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Zwei aus einem Ei: 35 Jahre Audi 50 und VW Polo

Wolfsburg Geschichte wiederholt sich, heißt es.

Manchmal beherrscht Geschichte sogar die Kunst, sich unter umgekehrten Voraussetzungen zu wiederholen. Das gilt zum Beispiel für Kleinwagen von Volkswagen und Audi.

So stellte die Ingolstädter Marke vor 35 Jahre einen ersten Kleinwagen auf die Räder und nannte ihn Audi 50. Volkswagen übernahm das Auto, versah es mit eigenem Markenzeichen und verkaufte es als VW Polo. Die Umkehrung dieser Geschichte gibt es dieser Tage auf dem Autosalon in Genf (5. bis 15. März) zu sehen: Dort wurde gerade die neueste Generation des Polo präsentiert. Und von dem wird Audi wesentliche technische Elemente übernehmen, um sie künftig im optisch eigenständigen A1 auf Kundenfang zu schicken.

Doch nicht nur in Sachen Modellpolitik sind Parallelen unverkennbar - das gesamte Szenario zu Beginn der 70er Jahre erinnert an heute. Ölkrise hieß seinerzeit das Stichwort: Die führte dazu, dass die Autohersteller ihre spritschluckenden Modelle kaum mehr loswurden und nach neuen Ideen und Konzepten suchten. Und das ging zumindest bei Audi schnell: Nur 21 Monate sollen zwischen dem ersten Entwurf und dem Serienmodell des Audi 50 vergangen sein.

Heraus kam ein kleines Auto mit kleinen Motoren. Trotzdem oder gerade aus diesem Grund war der Audi 50 speziell für die deutschen Autobauer ein Meilenstein. Denn damals wie heute waren sie nicht gerade für innovative und preisgünstige kleine Autos bekannt. Mit dem neuen Modell mischte Audi nun in einem Bereich mit, den man bisher Autobauern aus Italien oder Frankreich überlassen hatte.

Audi hatte gründlich bei den Vorbildern abgeschaut und typische Konstruktionsmerkmale übernommen, die einst mit dem legendären Mini erfolgreich eingeführt worden waren: So gab es einen quer eingebauten Motor unter der vorderen Haube, dazu einen Frontantrieb. Die Bauweise der Karosserie lehnte sich ebenfalls an übliche Kleinwagen-Prinzipien an: Es gab zwei Türen und ein knappes Heck mit großer Klappe.

Alles in allem war ein ansehnlicher und moderner Kleinwagen entstanden. Daher ist es auch kaum überraschend, dass Konzernmutter Volkswagen davon profitieren wollte. Was auch aus dem Grund naheliegend war, dass der Audi 50 ohnehin in Wolfsburg gebaut wurde.

Bei Volkswagen allerdings beließ man es nicht bei einer bloßen Zahl als Modellkennzeichnung. Das ab 1975 gebaute Schwestermodell bekam den Namen Polo. Zwar blieb die Karosserie im Prinzip ebenso unverändert wie die Technik. Unterschiede gab es dennoch - und die drückten sich vor allem dadurch aus, dass Audi viel Ausstattung einbaute, Volkswagen dagegen alles Überflüssige entfernte.

Ein Audi 50 galt als eher hochwertiger Kleinwagen, der Polo als dessen chromlose und spartanische Sparversion. Es gab für den Audi nicht nur das noblere Interieur, sondern auch die stärkeren Motoren. Mussten sich Polo-Lenker mit 40 PS begnügen, waren es im Audi 50 je nach Wunsch 50 oder auch 60 PS - vor allem letztere Variante sorgte für recht flottes Vorankommen. Mehr als 150 Stundenkilometer waren mit dem gerade einmal 700 Kilogramm schweren Auto drin.

Aber wie das bei Autoherstellern nun mal so ist, wurden die anfänglich klaren Pläne im Hinblick auf die Unterscheidung nach und nach verworfen. Einen Polo gab es bald auch mit besserer Ausstattung und mehr Leistung - was zur Folge hatte, dass die Marktlücke für den Audi 50 immer kleiner wurde. Nur vier Jahre und gut 180 000 Exemplare nach dem Start endete die Geschichte des Kleinwagens mit den vier Ringen schon wieder - für den Polo ging sie aber erst richtig los.

Über die Jahre und Jahrzehnte wurde das Wort Polo zu einem Inbegriff für deutsche Kleinwagen. Und dass man zumindest technisch bereits bei der ersten Generation alles richtig gemacht hatte, dafür steht schon die Tatsache, dass der Polo zwar regelmäßig optisch überarbeitet wurde, im Grunde aber noch bis in die 90er Jahre den Unterbau des 1974 eingeführten Autos nutzte.

Während Volkswagen Erfolge feierte, brauchte Audi bis zum nächsten Kleinwagenprojekt viel Zeit. Erst 1999 erschien mit dem ungewöhnlich geformten A2 der nächste kleine Audi - und wurde wieder kein rechter Erfolg. Bleibt abzuwarten, ob sich auch diese Geschichte mit dem angekündigten A1 wiederholt.

Informationen zur Messe: www.salon-auto.ch/de/ August Horch und Audi Bei dem Markennamen Audi handelt es sich eigentlich nur um ein Wortspiel: Als August Horch die nach ihm benannte Automarke verließ, wurde ihm untersagt, seinen Nachnamen wieder für ein Autowerk zu verwenden. Also übersetzte er den Namen ins Lateinische, um mögliche Probleme im Hinblick auf Markenrechte zu umgehen - Audi bedeutet «Hör zu» oder eben «Horch». Das erste Auto der Marke Audi soll 1910 in Zwickau gebaut worden sein. Von Heiko Haupt, dpa

dpa-infocom


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