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G8: Wirtschaftslage trotz Aufhellung weiter unsicher

Lecce - Die G8-Staaten wollen trotz erster Anzeichen einer Stabilisierung im Kampf gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht nachlassen, fassen aber auch schon die Zeit danach ins Auge.

«Die Lage bleibt unsicher, und erhebliche Gefahren für die wirtschaftliche und Finanzstabilität bestehen weiter», hielten die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten und Russland (G8) am Samstag nach ihrem Treffen im süditalienischen Lecce fest. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wandte sich aber erneut dagegen, jetzt noch neue Konjunkturprogramme «draufzusatteln». Diese seien «weder nötig noch empfehlenswert».

Zu den unter anderem von Deutschland und Kanada befürworteten und von den USA und Großbritannien bisher abgelehnten Ausstiegsstrategien aus den Anti-Krisenprogrammen hielten die Minister fest, dass diese «von Land zu Land verschieden ausfallen können». Sie seien jedoch unverzichtbar für eine nachhaltige Erholung. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll den Ländern mit einer Analyse dazu helfen.

In mehreren Beiträgen hätten G8-Finanzkollegen für frühzeitige Ausstiegsstrategien plädiert, erläuterte Steinbrück. «Mehr war im Augenblick nicht zu erwarten», man sei noch im Krisenmanagement verhaftet. Doch müsse man sich rechtzeitig darauf einstellen, um inflationäre Entwicklungen abzuwehren und Schuldenberge abzubauen. «Wir müssen uns jetzt Gedanken machen, wie wir vorgehen, wenn wir aus dem Loch wieder herauskommen», argumentierte der Finanzminister.

Die Länder hätten energisch und koordiniert gehandelt, um den Finanzsektor zu stabilisieren und Impulse für Wirtschaftswachstum möglich zu machen, bilanzierten die G8-Finanzminister. Auch wenn die Produktion wieder anziehe, könnte die Arbeitslosigkeit aber noch steigen, warnten sie. Die Minister wollen deshalb weiterhin alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Weltwirtschaft wieder auf einen «starken, festen und nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen.»

Auch Steinbrück hält eine «gewisse Stabilisierung» der Weltwirtschaft für möglich. Dabei die Erholung in Europa und Deutschland «sehr viel flacher sein» als in den USA und den Schwellenländern. Er teile die Einschätzung des IWF, «wonach der Zeitpunkt und die Geschwindigkeit einer nachhaltigen Erholung aber ungewiss sind.»

US-Finanzminister Timothy Geithner sieht im Welthandel zwar «einige Lebenszeichen, doch sehr starke Herausforderungen bleiben». Für die USA sei es zu früh, «zu politischer Zügelung überzugehen», begründete Geithner die Skepsis gegenüber raschen Exit-Strategien.

Deutschland und die anderen G8-Staaten befürworten Italiens Vorstoß, globale Finanzmarktstandards («Lecce Framework») zu entwickeln. Ein solcher Kodex könnte aus Berliner Sicht in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagene Charta für nachhaltiges Wirtschaften eingehen, doch wird nicht mit rascher Verabschiedung gerechnet. Auch hier gebe es Länder, sagte Steinbrück, die nach dem Motto «first things first» zunächst die gegenwärtige Krise bewältigen und nach Wegen suchen wollten, um deren Wiederholung zu verhindern.

Die G8-Staaten (USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Russland) sprachen auch über die wieder stark anziehenden Nahrungsmittelpreise. Die Industriestaaten erwägen Initiativen mit der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank, um dem Ziel einer mittel- und langfristigen «Nahrungsmittelsicherheit in armen Entwicklungsländern» näher zu kommen. Auch bei dem Problem der Preisspirale für Lebensmittel arbeiteten die Minister auf den G8- Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Juli in L'Aquila hin.

dpa-infocom