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Azoreninsel São Miguel: Mehr als ein Wanderparadies

Ponta Delgada Die Azoren liegen ziemlich weit ab vom Schuss: Bis zum portugiesischen Festland sind es gut 1500 Kilometer.

Nach New York in Richtung Westen ist es dreimal so weit. Und im Norden kommt lange Zeit gar nichts und dann irgendwann Grönland.

Touristisch dämmerten die neun Inseln lange im Dornröschenschlaf, und ganz aufgewacht sind sie immer noch nicht. Vielleicht ist das aber ganz gut. Denn so müssen Besucher nicht fürchten, sich beim Wandern entlang von Kraterseen, heißen Quellen und Teeplantagen gegenseitig auf die Füße zu treten. Das gilt auch für São Miguel, die mit Abstand größte und wirtschaftlich wichtigste Insel des Archipels im Atlantik.

Für Azoren-Einsteiger eignet sich São Miguel schon wegen des breiten Hotelangebots. Viele Gäste bleiben in der Inselhauptstadt Ponta Delgada. Die Stadt ist ganz schnuckelig, aber nicht unbedingt aufregend. Anderswo gibt es mehr zu sehen. Furnas zum Beispiel lohnt einen Abstecher. Der Ort im Landesinneren zeigt São Miguel von einer anderen Seite - mit heißen Quellen, Parkanlagen und alten Villen.

Furnas zählt gut 1500 Einwohner , die Übernachtungsmöglichkeiten sind bescheiden. Einen besonderen Ruf genießt aber das «Terra Nostra Gardens Hotel». Es wurde 1933 eröffnet und ist vom Terra Nostra Park umgeben, der Besucher schon durch seine Größe in Erstaunen versetzt. Etliche Bäume hat Thomas Hickling gepflanzt, ein Amerikaner, der mit Orangen ein Vermögen gemacht hatte und für Furnas schwärmte. Er baute sich dort den Sommersitz «Yankee Hall» und starb 1834 mit 91 Jahren.

Manche Eiche steht noch, die Hickling in den fruchtbaren Boden gesetzt hat. In dem Park wachsen aber noch mehr als 3000 andere Bäume und mehr als 300 Kamelienarten. Unter meterhohen Palmenbäumen bewegen sich Spaziergänger wie im Tropenwald. Schwäne und Nilgänse ziehen Bahnen auf Teichen, die an englische Landschaftsgärten denken lassen. Einer der Hauptanziehungspunkte im Terra Nostra Park aber ist ein Pool, dessen undurchsichtig-braunes Wasser aufgrund des vulkanischen Ursprungs der Insel Badewannentemperatur hat.

Dass es unter der Erde brodelt und Dampffontänen aus Bodenritzen quellen, ist auf São Miguel nichts Ungewöhnliches. Auf faszinierende Weise wird das in der Nähe von Furnas sogar zum Kochen genutzt: Die Spezialität heißt «Cozido das Furnas» und ist ein Eintopf aus Gemüse und Fleisch, gegart mit Hitze aus der Erde. Der Cozido-Topf wird dazu mit einem Sack oder Tuch umwickelt und in einem Erdloch vergraben. Nach fünf Stunden ist der Eintopf servierfertig. Das Loch wird wieder aufgebuddelt und der Topf hochgehievt - dann kann geschlemmt werden.

Eine schöne Wanderung auf São Miguel führt zu den Kraterseen in der Nähe von Feteiras im Nordwesten. Der Aufstieg bis zum Kraterrand erfordert nicht viel Kondition. Hortensien wachsen am Wegesrand, die Ufer sind grün. Als traditioneller Aussichtspunkt gilt der Vista do Rei - von hier hat Portugals Königspaar Carlos und Amélia 1901 in 550 Metern Höhe den Blick auf die 300 Meter tiefer gelegenen Kraterseen genossen. Lagoas Verde und Azul - grüne und blaue Seen werden sie genannt, weil sie sich farblich unterscheiden, wenn auch nur bei entsprechenden Lichtverhältnissen und klarem Himmel.

Dass es auf den Azoren die einzigen Teeplantagen Europas gibt, ist die Folge einer mittelgroßen Katastrophe. Denn berühmt war die Insel lange für ihre Orangen. Wahrscheinlich brachten Seefahrer die ersten Orangenbäume schon um 1550 auf die Azoren. Nach 1860 wurden jährlich 185 000 Kisten exportiert. Doch dann befiel im späten 19. Jahrhundert eine Pilzkrankheit die Pflanzen. Die Orangenbäume waren verloren, die guten Geschäfte vorbei. Viele Unternehmer mussten sich etwas Neues einfallen lassen. Manche versuchten es mit Tabak, andere mit Ananas. Und ein paar Landwirte hatten die kluge Idee, auf Tee umzusteigen.

Die Familie von Hermano Ataide Mota gehörte dazu. Er führt den Betrieb inzwischen in fünfter Generation. Cha Gorreana heißt seine 1883 gegründete Teefabrik, die von Plantagen umgeben ist, in denen die Teepflanzen auf sandigem, eisenhaltigen Boden wachsen.

Hermano Ataide Mota ist ein Gentleman , der die Vorliebe für Tee persönlich teilt: «Ich trinke ihn jeden Tag», erzählt er, während er in einen Sack mit Teeblättern greift. Sein Betrieb bei Maia im Norden der Insel ist der letzte von mehr als 60, die es einst auf São Miguel gab. «Wir haben verschiedene Schwarztees wie 'Orange Pekoe', aber auch einen grünen Tee», erklärt Ataide Mota. «Das meiste wird hier auf den Inseln verkauft, aber wir exportieren auch nach Deutschland.»

Für Touristen ist Motas Betrieb inzwischen zu einer Attraktion geworden: Besuchern wird erklärt, wie der Tee zwischen April und September geerntet, die Teeblätter getrocknet und verarbeitet werden. Und wer möchte, kann gleich probieren, wie ein «Cha Gorreana Pekoe» und ein «Broken» schmecken - dann ist Tea Time auf den Azoren.

Informationen: Portugiesisches Fremdenverkehrsamt, Zimmerstraße 30, 10117 Berlin, Telefon: 01805/00 49 30 (für 14 Cent/Minute), E-Mail: aicep.berlin@portugalglobal.pt

Azoren Tourismus: www.visit-azoren.de

Teeanbau auf den Azoren: www.gorreana.com

Häuser auf den Azoren (englisch): www.casasacorianas.com

Portugal Tourismus: www.visitportugal.com Von Andreas Heimann, dpa

dpa-infocom