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Als die Köpfe rollten - London feiert Heinrich VIII.

London Es ist ein kurioses Bild: Da hat sich König Heinrich VIII. in ganzer Leibesfülle und vollem Ornat in seinem Schlosshof aufgebaut, und vor ihm steht ein indischstämmiger Schuljunge von etwa acht Jahren und löchert ihn mit Fragen.

«Warum haben Sie das getan? Warum haben Sie all Ihre Frauen umgebracht? Sie fanden sie langweilig, nicht wahr?» Der König lacht dröhnend: «So was hat mich noch keiner gefragt!» Das ist der Vorteil, wenn man King Henry (1491-1547) heute, 500 Jahre nach seiner Thronbesteigung, trifft: Man riskiert nicht mehr Kopf und Kragen dabei.

Im Jubiläumsjahr 2009 haben sich die Engländer einiges einfallen lassen: In London gibt es zahlreiche Sonderausstellungen, die einen Besuch lohnen. Die Story gibt was her! Heinrich VIII. - genau, das war der, der seinen Frauen erst den Kopf verdrehte und ihn dann abschlagen ließ. Wer kennt nicht das berühmte Bild von Hans Holbein mit dem breitbeinig dastehenden Koloss von König - die fleischgewordene Macht. Kleine Augen, schmale Lippen - wenn das kein Killer ist!

Auf Schloss Hampton Court, dem wunderbaren Tudor-Schloss direkt an der Themse, wird Heinrich in diesem Sommer von insgesamt drei Schauspielern verkörpert. Mit seiner letzten Frau Catherine Parr wandelt er durch die Gänge und Säle. Er gibt sich zwar viel netter als das Original, aber sonst so, dass jedes Detail mit den historischen Quellen übereinstimmt. Deshalb ist das Schloss mit seinen mehr als 1000 Zimmern auch so leer: Der König residierte abwechselnd auf verschiedenen Schlössern und nahm die Möbel mit.

Dennoch gibt es auf Hampton Court viel zu sehen - zum Beispiel die größte erhaltene Küche der Renaissance-Zeit. Der Speise-Archäologe Mark Meltonville ist dort täglich mit nichts anderem beschäftigt, als 500 Jahre Rezepte auszuprobieren. «Dies war eher eine Nahrungsfabrik als eine Küche», erklärt er. Der König kam mit einem Gefolge von 600 Menschen. «Nach 600 Stücken Apfelkuchen waren die Apfelbäume in der Umgebung alle leer. Schon deshalb konnte der Hof nicht lange bleiben.» Heinrich selbst ernährte sich so einseitig von Fleisch, dass dies zwangsläufig zu einem frühen Tod führen musste.

Dass Heinrich nicht schon immer das frauenverschlingende Monster war, zeigt Hampton Court mit der Ausstellung «Young Henry». Anfangs war er so etwas wie der Prinz William seiner Zeit - gutaussehend, sportlich und 1,85 Meter groß, für seine Zeit ein Riese. Fett wurde er erst nach einem schweren Reitunfall, weil er danach keinen Sport mehr treiben konnte. Die Ausstellung «Heinrichs Frauen» stellt seine sechs Gattinnen vor. Im «Spuk-Korridor», wo noch heute der Geist von Frau Nummer fünf umgehen soll, hängt außerdem das Bildnis der Christina von Dänemark. Sie lehnte ein Heiratsangebot mit den Worten ab: «Wenn ich zwei Köpfe hätte, würde ich einen davon dem König von England zur Verfügung stellen.»

Sehenswert sind auch Heinrichs flämische Wandteppiche - für jeden hätte man drei Kriegsschiffe kaufen können. Die mit Abstand größte Ausstellung richtet der Tower von London aus: «Dressed to Kill», heißt sie. Gezeigt werden Heinrichs Ganzkörper-Rüstungen. Sie waren so raffiniert gemacht, dass sie der amerikanischen Weltraumagentur NASA als Vorbild für Astronautenanzüge dienten.

Informationen: Historic Royal Palaces; Telefon von Deutschland: 0044/20/31 66 60 00, E-Mail: hamptoncourt@hrp.org.uk

Die königlichen Paläste (englisch): www.hrp.org.uk

Reise-Informationen über Großbritannien: www.visitbritain.de/accommodation Von Christoph Driessen, dpa

dpa-infocom