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Vor- und Nachteile von Studentenverbindungen

Berlin/Gießen Elitedenken, Saufrituale und ein Schmiss im Gesicht - das sind gängige Assoziationen beim Gedanken an studentische Verbindungen und Burschenschaften.

Einiges davon trifft heute tatsächlich noch zu, wenn auch längst nicht auf jede der Gruppen. Wer über einen Beitritt nachdenkt, muss daher genau hingucken, wem er sich anschließt.

Die weltanschaulichen Einstellungen sind denkbar unterschiedlich. «Das Spektrum reicht von stark rechtskonservativ und nationalistisch bis links-liberal», sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Allerdings seien die links-liberalen deutlich in der Minderheit. «Vor allem die schlagenden Verbindungen sind äußerst traditionalistisch und haben Weltbilder aus der Steinzeit», fügt er hinzu. Schätzungen zufolge sind rund drei Prozent der Studenten hierzulande in Verbindungen organisiert.

Gemeinsam sind vielen Verbindungen die Traditionen mit ihrem Ursprung im 19. Jahrhundert. Dazu gehört das akademische Fechten, also die Mensur, ebenso wie die sogenannte Kneipe. «Das sind ritualisierte Feiern, bei denen traditionelles Liedgut gepflegt wird und auch das Trinken dazugehört», sagt Wolfgang Braun vom Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen aus Neufahrn bei München.

«Bei uns wird aber niemand gezwungen zu trinken, und der Fechtkampf wird aus religiösen Gründen abgelehnt», sagt Braun. Welche Traditionen eine Rolle spielen, ist von der Verbindung abhängig: Bei manchen ist die Mensur Pflicht. Andere sind nur farbentragend: Die Mitglieder müssen ein Band und eventuell eine Mütze mit den Farben der Verbindung tragen. Manche verzichten auf beides.

Wer Mitglied wird, geht einen Lebensbund ein. Mit dem Ende des Studiums gehören Verbindungsstudenten zu den «Alten Herren». Sie unterstützen Braun zufolge die Studenten und helfen beim Einstieg ins Berufsleben. Nach Ansicht von Stefan Grob entspricht das dem, was heute als Networking bezeichnet wird: Es entsteht ein Netzwerk aus Kontakten, die einem später beruflich weiterhelfen können.

Darüber hinaus sind die Studentenverbindungen durch ihr Angebot an Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten für all jene attraktiv, die gerade den ersten Schritt aus dem Elternhaus gemacht haben. «Im Verbindungshaus kann man nicht nur sehr günstig wohnen», sagt Braun. «Man muss sich auch nicht erst einen neuen Freundeskreis aufbauen, sondern findet über die Verbindung sofort neue Freunde.»

Ein Teil der deutschen Studentenverbindungen, vor allem die Burschenschaften, sind explizit politische Organisationen. «Im Mittelpunkt stehen oft Fragen der deutschen Einheit und der deutschen Nation», sagt Alexandra Kurth von der Universität Gießen, die Burschenschaften in ihrer Dissertation untersucht hat. «Bei diesen Fragen wird bisweilen eine rechtsextreme Ideologie vertreten, aber auch geschichtsrevisionistische Ansichten und eine Relativierung des Nationalsozialismus spielen eine Rolle.»

Der Dachverband Deutsche Burschenschaft etwa steht mit seinem Leitspruch «Ehre - Freiheit - Vaterland» immer wieder in der Kritik. Für die vielen gemäßigten der etwa 1000 bis 1300 Verbindungen ist das schlecht für das Image. Sie wollen sich deswegen - wie etwa der Cartellverband - von rechtsextremen Anschauungen abgrenzen. «Bei uns steht es im Vordergrund, katholisch zu sein», sagt Sprecher Braun. Studentenverbindungen sind meist Männersache Wer aufgenommen wird, hängt von der Verbindung ab. «Viele lehnen bis heute ab, Frauen aufzunehmen», erklärt Alexandra Kurth. «Es handelt sich meist nach wie vor um Männerbünde.» Bei der Deutschen Burschenschaft werden auch keine ausländischen Studenten aufgenommen. Bei den Verbindungen des Cartellverbands ist das nicht der Fall. «Wer bei uns beitreten möchte, muss männlich und katholisch sein und zu unseren Prinzipien stehen», sagt Sprecher Wolfgang Braun. Von Sascha Rettig, dpa

dpa-infocom



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