Tragödie in Mexiko: 35 Kinder sterben im Feuer
Mexiko-Stadt Das Feuerinferno brach in der Zeit des Mittagsschlafes über den Kindergarten «ABC» in der mexikanischen Stadt Hermosillo herein.
35 Babys und Kleinkinder erstickten oder verbrannten am Freitag trotz verzweifelter Rettungsversuche der Feuerwehr und herbeigeeilter Passanten.
Gegen 15.00 Uhr war es nach ersten Erkenntnissen der Behörden aus bisher unbekannter Ursache in einer angrenzenden Garage zu einer schweren Explosion gekommen. In einer Kettenreaktion explodierten die Benzintanks dort abgestellter Fahrzeuge, und das Flammenmeer breitete sich in Sekundenschnelle auf den Kindergarten aus.
Bei der schlimmsten Feuerkatastrophe in einem mexikanischen Kindergarten wurden nach Angaben vom Samstag weitere 50 Kleinkinder zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Zustand von 20 von ihnen sei sehr ernst, sagte Gouverneur Eduardo Bours am Nachmittag (Ortszeit). Die Opfer seien zwischen drei Monaten und vier Jahren alt. Auch sechs Erwachsene mussten ins Krankenhaus. Presseberichten zufolge gab es keine Notausgänge.
Der Eingang der Kindertagestätte wurde von einer Feuerwand versperrt, Teile des Blechdaches stürzten ein. Dicker schwarzer Qualm drang aus dem blau, rosa und gelb angemalten Haus. Die Feuerwehr rammte mit ihren Fahrzeugen Fluchtlöcher in die Außenwände, Menschen rannten mit mehreren Babys im Arm von dem Gebäude weg, während Ärzte auf dem Gehweg vergeblich versuchten, kleine Kinder zu reanimieren. Selbst hartgesottene Feuerwehrleute reagierten fassungslos. Die verletzten Kinder wurden zum Teil mit schweren Vergiftungen und Verbrennungen in Krankenhäuser gebracht, während Eltern in ohnmächtiger Panik von Klinik zu Klinik eilten, um ihre Kinder zu finden.
Mexikos Präsident Felipe Calderón zeigte sich schockiert über die Tragödie und sprach den betroffenen Familien sein tiefes Beileid aus. Die Generalstaatsanwaltschaft wies er an, die Ursache des Brandes schnell und umfassend aufzuklären. Zudem wurden 15 Spezial-Ärzte in die Stadt im Nordwesten des Landes geschickt. Ein Sonderflugzeug sollte etwa 30 Kinder in die Spezialklinik Shrinners für Kleinkinder mit Verbrennungen nach Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien bringen.
In Hermosillo, der Hauptstadt des wüstenartigen Bundesstaates Sonora, machte sich unterdessen Chaos breit. Die Stadt mit mehr als 700 000 Einwohnern hallte von den Sirenen dutzender Krankenwagen wieder. Hermosillo liegt rund 1900 Kilometer nordwestlich von Mexiko- Stadt.
Zunächst hatte es geheißen, das Feuer habe seinen Anfang in einem nahe gelegenen Reifenlager genommen. Der Eigentümer des Unternehmens dementierte das jedoch. Unklar war auch noch, wie viele Kinder sich zum Zeitpunkt des Unglücks überhaupt in dem Kindergarten aufhielten. Die Rede war von mindestens 150 Kindern. Ob der private Kindergarten, der unter staatlicher Aufsicht stand, den Brandschutzbestimmungen entsprach, galt als fraglich. Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa
dpa-infocom
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