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Immer mehr Menschen suchen Schuldnerberatung

Stuttgart Kurzarbeit und Entlassungen treffen immer mehr Menschen - gleichzeitig verführen die Abwrackprämie und günstige Kreditkonditionen viele Konsumenten zum Kauf auf Pump. Das merken auch die Schuldnerberater: Immer mehr Menschen suchen bei ihnen Hilfe.

In welcher Form spüren Schuldnerberater die Krise?

Die Zahl der Menschen , die Schuldnerberatungsstellen aufsuchen, ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. «Was derzeit noch mehr ins Gewicht fällt als die Kurzarbeit, sind Entlassungen - zum Beispiel bei den Zeitarbeitsfirmen», sagt Wolfgang Schrankenmüller, Leiter der ZSB Stuttgart. Oft fehlt dann das Geld, um den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Wie helfen die lokalen Beratungsstellen?

«Ganz so bunt wie im Fernsehen geht es bei uns nicht zu», betont Schrankenmüller. Vor allem dauern die Verfahren deutlich länger, als es etwa bei «Schuldnerberater Peter Zwegat» in der RTL-Sendung scheint. Am Beginn einer seriösen Beratung steht eine Bestandsaufnahme. Denn meist wird die Überschuldung von Problemen begleitet wie Arbeitsplatzverlust, Trennung oder Krankheiten. Nur wenn alle Ursachen bekannt sind und die Grundbedingungen geändert werden, lassen sich Schulden auf Dauer wegbekommen. «Ziel ist, den häufigen Drehtüreffekt zu vermeiden», so der Fachmann. Wer denke, er melde schnell Privatinsolvenz an, und alle Probleme seien gelöst, der liege gründlich daneben.

Welche Nachteile bringt eine Privatinsolvenz mit sich?

Bevor die Restschuld erlassen werden kann, dauert es sechs Jahre. In dieser Zeit muss der Antragsteller auf alles verzichten, was über die Pfändungsgrenze hinausgeht, weil die Gläubiger so gut wie möglich bedacht werden sollen. Zudem müssen im Verfahren alle Verpflichtungen offengelegt werden. «So erfahren meist auch Vermieter und Arbeitgeber von der Lage», sagt Schrankenmüller. Einen Eintrag ins Schuldenregister gibt es außerdem, und nach der Insolvenz besteht eine Sperre von zehn Jahren. «Sie soll ja nicht zur Dauerlösung werden.» Es gibt übrigens auch Ablehnungsgründe - etwa, wenn jemand unredlich gegenüber seinen Gläubigern war.

Was raten Experten zum Verhalten in der Krisenzeit?

«Man sollte es dringend vermeiden , jetzt noch mehr Einkommen in Ratenzahlungen zu binden», empfiehlt Schrankenmüller. Das gilt besonders, wenn vorher schon Kredite aufgenommen wurden. Auch beim Kauf mit Null-Prozent-Finanzierung entstünden letztlich nur weitere Schulden - ein Problem in unsicheren Zeiten.

Schuldnerberatung Stuttgart: www.zsb-stuttgart.deVon Wenke Böhm, dpa

dpa-infocom



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