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Ferrari-Protest: Formel-1-Friede zerschlagen

Paris/Berlin Eskalation statt Formel 1-Frieden: Nach der Veröffentlichung einer wertlosen Startliste für 2010 durch den Automobil-Weltverband FIA scheint eine gemeinsame Zukunft der Teams mit FIA-Präsident Max Mosley schwer vorstellbar.

Mit einem Hilfeschrei haben die von Ferrari angeführten acht vereinten FOTA-Rennställe die höchsten FIA-Gremien zum Einschreiten und zur Lösung der völlig festgefahrenen Situation aufgefordert. «Wir hatten zahlreiche Treffen mit FIA-Repräsentanten und waren nicht in der Lage, irgendeinen substanziellen Fortschritt zu erzielen», hieß es in dem Brandbrief von der Teamvereinigung FOTA.

Alle FOTA-Teams seien zutiefst besorgt über die Krise, der sich die Formel 1 ausgesetzt sehe, erklärte die FOTA in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt. In «einem letzten Versuch», die Krise zu beenden, seien in den kommenden sieben Tagen weitere Meetings angesetzt. «Wir möchten Sie dringend um ihre Unterstützung bitten, um einen Ausgang dieser Treffen sicherzustellen», der es den engagierten Wettbewerbern erlaube, weiter in der Formel 1 zu bleiben.

Den Druck auf Mosley erhöhte dann am Abend auch noch die Vereinigung der europäischen Automobilhersteller ACEA. Der Vorstand der ACEA erklärte nach einer Diskussion über die derzeitige Situation in der Formel 1, dass das jetzige Führungssystem nicht fortgesetzt werden könne. Die ACEA sei zu dem Schluss gekommen, dass der Internationale Automobilverband (FIA) eine «modernisierte und transparente» Steuerung brauche. Es müsse sichergestellt werden, dass die Stimmen der Mitglieder richtig wiedergegeben würden, hieß es in der Pressemitteilung.

Statt der erhofften gemeinsamen Lösung kam es also zum totalen Chaos. Die FIA ignorierte auf ihrer Liste die Bedingungen, an die Ferrari, Red Bull und Toro Rosso ihre Teilnahme an der nächsten Saison geknüpft hatten. Ohne jeden Vorbehalt hatte die FIA das Trio als Starter für 2010 präsentiert. Nicht so die fünf weiteren in der FOTA zusammenstehenden Rennställe McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota und BrawnGP. Mit dem Quintett sollen weitere Gespräche geführt werden, eine Entscheidung bis zum 19. Juni fallen. Die «Deadline» wurde damit klammheimlich um eine Woche verschoben.

Die Reaktion von Ferrari ließ nach der FIA-Mitteilung um die Mittagszeit nicht lange auf sich warten. «Um jeden Zweifel zu vermeiden, bestätigt Ferrari noch einmal, dass es nicht unter den Regeln fahren wird, die von der FIA entgegen Ferrari-Rechten und einer schriftlichen Vereinbarung mit der FIA, beschlossen wurden», hieß es in einer Mitteilung. Und kurz darauf widersprachen auch Red Bull und Toro Rosso, beide im Besitz des österreichischen Milliardärs Dietrich Mateschitz, der FIA-Darstellung, einer Teilnahme an der Saison 2010 ohne Bedingungen zugestimmt zu haben.

Im Falle von Ferrari geht die FIA offenbar weiter von einer Vereinbarung aus, die die Scuderia bis 2012 zum Start verpflichtet. Die Italiener halten dem aber entgegen, dass sie davon befreit sind, wenn die FIA Regeln ohne Abstimmung mit Ferrari ändert. Dass Ferrari dieses Recht hat, wurde im Zuge des nun seit drei Monaten tobenden Machtkampfs um das Reglement für die nächste Saison von einem Pariser Gericht bestätigt. Teamchef Stefano Domenicali hatte die FIA vor Bekanntgabe des Starterfeldes sogar gewarnt und die Nennungen als ungültig erklärt, sollte die FIA auf die Bedingungen nicht eingehen.

In dem dreiseitigen FOTA-Schreiben an die Mitglieder der beiden FIA-Gremien Motorsport-Weltrat und FIA-Senat erklärten die Teams abermals ihre Bereitschaft zu weiteren Kostensenkungen in der Königsklasse. Doch selbst angesichts der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise seien die FIA-Maßnahmen «zu radikal». Erneut wehrten sie sich mit Nachdruck gegen eine Zweiklassen-Gesellschaft, der bei den bisher vorgesehenen Regeln für 2010 Tür und Tor geöffnet wäre. Denn diejenigen Teams, die sich an das Ausgabenlimit von 45 Millionen Euro halten, sollen mit gravierenden Vorteilen vor allem im Motoren- und Aerodynamikbereich belohnt werden. Daher zählte ein einheitliches Reglement für nächstes Jahr neben einem neuen Concorde Agreement, das insbesondere die Verteilung der Gelder regelt, zu den beiden Bedingungen, unter denen sich die acht FOTA-Teams eingeschrieben hatten.

«Alle Teams sind vereint in ihrer Sorge über die gegenwärtige Situation», hieß es in dem Schreiben an den FIA-Weltrat und den Senat. Dabei erscheine die Krise hausgemacht, fügten die Verantwortlichen der acht Teams an, denen Williams und Force India vorerst nicht mehr angehören. Die beiden Rennställe hatten ihre Bewerbung für 2010 ohne Bedingungen abgegeben und damit den gemeinsamen Weg der FOTA verlassen.

Mit dem «Schwarzen Freitag» zerschlugen sich auch alle Hoffnungen, die am Vortag noch aufgekeimt waren. Ein kurzfristig einberufenes Blitztreffen zwischen Mosley und FOTA-Verantwortlichen konnte den Donnerschlag nicht verhindern, der die PS-Welt nachhaltig erschütterte. Sollte Mosley nicht abrücken von seiner Linie oder gar von seinem Amt, wird eine eigene Rennserie der vermeintlichen Rebellen immer wahrscheinlicher.

dpa-infocom


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