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Wissenschaft

Regenwald-Rodung bringt Bewohnern keinen Wohlstand

São Paulo/Washington Die Abholzung des Regenwalds im Amazonas bringt den dort lebenden Einwohnern und Gemeinden nicht den erhofften dauerhaften Wohlstand.

Zu diesem Schluss kommt ein Vergleich der Entwicklung von 286 Gemeinden im brasilianischen Amazonas, der im US-Fachjournal «Science» (Bd. 324, S. 1435) veröffentlicht ist. Demnach verzeichnen die Gemeinden zwar unmittelbar nach der Rodung der Wälder, etwa durch Holzverkauf und die anschließende landwirtschaftliche Nutzung der gerodeten Gebiete, zunächst einen signifikanten, raschen Anstieg des Lebensstandards, der aber in den Folgejahren fast vollständig wieder verschwindet.

Die Wissenschaftler um Ana Rodrigues vom französischen Forschungszentrum CNRS sprechen von einem «boom-and-bust»-Schema, einem «Auf-und-Abschwung»-Muster. Einen Grund für den baldigen Rückgang des Lebensstandards sehen die Autoren der Studie in dem raschen Zuzug neuer Bewohner in die lockende Boom-Region und der dadurch schrumpfenden Produktivität.

Die Studie prüfte, ob sich das mit der Abholzung verbundene «legitime Streben» nach wirtschaftlicher Entwicklung für die Menschen in den Gemeinden erfüllte. Dabei legten die Forscher Werte des UN- Entwicklungsindexes HDI zugrunde. Der Index beinhaltet Daten zur Lebenserwartung, Alphabetisierungs- und Einschulungsrate und zum Pro-Kopf-Einkommen.

Für die 286 in unterschiedliche Phasen der Entwaldung untersuchten Gemeinden wurden unter anderem HDI-Daten aus dem Jahr 2000 verwendet. Im Resümee der Studie heißt es, dass die Einwohner von den Gemeinden, die ihre Wälder abholzten, nicht besser dran seien, als Bewohner solcher Gemeinden, die ihre Wälder stehen ließen. «Das derzeitige Entwicklungsmuster im brasilianischen Amazonas ist deshalb mit Blick auf die menschliche Entwicklung und die Bewahrung natürlicher Ressourcen alles andere als wünschenswert», schreiben die Forscher.

Sie verweisen darauf, dass das brasilianische Amazonasgebiet rund 40 Prozent der weltweit verbliebenen tropischen Regenwälder beheimatet. Zwischen 1988 und 2008 seien dort jährlich durchschnittlich 1,8 Millionen Hektar (rund die Fläche Sachsens) verloren gegangen, was etwa der einem Drittel der globalen Entwaldung in den Tropen entspreche.

dpa-infocom