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Dual-SIM-Handys: Die Kraft der zwei Karten

Berlin/Schwalbach Als jüngst das Netz eines großen Mobilfunkanbieters ausfiel, dürften sich viele Handynutzer ein Ersatznetz auf Knopfdruck gewünscht haben. Für Besitzer eines Dual-SIM-Telefons ist das kein Problem.

Diese Geräte können zwei SIM-Karten gleichzeitig nutzen und sind somit nicht nur über eine einzige Nummer erreichbar. Die Technik der Doppelmoppel-Handys ist längst ausgereift. Dennoch werden Interessierte hierzulande bislang fast nur im Onlinehandel fündig.

An der Existenzberechtigung besteht kein Zweifel - infrage kommen mehrere Einsatzzwecke: «Dual-SIM-Handys sind praktisch für Nutzer, die verschiedene Netze und Tarife kombinieren möchten, ohne zwei Handys bei sich tragen zu müssen», erklärt Rafaela Tschöp vom Telekommunikations-Portal teltarif.de in Berlin.

«Zum Beispiel können Pendler in Grenzregionen bequem zwischen Auslands- und Inlandsprovider wählen, oder eine Karte dient zum Telefonieren und SMS-Schreiben, die andere nutzt einen günstigen Datentarif für das mobile Internet», nennt Lars Rabach vom Hersteller Samsung in Schwalbach/Taunus zwei Beispiele. Berufstätige können geschäftliche und private Gespräche separat auf einem Gerät führen. Und nachdem die Inklusiv-Einheiten eines Vertragstarifs verbraucht sind, lässt sich mit einer Prepaid-Karte weitertelefonieren.

Doch während die Geräte mit der Kraft der zwei Karten etwa in Asien eine große Nummer sind, ist die Auswahl in Deutschland noch begrenzt. «Bislang dominieren vor allem Exoten die kleine Schar an erhältlichen Dual-Geräten», sagt Rafaela Tschöp. Entsprechende Handys fertigen etwa Matsunichi, General Mobile, Emporia oder Hyundai. Mit Samsung und LG sind erst zwei weithin bekannte Hersteller dabei. Kürzlich ist Technikanbieter Acer dazugestoßen, der nach Computern und Bildschirmen nun auch Handys herausbringt. Unter den ersten Modellen befindet sich auch ein Dual-SIM-Gerät.

Mittlerweile deckt das Angebot verschiedene Bedürfnisse ab. Ein schlicht ausgestattetes Einsteigerhandy ist das Hyundai MB-D130, das ab rund 100 Euro erhältlich und im Wesentlichen zum Telefonieren und SMS-Schreiben gedacht ist. Das etwa 170 Euro teure Samsung C5212 ist der unteren Mittelklasse zuzurechnen und bietet auch Mail-Verwaltung, Internetzugang in GPRS-Tempo und Datenübertragung per Bluetooth-Funk. Der Musikplayer unterstützt die gängigsten Dateiformate. Bei beiden Geräten lässt sich der Speicher per SD-Karte erweitern.

Eine anschließbare Video-Brille ist das Alleinstellungsmerkmal des General Mobile G777 (rund 160 Euro). Damit soll sich das Betrachten von eBooks und Videos wie bei einem 50-Zoll-Fernseher aus drei Metern Entfernung anfühlen, heißt es beim deutschen Vertriebspartner des US-Herstellers in Walldorf bei Heidelberg. Aktuellen Multimediatrends entspricht die Ausstattung des für rund 450 Euro erhältlichen Acer Tempo DX900: Mit einem 2,8-Zoll großen berührungsempfindlichen Display, GPS-Navigation und WLAN-Empfänger ist es auf der Höhe der Zeit.

Manche Dual-SIM-Geräte sind geringfügig größer als vergleichbare Handys. Unter dem Akkudeckel befinden sich zwei Empfangseinheiten, also quasi zwei Telefone, das benötigt Platz, erklärt Lars Rabach von Samsung. Das sei jedoch praktischer, als mit einem externen Handy-Adapter für eine zweite SIM-Karte zu hantieren.

Wer sich ein Dual-SIM-Gerät zulegen will, muss gezielt danach suchen. Auf den deutschen Markt haben die Hersteller bislang weniger Geräte eingeführt als möglich. Vereinzelt finden sich Modelle in Elektronikmärkten. Ansonsten dienen hauptsächlich Onlineshops als Anlaufstelle, die Dual-SIM-Handys aus dem Ausland importieren.

Als Hauptursache dafür nennt Rafaela Tschöp von teltarif.de die Zurückhaltung der hiesigen Mobilfunkunternehmen. «Die Netzbetreiber tun sich noch schwer damit», sagt auch Lars Rabach. Sie fürchten, dass sich die Konkurrenz im zweiten SIM-Karten-Schacht breitmacht. Da über die Mobilfunker ein Großteil des Handyverkaufs läuft, reden sie bei der Produktpolitik ein gehöriges Wörtchen mit, und die Hersteller der Telefone parieren meistens.

Wer im Laden nicht fündig wurde und sein Glück deshalb im Internet sucht, hält sich besser an einen Händler mit Sitz in Deutschland. Das gilt vor allem dann, wenn man auf die gewohnten Rückgabe- und Gewährleistungsrechte nicht verzichten möchte, wie Tschöp erläutert.

Außerdem ist bei Dual-SIM-Geräten unbekannter Hersteller Vorsicht geboten sein: «Im Netz sind viele Fernost-Importe erhältlich, deren Qualität stark schwankt», warnt Rafaela Tschöp. Darüber hinaus darf bei solchen Handys im Zweifelsfall keine T9-Schreibhilfe oder eine Menüführung in Deutsch erwartet werden. An der Unterstützung des europäischen Mobilfunkstandards GSM 900 sollte es hingegen bei den meist mehrbändigen Geräten nicht mangeln. Von Berti Kolbow, dpa

dpa-infocom


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