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Keine Angst vor großen Reden: Rhetorik ist Kopfsache

Inning/Berlin Nicht jeder ist ein begnadeter Redner. Und sich zu präsentieren, ist für viele eine Horrorvorstellung.

Doch mit der richtigen Vorbereitung und einem gesunden Maß Selbstbewusstsein lässt sich diese Angst überwinden.

Thomas Schlayer kennt das: Auftritte vor anderen waren ihm früher eine Qual. «Fünf Tage vorher hatte ich schon ein flaues Gefühl im Magen», gesteht der Führungskräfte-Trainer aus dem bayerischen Inning. Aber das ist heute anders. Schlayer hat seine Ängste überwunden. «Souveräne Kommunikation beginnt im Kopf», sagt er. «Da stehen sich die meisten Menschen selbst im Weg.» Diese emotionale Blockade zu überwinden, sei deshalb ein wichtiger Schritt, um rhetorisch überzeugend zu wirken. Das sei in erster Linie nicht eine Frage von Talent, sondern von Selbstbewusstsein und Übung.

Egal ob Vortrag, Bewerbungsgespräch oder Geschäftsverhandlung - positiv an die Sache heranzugehen sei eine wichtige Voraussetzung dafür, erfolgreich zu sein. Helfen könne oft schon, sich zunächst zu fragen, was genau einen abschreckt und warum man Angst vor einer bestimmten Situation hat. Manchmal zeigt sich dann, dass es dafür gar keinen Grund gibt. Auslöser für Ängste seien häufig Informationen, die wir nur vom Hörensagen kennen und ungeprüft übernehmen.

Ob es gelingt, Inhalte glaubhaft und interessant zu präsentieren, hängt von vielen Faktoren ab. Ein wichtiger ist die Körpersprache, sagt Caroline Krüll, Coach aus Berlin: «Der Körper spricht Bände.» Verschränkte Arme signalisieren keine Offenheit, hängende Schultern nicht gerade Selbstbewusstsein.

Aber natürlich spielt auch das, was gesagt wird, eine entscheidende Rolle. Nichts nervt Thilo Baum mehr als Gelaber: Gute Vorträge sind für ihn solche, die von allem «Sprachmüll» entschlackt wurden. Noch wichtiger als grammatikalisch in allen Details korrekt zu sein, ist nach seiner Überzeugung, dass der Text nicht unnötig aufgebläht wird.

An dem Bewusstsein dafür fehlt es Rednern seiner Beobachtung nach oft: «Zu Hause reden die ganz normal», sagt Baum. Aber wenn sie dann vor Publikum referieren sollen, wird es «verschwurbelt». «Das ist ein typischer Denkfehler: Viele meinen, durch offiziöse Sprache zu beeindrucken. Aber die Zuhörer wollen viel lieber Klartext.»

Caroline Krüll warnt außerdem vor «Weichmachern», die alles gleich wieder abschwächen und zurücknehmen. «Also nicht sagen: "Vielleicht dürfte ich mal kurz..."», warnt sie. Solche übervorsichtigen Formulierungen machen den kleiner, der sie benutzt.

Baum empfiehlt, vor dem Verfassen eines Referats oder Vortrags die Informationen streng zu sichten. Dabei gilt: «Alles Verzichtbare weglassen, keine Nebenstränge verfolgen, einen roten Faden finden.» Wichtig sei aber auch, sich bewusst zu machen, wer da eigentlich vor einem sitzt: «Was würde ich als Zuhörer wollen?» Der Vortrag sollte auf die Erwartungen des Publikums eingehen.

Der Eindruck, dass dies tatsächlich so ist, lässt sich noch verstärken, wenn die Zuhörer direkt angesprochen werden. Die Krawattenfarbe des Redners oder eine lustige Pointe am Schluss sind nach Thilo Baums Überzeugung dagegen Nebensachen: «Wenn ich etwas mit Substanz zu sagen habe, ist es nicht so wichtig, ob ich perfekt rasiert bin.»

Literatur: Caroline Krüll, Small Talk - Reden Sie sich zum Erfolg, Beck kompakt, ISBN-13: 978-3-406-57799-4, 6,80 Euro; Thilo Baum, Komm zum Punkt, Eichborn, ISBN-13: 978-3-8218-5977-4, 19,95 Euro; Thomas Schlayer, Gesprächserfolge durch Kleinigkeiten, ISBN-13: 978-3-8370-8916-5, 16,90 Euro Tabellen und Grafiken dosiert einsetzen Ein guter Vortrag muss nicht unnötig mit Hilfsmitteln aufgemotzt werden. «Das ist wie in der Spitzengastronomie», sagt der Coach Thilo Baum. «Spärliche Beilagen zeugen von der Qualität der Zutaten.» Das gelte auch für Tabellen und Grafiken: «Je mehr sich davon finden, umso weniger hat der Betreffende zu sagen.» Auch hier gilt: Die Dosis sollte eher klein sein. Entscheidend sei nicht, mit dem Beamer möglichst viele Powerpoint-Folien an die Wand zu werfen. «Entscheidend ist: Habe ich eine Story, die ich rüberbringen will?» Von Andreas Heimann, dpa

dpa-infocom



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