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Hauptstadt der Bescheidenheit: Bonn der Gründerväter

Bonn Die Bundesrepublik Deutschland entstand mitten unter Elefanten und Giraffen.

Seit dem 1. September 1948 tagte der Parlamentarische Rat zwischen den ausgestopften Tieren des naturkundlichen Museums Koenig in Bonn.

Dort verabschiedete er am 8. Mai 1949 auch das Grundgesetz. Die Politiker sind schon lange fort, aber die Tiere sind geblieben. Das Museum Koenig ist heute ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Das Großwild ist nun Teil einer Savannenlandschaft im Lichthof. Nur eine Tafel an der Wand erinnert noch daran, dass dies die Geburtsstätte der deutschen Nachkriegsdemokratie ist. Nicht nur das Grundgesetz entstand hier, auch Bundeskanzler Konrad Adenauer hielt dort anfangs seine Kabinettssitzungen ab. Gefallen hat ihm das nicht. Ende 1949 zog er ins Palais Schaumburg um.

Noch heute könnte er dort seine Arbeit sofort wieder aufnehmen: Globus, Stempel, Blumenvase - alles steht am alten Platz. Das Interieur wirkt auf den ersten Blick vornehm, ist aber Gelsenkirchener Barock. Für eine Besichtigung muss man sich im Haus der Geschichte anmelden. Dort findet man zwei andere Prunkstücke der Adenauer-Ära: seinen Eisenbahn-Salonwagen und seine Dienstlimousine.

Im Nachbarort Rhöndorf wiederum kann man Adenauers Wohnhaus mit dem berühmten Rosengarten an den Hängen des Rheins besichtigen. Der im Rheinland verwurzelte Adenauer hatte wesentlichen Anteil daran, dass nicht Frankfurt/Main, sondern das beschauliche Bonn zur Hauptstadt aufstieg. Für Adenauer war Bonn aber auch ein Symbol dafür, dass der neue Staat fest im Westen verwurzelt war und die alte Großmannssucht der Vergangenheit angehörte.

Wenn man heute durch das ehemalige Regierungsviertel schlendert, fällt einem sofort auf, wie bescheiden alles wirkt, vor allem wenn man dabei an Reichstagskuppel und Berliner Kanzleramt denkt. Bonn war ein Regierungssitz des Understatements. In Bonn «Weltpolitik» machen zu wollen, war schon aufgrund der örtlichen Gegebenheiten kaum möglich. Die Bonner Politik verzichtete entsprechend auf jede Auftrumpferei. Neben einer gewissen Provinzialität strahlt Bonn Wohlstand und Solidität aus, und genau das hat die alte Bundesrepublik ausgemacht. Neubauten blieben gleichermaßen unprätentiös, wie das 1976 fertiggestellte Bundeskanzleramt, das heute vom Entwicklungsministerium genutzt wird.

Unmittelbar nach dem Bundestagsvotum für Berlin sah es 1991 so aus, als würde Bonn im Dornröschenschlaf versinken. Doch Bonn boomt. Die Stadt ist nicht nur Sitz von Telekom und Post, sondern auch von zwölf UN-Organisationen. Im «Langen Eugen», dem früheren Abgeordnetenhaus, residieren jetzt die UN-Leute - Bonn hat sich neben New York, Genf, Nairobi, Wien und Den Haag zu einem der wichtigsten Standorte der Vereinten Nationen entwickelt. Überragt wird der 112 Meter hohe «Lange Eugen», benannt nach dem gar nicht so langen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier (1906-1986), mittlerweile vom Post-Tower mit 162 Metern Höhe.   

Der neue Plenarsaal des Bundestags - noch im Bau, als 1991 die Entscheidung für Berlin fiel - wurde zum Konferenzzentrum umgerüstet. Zu diesem Tagungskomplex gehört auch das Wasserwerk, in dem der Bundestag von 1986 bis 1992 seine Sitzungen abhielt. Nur nach dem Konrad-Adenauer-Hochhaus mit dem roten CDU-Logo sucht man vergebens: Das aus dem Fernsehen bekannte Symbol der Bonner Republik wurde im Dezember 2003 gesprengt.

Informationen: Bonn-Information , Windeckstraße 1/Am Münsterplatz 53111 Bonn, Telefon: 0228/77 50 00, E-Mail: bonninformation@bonn.de

Museum Koenig: www.zfmk.de

Stiftung Haus der Geschichte: www.hdg. de

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus: www.adenauerhaus.de

Weg der Demokratie: www.wegderdemokratie.de Von Christoph Driessen, dpa

dpa-infocom