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Pflege des Frohsinns im Lach-Club

Halle (dpa) ­ «Hoho hahaha, hoho hahaha», ruft Wiebke Grote in einem immer gleichen Rhythmus und klatscht dazu in die Hände.

Die zehn Kursteilnehmer stimmen mit ein. Dann fordert sie ein «Begrüßungslachen», und die Teilnehmer laufen in dem Raum umher.

Wer sich trifft, lacht miteinander. Weil das bei jedem Aufeinandertreffen anders klingt, entsteht ein witziges Gemisch aus Gekicher, Gejohle und Gebrüll. Grundlos lachen ­ wie lächerlich, könnte man meinen. In Lach-Clubs wie jenem in Halle allerdings wird das mit großem Erfolg praktiziert. Und das nicht etwa, indem am laufenden Band Witze erzählt werden. Lach-Yoga nennt sich diese Technik, die immer mehr Anhänger findet. Das Geheimnis: Das künstlich erzeugte Lachen soll schnell in echtes Lachen übergehen.

Seit acht Jahren treffen sich in Halle regelmäßig Menschen in dem laut Grote «ersten und einzigen halleschen Lach-Club», um für eine halbe Stunde miteinander den Frohsinn zu pflegen. «Länger hält man das auch nicht aus», sagt die Leiterin, «sonst platzt man». Schließlich ist von Anfang bis Ende Konzentration gefragt.

Willkommen ist jeder. Auffällig ist jedoch, dass deutlich mehr Frauen mitmachen. Wenn dann doch einmal Männer dabei sind, sei das ein enormer Zugewinn ­ schon wegen des typischen Männerlachens. «Auch Kinder haben schon mitgemacht, aber für sie ist das eher ungewohnt, wenn sich die Erwachsenen hier wie Kinder benehmen», sagt die 72 Jahre alte Grote und fügt lächelnd hinzu: «Wenn ich das hier mache, dann bin ich fünf.»

Unbeschwerte Fröhlichkeit ­ das ist es, was Grote den Teilnehmern beim Lach-Club mitgeben möchte. Sie selbst habe mit dem Lach-Yoga die Trauer um ihren verstorbenen Mann bewältigt, erzählt sie. Sie ließ sich zur Lach-Trainerin ausbilden und hat seither riesigen Spaß beim Weitergeben ihrer Kenntnisse.

Gegen all die derzeitigen Krisen empfiehlt Grote ein vorbeugendes Lachen, beugt sich nach vorn und lacht. Die anderen tun es ihr gleich. Dann wiehern, grunzen und brüllen alle wie ein Tier und stehen sich schließlich paarweise gegenüber nach dem Motto «wer zuerst lacht». «Das Lachen macht frei. Nach dem Kurs fühlt man sich einfach frisch», sagt Rentner Hartmut Thomas aus Teutschenthal (Saalekreis).

Felicitas Leistner und Tina Kowarsch, beide 18, sind zum ersten Mal dabei. Sie sammeln Eindrücke und Informationen für eine Seminararbeit in der Schule. Dafür sind die beiden extra aus Erfurt nach Halle gereist. «Es war ganz toll», sagt Felicitas. Ihre Freundin stimmt begeistert zu: «Es war interessant zu sehen, dass man irgendwann wirklich lachen musste.»

«In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 300 Lach-Clubs und Lach-Schulen», sagt Michaela Schäffner, Vorsitzende des Verbands der deutschen Lach-Yoga-Therapeuten. Dabei habe Lach-Yoga erst etwa im Jahr 2000 in Deutschland Einzug gehalten, «nachdem es die ersten Leute in Indien gesehen hatten». Mit seiner Wirkung auf Immun- und Gefäßsystem sowie den Stoffwechsel sei Lachen nicht nur sprichwörtlich, sondern auch erwiesenermaßen gesund.

Vielleicht sei diese Technik des Lachens ohne Grund auch deshalb heute so beliebt, weil «vielen das Lachen und die Leichtigkeit im Alltag abhandengekommen sind», sagt Schäffner: «Das Geniale am Lach-Yoga ist ja: Man geht selbst in Aktion, um Stress auslösenden Faktoren entgegenzuwirken.» Dazu kommt, dass man die Übungen auch ganz allein ausführen kann. Das allerdings habe einen geringeren Effekt als ein Kurs in der Gruppe: Lachen ist schließlich ansteckend.

Lach-Clubs in Deutschland: www.lachbewegung.de Von Antonie Städter, dpa

dpa-infocom