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Schluss mit dem Kabelsalat: Steckdosen nachrüsten

Hamburg/Berlin Im Keller der Hamburger Jugendstilvilla suchten die Kaufinteressenten vergeblich nach einem modernen Stromanschluss für Waschmaschine und Trockner.

«Die Herrschaften, die hier früher lebten, ließen waschen», wollte der Makler das Problem der maroden Elektrik aus Gründerzeiten schönreden. Bewohner von noblen Altbauten oder schlichten Studentenbuden haben manchmal das gleiche Problem: Es fehlt an Steckdosen und leistungsfähigen Leitungen - für elektrische Geräte wie Wasserkocher, Kühlschrank, Fernseher und Computer.

«In vielen älteren Wohngebäuden ist die ursprüngliche Elektroinstallation noch in Betrieb», erläutert Hartmut Zander von der Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA) in Berlin. Ein Steckdose pro Raum und ein Lichtauslass ist in alten Häusern keine Seltenheit. Als Folge improvisieren Wohnungsbesitzer mit Steckerleisten und Verlängerungskabeln.

«Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel sind aber nicht ungefährlich», warnt Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus in Hamburg. Denn herumliegende Kabel seien Stolperfallen. Außerdem drohe Gefahr durch eine dauerhafte Überlastung der Leitungen, was sogar Brände auslösen könne. Fehlerstrom-Schutzschalter, kurz FI-Schutzschalter oder RCD (residual current device) genannt, gebe es in vielen alten Wohnungen nicht.

Um Kabelsalat und Stolperfallen zu vermeiden, können Steckdosen nachgerüstet werden. «Dieses Nachrüsten in alten Gebäuden ist jedoch manchmal schwierig», sagt Johann Wiedemann von der technischen Informationsstelle des Landesinnungsverbands für das Bayerische Elektrohandwerk in München. Denn eine neue DIN verlange eine Absicherung «aller vom Laien bedienbaren Steckdosen» über einen Fehlerstromschutzschalter. Bei einer Nachinstallation müsse dann jede neue Steckdose in Anlagen ohne RCD einzeln abgesichert werden. Das sei teuer. Deshalb sollte bei alten Anlagen mit einem Elektriker im Zuge einer Erweiterung auch eine Modernisierung erwogen werden. Diese lasse sich auch schrittweise machen.

Probleme mit fehlenden Steckdosen gibt es auch in manchen Neubauten. «Einige Bauträger unterschreiten selbst die gesetzlich festgelegte Mindestanforderung, nur um ein paar Euro zu sparen», kritisiert Zander. Nachträgliche Änderungen zur Verbesserung der Ausstattung seien jedoch aufwendig und deutlich teurer. Wände müssten aufgestemmt werden, und nach der Verlegung von zusätzlichen Elektroleitungen stehen wieder Verputz- und Tapezierarbeiten an.

Bauherren und Modernisierer sollten deshalb die elektrische Anlage und Ausstattung mit Steckdosen so großzügig planen, dass sie nicht nur für momentan benötigte Geräte ausreicht, sondern auch für spätere Anforderungen. So beugen sie von vornherein teuren Nachrüstungen vor. «Eine gute Planungshilfe sind die 1-, 2- und 3-Sterne-Ausstattungswerte nach der Richtlinie RAL-RG 678», sagt Zander. Diese können unter www.elektro-plus.com eingesehen werden. Neben ausreichend vielen Steckdosen und Schaltern empfiehlt Wiedemann bei Modernisierungen und Neuanlagen für alle Räume einen Antennen- und Telefonanschluss.

«Mieter haben kein Anrecht auf eine Modernisierung ihrer Elektroinstallation auf den neuesten Stand», sagt Kai Warnecke von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund in Berlin. Als Standard gelte die Ausstattung der Wohnung mit Steckdosen beim Einzug. Aber auch in einer nicht modernisierten Altbauwohnung müssten die elektrischen Anlagen zumindest technisch sicher sein. Fehlerstrom-Schutzschalter regelmäßig testen Mit Fehlerstrom-Schutzschaltern lassen sich tödliche Unfälle vermeiden. «Deshalb sollten die Schutzschalter auch nachträglich installiert werden», rät Susanne Woelk von der Aktion Das sichere Haus in Hamburg. Um zu gewährleisten, dass der Schalter im Ernstfall sicher abschaltet, sollte er mindestens alle sechs Monate mit der Funktionstaste ausgelöst werden. So lasse sich ein eventuelles Verkleben der Kontakte entdecken. Von Stephanie Hoenig, dpa

dpa-infocom



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