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Boris Becker heiratet wieder

Hamburg Er stand zwölf Wochen an der Spitze der Tennis-Weltrangliste - die Nummer eins in den Klatschspalten ist Boris Becker (41) schon seit fast einem Vierteljahrhundert.

Der dreimalige Wimbledonsieger hat auf dem Platz Heldentaten vollbracht und privat Kapriolen geschlagen, wie es kein anderer deutscher Sportler vermochte. Und obwohl er nun schon seit zehn Jahren keine Asse mehr für Deutschland serviert, ist seine zweite Hochzeit an diesem Freitag in St. Moritz ein gesellschaftliches Großereignis. Wie hat er das geschafft?

Mit dem gleichen Instinkt und der gleichen Bedingungslosigkeit wie nach den Bällen auf dem Tennisplatz hechtete Becker in so manchen Fettnapf. Fremdschlafen, Scheidung, Steuerbetrug - jeder Fehltritt ein gefundenes Fressen für die Gazetten. Und wenn man schon dachte, schlimmer geht's nimmer, setzte Becker noch einen drauf.

Begonnen hatte alles am 7. Juli 1985, als ein rotblonder sommersprossiger Jüngling aus dem badischen Leimen Sportgeschichte schrieb. Als erster Deutscher und mit 17 Jahren als jüngster Spieler überhaupt gewann Becker in Wimbledon. Ein Beben ging durch die Tenniswelt, ein Orkan durch den Blätterwald. Becker war noch ein Teenager, konnte sich aber nirgendwo mehr unerkannt bewegen.

Er war «Bum-Bum-Becker» , «unser Boris», das «Bobbele» und der «rote Baron». Er wurde öffentlich verheiratet (1993) und wegen Steuerbetrugs verurteilt (2002). Die Geburt seines ersten Sohnes Noah Gabriel (1994) war ein Medienspektakel. Jahre später verfolgten Millionen im Fernsehen das live aus Miami übertragene Scheidungstribunal (2001). Man diskutierte über Samenraub und ein außereheliches Kind, das ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Beckers Frauengeschmack war ein Dauerthema, seine Fehlschläge als Geschäftsmann, seine Starkstrom-Frisuren und sein Modegespür.

«Vielleicht war er zu jung, um zu wissen, dass er zu jung war, um Wimbledon zu gewinnen», schrieb die «Washington Post» schon nach Beckers erstem Wimbledonsieg 1985 in weiser Voraussicht. Er war ein Idol, der sein sportliches Talent in 25 Millionen Dollar Preisgeld ummünzte, aber mit der ihm übergestülpten Vorbildfunktion und dem Leben nach dem Ruhm kam er nicht zurecht.

«Boris Becker aus Leimen ist in Wimbledon 1985 gestorben und dort in neuer Gestalt wiederauferstanden», schrieb Becker in seiner Autobiografie. «Er wurde beschlagnahmt, vereinnahmt, nationales Eigentum, eine Art volkseigener Betrieb.» Sicher hat Becker nicht die Chance gehabt, in Ruhe erwachsen zu werden. Aber er hat seinen Status auch ausgekostet und - anders als zum Beispiel Steffi Graf - sich selbst immer wieder ins Spiel gebracht, als es längst nicht mehr um Serve-and-Volley ging.

«Die Leute sollen wissen, wie es dem Boris geht», sagte er einst. Und wie um diese These noch einmal zu unterstreichen, startete er Mitte Mai sein eigenes Internet-Fernsehen. Unter www.boris-becker.tv kann jeder, der es möchte, sehen, «wer Becker ist und wie er lebt», wie er pokert, einkauft oder Urlaub mit seinen Kindern macht. Und außerdem ist er mit seinem Web-TV Zweitverwerter der Fernsehrechte an seiner eigenen Hochzeit, die er an RTL verkauft hat. Ohne Millionenpublikum geht gar nichts.

Allein das Vorspiel zu diesem Fest ist ein Kapitel für sich. Lilly Kerssenberg (32) war eigentlich schon abserviert, als Becker sich im vergangenen Sommer überraschend mit der Tochter seines früheren Managers verlobte. Knapp drei Monate später, kurz bevor Becker mit seiner jungen Braut auf Thomas Gottschalks Wett-Couch Platz nehmen sollte, war die blonde Sandy Meyer-Wölden schon wieder Geschichte.

Der Frauenheld besann sich auf sein altes Beuteschema und bandelte wieder mit der rassigen Niederländerin an. Und versprochen ist versprochen: Am 28. Februar kündigte Becker bei «Wetten, dass..?» tatsächlich eine Hochzeit an, nur halt mit einer anderen Frau. Und wie findet Lilly das? Sie wähnt sich trotz Ehevertrags am Ziel ihrer Träume: «Ich werde Frau Becker», schwärmte sie. «Ich werde eine neue Frau.» Von Ines Bellinger, dpa

dpa-infocom