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Zukunft von Arcandor unklar - Staatshilfe möglich

Essen - Für Arcandor und seine Beschäftigten beginnt eine neue Woche des Hoffens und Bangens. Wie es mit dem insolventen Handels- und Touristikkonzern weitergeht, ist noch unklar.

Die Bundesregierung sagte Unterstützung zu, Großaktionärin Madeleine Schickedanz sprach sich für den Erhalt des Unternehmens als Ganzes aus. «Wir wollen nicht, dass der Konzern zerschlagen oder verramscht wird», sagte ihr Ehemann und Arcandor-Aufsichtsrat, Leo Herl, der «Bild am Sonntag». Schickedanz werde ihr Aktienpaket nicht verkaufen. In dieser Woche werde es bei einer Aufsichtsratssitzung erste Gespräche mit dem Insolvenzverwalter geben.

Wie am Wochenende deutlich wurde, kann Arcandor doch noch auf staatliche Unterstützung hoffen. Dabei geht es um einen sogenannten Massekredit, der in der Insolvenz ein Instrument ist, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Der Bund könnte einen solchen Kredit mit einer Bürgschaft absichern. Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtete, die Regierung sei bereit, einen möglichen Arcandor-Antrag wohlwollend zu prüfen. Unternehmenssprecher Gerd Koslowski sagte am Sonntag, Arcandor prüfe zurzeit, ob ein Antrag gestellt werde: «Das ist ja ein ganz normales Instrument in dieser Situation», sagte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt unterdessen auf ein zügiges Insolvenzverfahren, damit die 43 000 betroffenen Beschäftigten bald Klarheit für ihre Zukunft haben. «Die zuständigen Ministerien innerhalb der Bundesregierung werden ihre Hilfe - soweit das möglich ist - anbieten», sagte Merkel. Dabei gehe es auch um Stadterneuerungsprogramme und Hilfestellungen der Bundesagentur für Arbeit.

Konkurrent Metro erneuerte am Samstag ihr Übernahmeangebot für Arcandors Karstadt-Kaufhäuser. «Wir haben weiterhin Interesse, 60 der 90 Karstadt-Filialen zu übernehmen», sagte ein Metro-Sprecher in Düsseldorf. Er bestritt, dass Metro im Fall einer Übernahme einen KfW-Kredit von 200 Millionen Euro in Anspruch nehmen wolle. «Bei unserer Planung haben Staatshilfen bisher keine Rolle gespielt und werden weiterhin keine Rolle spielen», sagte er.

Metro will seine Kaufhof-Filialen mit den Karstadt-Häusern zusammenlegen. Kaufhof-Chef Lovro Mandac sagte der «Bild am Sonntag»: «Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Rettung der Karstadt- Warenhäuser eilbedürftig ist.» Gleichzeitig warnte er vor einem «Verkauf von einzelnen Häusern oder kleinen Paketen von Standorten». Kaufhof habe ein profitables Warenhaus-System, in das die 60 Karstadt-Häuser ohne Verzug integriert werden könnten.

Bei der Rettung von Arcandor stützen sich Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und der Generalbevollmächtigte Horst Piepenburg nach einem Bericht von «Euro am Sonntag» auf das bereits Mitte April von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vorgestellte Sanierungsprogramm. Eick habe das Konzept gemeinsam mit Piepenburg erarbeitet.

Der Plan sah vor, dass sich der Konzern auf die profitablen Kernbereiche von Primondo und Karstadt konzentriert und den Wachstumskurs der Reisetochter Thomas Cook als Teil des Gesamtkonzerns fortsetzt. Im Warenhausbereich wollte man sich auf das mittlere Preissegment konzentrieren und sich von Edeladressen wie KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg) und Oberpollinger (München) trennen. Außerdem sollten Standorte geschlossen und in der Versandhandelssparte Primondo (Quelle) Stellen abgebaut werden.

Parallel zu dem bestehenden Plan führe Görg Gespräche mit an Konzernteilen interessierten Unternehmen, schreibt «Euro am Sonntag». Neben den Gesprächen mit Metro fänden auch Gespräche mit Otto sowie Rewe statt.

dpa-infocom