pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Frauen

Wie die Babypause nicht zum Karriereknick wird

Stuttgart In Sonntagsreden werden sie gelobt - die Qualitäten der Mütter für das Berufsleben.

Doch wenn es darauf ankommt, schrecken Arbeitgeber immer noch vor Müttern zurück. Schließlich sind sie nicht mehr so flexibel wie früher.

Das Gesetz steht auf der Seite der Mütter, denn Frauen in Elternzeit dürfen nicht gekündigt werden. Allein auf ihr Recht sollten sich Frauen aber nicht verlassen, wenn sie nach der Babypause wieder in den Job einsteigen möchten.

«Frauen sollten früh beim Arbeitgeber deutlich machen, dass sie wiederkommen wollen», rät die Personalberaterin Petra Bonnet aus Stuttgart. Gut sei, Lösungsvorschläge parat zu haben, wenn man nicht mehr zu 100 Prozent einsatzfähig ist.

Mütter sollten schon während der Babypause darüber nachdenken, ob sie in den alten Job zurückwollen oder ob es Alternativen gibt, rät Friedegard Baier von der Kontaktstelle Frau & Beruf der Wirtschaftsstiftung Südwest in Karlsruhe. «Oft ist eine Selbstständigkeit eine gute Alternative, weil man flexibler ist», ergänzt Madeleine Leitner, Karriereberaterin aus München.

Denn nicht immer läuft alles so glatt wie gewünscht. «Viele Arbeitgeber sagen, sie könnten keine Teilzeitstelle anbieten», erklärt Baier. Allerdings müssten das die Firmen genau nachweisen, was in vielen Fällen schwierig ist.

Arbeiteten Frauen in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten, haben sie einen Anspruch auf eine Erwerbstätigkeit in Teilzeit, erläutert das Bundesfamilienministerium in Berlin. Voraussetzung sei, dass das Arbeitsverhältnis vorher bereits mindestens sechs Monate bestand und die Teilzeitarbeit sich über mindestens zwei Monate erstreckt. Die Arbeitnehmerin muss dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Wiederaufnahme der Tätigkeit ihren Wunsch auf Teilzeitarbeit schriftlich mitteilen. Dieser darf laut Ministerium nur ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen.

Die Beraterin hört immer wieder von Maschen der Arbeitgeber, um Mütter loszuwerden: «Manche lassen die Frauen einsteigen und kündigen erst nach den regulären drei Monaten.» Andere Firmen zeigten sich extrem unflexibel. «Eine Frau sollte zum August wieder anfangen, hatte aber erst ab September einen Kita-Platz.» Die Firma stellte sich quer, die Mutter hatte eine schlechte Verhandlungsposition.

Arbeitgeber müssen die Frauen zwar wieder einstellen, aber nicht im identischen Job wie vor der Babypause. Und genau das kann eine gute Möglichkeit sein, eine Frau loszuwerden. «Manche kündigen dann von selbst, weil sie so unglücklich sind», sagt Baier. Das hält sie allerdings für eine schlechte Idee, wenn noch kein neuer Job gefunden ist. Sie warnt auch davor, sich auf eine Abfindung einzulassen. «Das Geld ist meist sehr schnell aufgebraucht.»

Laut Madeleine Leitner lässt sich ein Karriereknick nur mit einer sehr kurzen Babypause abwenden. Und eine Mitarbeiterin in Teilzeit berate eben nicht mehr die Topkunden und bekomme auch nicht die ganz großen Projekte. Viele Mütter unterschätzten auch die Doppelbelastung und glaubten, mit Kindern so arbeiten zu können wie ohne. «Das ist aber nur in den seltensten Fällen so, dabei sollten die Frauen stolz darauf sein, was sie leisten», sagt Leitner.

Ratgeber «Elterngeld und Elternzeit»: www.bmfsfj.de , Stichwort «Publikationen» - «Familie» Kündigungsschutz in der Elternzeit Der Arbeitgeber darf während der Elternzeit nicht kündigen. Der besondere Kündigungsschutz nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz trete mit Anmeldung der Elternzeit in Kraft, frühestens jedoch acht Wochen vor deren Beginn, erläutert das Bundesfamilienministerium in Berlin. Kündigt der Arbeitgeber trotzdem während der Elternzeit, müsse die betroffene Frau innerhalb von drei Wochen nach Bekanntgabe vor dem zuständigen Arbeitsgericht dagegen klagen. Versäumt sie diese Frist, gelte die Kündigung als rechtswirksam. Von Britta Schmeis, dpa

dpa-infocom