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Ronaldo-Transfer zwischen Super-Deal und Wahnsinn

Madrid Für die einen ist der Rekordtransfer von Cristiano Ronaldo ein Super-Deal, für die anderen reiner Wahnsinn.

Der bevorstehende Wechsel des Weltstars für 93 Millionen Euro vom englischen Meister Manchester United zu Real Madrid hat die Fußballwelt in zwei Lager geteilt.

Drei Viertel der spanischen Fans bezeichneten nach einer Umfrage des Sportblatts «Marca» die Ablösesumme als «überteuert». «ManU» und Real hatten am Vortag den Weg zum teuersten Transfer der Fußball-Geschichte frei gemacht. Die Engländer akzeptierten die von den «Königlichen» gebotene Ablöse über 80 Millionen Pfund (93 Millionen Euro) für den Weltfußballer des Jahres 2008. Um den Wechsel perfekt zu machen, muss Real sich nur noch mit dem 24-jährigen Portugiesen einigen. Dies dürfte eine Formalität sein, da die Grundzüge des neuen Vertrags längst ausgehandelt sind. Bisher war Zinédine Zidane der teuerste Spieler der Welt. Für den Franzosen hatte Real 2001 fast 72 Millionen Euro an Juventus Turin gezahlt.

Cristiano Ronaldo wird nach spanischen Medienberichten bei Real ähnliche Bedingungen erhalten wie der erst am 08. Juni für 65 Millionen Euro vom AC Mailand verpflichtete Brasilianer Kaká. Er wird danach einen Vertrag für sechs Jahre und ein Jahresgehalt von neun Millionen Euro netto bekommen. Der Portugiese hatte mit Manchester dreimal die englische Meisterschaft und einmal die Champions League gewonnen. Er wurde 2008 als Weltfußballer und Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Sein Vertrag bei «ManU» läuft noch bis 2012. Die Engländer hatten den damals 17 Jahre alten Cristiano Ronaldo 2003 für 15 Millionen Euro von Sporting Lissabon erstanden.

UEFA-Präsident Michel Platini und der britische Sportminister Gerry Sutcliffe äußerten sich besorgt über den Rekordtransfer. AC Mailands Vizepräsident Adriano Galliani beklagte, die Spanier hätten aufgrund ihres Steuersystems auf dem Transfermarkt Vorteile. Fußball-England nahm dagegen ohne Wehmut Abschied von Cristiano Ronaldo. Rund um das Stadion Old Trafford in Manchester reagierten die Fans achselzuckend auf den bevorstehenden Rekord-Transfer.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hätte dagegen keine moralischen Einwände. «Wir befinden uns in einer Wirtschaftskrise, aber es gibt immer noch das Verlangen nach Stars. Natürlich könnte man für das Geld viel Brot kaufen, aber den Menschen Brot zu geben, ist auch Unterhaltung. Es ist Wirtschaft, aber es ist auch Unterhaltung», sagte der Chef des Welt-Fußballverbandes bei einer Pressekonferenz in Johannesburg. Blatter verglich die Rekordsumme mit dem Erwerb eines Gemäldes von Pablo Picasso. «Und was machen sie mit so einem Bild? Sie verstecken es und zeigen es vielleicht einmal in einem Museum. Ein Fußballer ist jede Woche zweimal im Stadion zu sehen», sagte Blatter. Auch ein Rockstar verdiene ähnliche Summen. «Und dann hören sie bei einem Konzert 90 Minuten Playback», sagte Blatter.

Der teuerste Spieler der Welt gab sich im fernen Los Angeles nach sechs Jahren Premier League ebenfalls nüchtern: «Ich hatte meine Zeit mit United. Nun gilt es, nach vorn zu blicken. 80 Millionen Pfund ist eine ganz schöne Summe, der Deal ist historisch.» Bei Manchester begann derweil die Suche nach Ersatz, mit Bayern Münchens Franck Ribéry weiter ganz oben auf der Liste.

In Spanien stellten sich viele Fans die Frage: Wo nimmt Real- Präsident Florentino Pérez in Krisenzeiten das Geld her, mit dem er sein Team von «Galaktischen» zusammenkauft? Der Clubchef plant nach Kaká und Ronaldo noch weitere Millionen-Deals. Er will insgesamt 300 Millionen Euro in den Transfermarkt pumpen. Nach Angaben der Zeitung «El País» soll diese Summe je zu einem Drittel mit Rücklagen, mit dem Verkauf von Spielern wie Rafael van der Vaart und mit Krediten finanziert werden.

Real setzt darauf, dass die Rekord-Investition sich auszahlt und Cristiano Ronaldo zu einer Werbe-Ikone wird wie David Beckham. «Ein Spieler ist nicht teuer oder billig, sondern rentabel oder nicht rentabel», sagte Pérez. «Marca» ergänzte: «Der weltweite Wirbel um den Transfer zeigt schon jetzt, dass Real mit seiner Entscheidung richtig liegt.» Die Presse in Barcelona sprach dagegen von einem «Skandal». «Angesichts von vier Millionen Arbeitslosen in Spanien ist es obszön, 93 Millionen Euro für einen Fußballer auszugeben», meinte das Fachblatt «Sport».

«ManU» begründete seine Freigabe damit, dass der Stürmer den Wunsch geäußert habe, den Verein zu verlassen. Real hatte bereits vor einem Jahr hartnäckig um den Portugiesen geworben. Ein Wechsel scheiterte damals am Widerstand von United-Trainer Sir Alex Ferguson. Der Coach bekräftigte im Dezember, was er von Real hält: «Ich würde diesem Mob nicht einmal ein Virus verkaufen.»

dpa-infocom

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