierendenwerk unter anderem zinsgünstige Unterstützungsdarlehen für Studenten, die unverschuldet in Not geraten sind. Das Werk verzeichnet einen deutlichen Anstieg an solchen Darlehen, für die die Studenten bestimmte Bedingungen erfüllen müssen. «Das hängt wohl damit zusammen, dass es für die Studierenden schwieriger wird, einen Job zu finden», sagt Mitarbeiterin Gerlinde Bernath. Viele bekämen dann Probleme, ihre laufenden Kosten wie etwa die Miete zu decken. Das Studierendenwerk kann die Nachfrage bislang gut befriedigen. «Es ist genügend Geld da», sagt Bernath.

Das Studierendenwerk Vorderpfalz wiederum hat verschiedene Instrumente, um bedürftigen Studenten unter die Arme zu greifen. So gibt es einen Hilfsfonds für in Not geratene Studierende. Im vergangenen Jahr wurden daraus in 69 Fällen Hilfen von durchschnittlich je 300 Euro ausgezahlt. Der Bedarf steigt, wie der Geschäftsführer Dieter Reddig sagte. «Wir haben die Förderung deshalb von früher im Schnitt 500 Euro schon auf die 300 Euro gesenkt.» In diesem Jahr sei bereits jetzt schon so viel Geld ausgezahlt worden wie im ganzen Vorjahr.

Reddig sieht als Hauptgrund die gestiegenen Lebenshaltungskosten. «Was früher eine Mark gekostet hat, kostet heute ja oft einen Euro.» Außerdem sei es für die Studierenden gerade jetzt in der Krise schwieriger, Jobs zu finden. Wie auch in Kaiserslautern gibt es außerdem unter anderem Unterstützungsdarlehen und sogenannte Freitische, die Studenten kostenloses Essen in der Mensa ermöglichen. Das Studierendenwerk ist für die Hochschulstandorte Landau, Worms, Ludwigshafen und Germersheim zuständig.

An der Uni Trier ist die Zahl der Anträge für finanzielle Hilfe aus dem AStA-Sozialfonds in den vergangenen Monaten dagegen nicht gestiegen. «Unsere Kasse ist alles andere als ausgeschöpft», sagt Matthias Klein vom Referat für Soziales und Ökologie. Dass der Andrang nicht so groß sei, liege wohl daran, dass dieses Jahr zum Sommersemester keine neuen Studenten zugelassen wurden. Die «Hoch-Zeit» sei in der Regel zu Beginn eines Wintersemesters.

Die meisten Antragsteller sind Studierende «der alten Studiengänge», sagte Klein. Gründe für einen Antrag seien «außerordentlich vielfältig». Häufig würden aber «Probleme mit dem BAföG» angegeben. Von Alleinerziehenden sei - «obwohl man ja eigentlich etwas anderes erwarten könnte» - in der letzten Zeit kein einziger Antrag eingegangen. Ausländische Studierende stellen ebenfalls eine große Gruppe der Antragsteller. Diese fielen meist durch das Raster staatlicher Finanzierung (haben beispielsweise als EU-Ausländer keinen Anspruch auf BAföG) und stießen außerdem «auf überdurchschnittliche Probleme bei der Jobsuche», sagt Klein.

Im Sozialreferat des AStA in Koblenz verzeichnet Referentin Eva Raschke derzeit «noch nicht mehr und nicht weniger» Hilfesuchende. «Vielleicht liegt es daran, dass die Bachelor-Studiengänge noch nicht komplett eingeführt sind», sagt sie und befürchtet, dass sich dies mit der weiteren Verbreitung der neuen Studiengänge ändert. Bei den Bachelorstudiengängen bleibe wegen der straffen Organisation der Kurse oft wenig Zeit, nebenher jobben zu gehen.

«Es könnte derzeit eher sein , dass Schulabgänger erst gar kein Studium anfangen, weil sie befürchten, es nicht finanzieren zu können», meinte Raschke. Die meisten Ratsuchenden in Koblenz bräuchten wegen Verzögerungen bei der BAföG-Zahlung eine Überbrückung. In finanziellen Notlagen vergibt der AStA Koblenz ein zinsloses Darlehen. «Die Rückzahlung in Raten klappt meist problemlos.» Für Studierende mit Kindern gebe es eine Extra-Beratungsstelle.

AStA der Uni Mainz: www.asta-uni-mainz.de

ASta der Uni Trier: www.asta.uni-trier.de

dpa-infocom



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