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Genbank für Apfelbäume: Von Cox Orange bis Pinova

Pillnitz Millionen Blüten von strahlendem Weiß bis Dunkelrot, zart duftend oder nahezu atemraubend: Auf einem Acker in Elbnähe in Dresden-Pillnitz wächst und gedeiht ein Teil der Deutschen Genbank für Äpfel.

Im Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst wird seit etwa 85 Jahren rund um die Frucht geforscht. Mit der 2007 in Angriff genommenen Deutschen Genbank Obst sollen bundesweit einmalig und komplett alte und neue Sorten für die Nachwelt bewahrt und Grundlagen für weitere Züchtungen geschaffen werden. Genbanken gibt es bereits für Erdbeeren und Kirschen - nun ist des Deutschen liebstes Obst an der Reihe.

In langen schnurgeraden Reihen stehen die Bäume, manche mannshoch und schmal, andere verzweigt mit dicken Stämmen und schon mehrere Jahrzehnte alt. «Statt mit Karteikästen oder Computerdateien arbeiten die Wissenschaftler mit lebenden Pflanzen, die gehegt und gepflegt werden müssen», sagt Forscherin und Institutsdirektorin Magda-Viola Hanke. Rund 860 Apfelsorten und 365 Abstammungen von Wildapfelarten wurden gesammelt - vor allem deutsche Sorten von historischem Wert sowie hoher züchterischer Bedeutung.

Vorfahr des heutigen Apfels ist die Wildart Malus sieversii, die im Gebirge von Kasachstan vorkommt. Durch zufällige Kreuzungen und natürliche Auslese entwickelten sich etwa 20 000 heute bekannte Sorten. Älteste Funde auf deutschen Gebieten datieren aus einer rund 6000 Jahre alten Bandkeramiksiedlung in Heilbronn. Im Alltag spielen jedoch höchstens 20 Sorten ein Rolle - manche davon schon mehr als 100 Jahre: wie der Golden Delicious, Cox Orange oder der Gravensteiner, den es bereits seit 1669 gibt.

«Mit dem Bestand in der Genbank können wir gezielt nach neuen Merkmalen suchen und die Erkenntnisse in die Züchtung einbringen», sagt Hanke. Der Verbraucher kaufe zunächst mit dem Auge, der Name sei nur ein Wiedererkennungseffekt. Es gehe um Geschmack, Saftigkeit, knackigen Biss und Haltbarkeit. Wichtig seien auch Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge wie Mehltau, Feuerbrand und Schorf sowie gegen Frost und Hagel. «Viele alte oder wilde Sorten sind widerstandsfähiger», sagt Hanke. Auch wenn die zum Teil nur beerengroßen Wildäpfel kaum an heute gewohnte Früchte erinnern. Der Profi-Obstbauer stellt auch Forderungen: wenig Laub auf den Bäumen, geringer Aufwand beim Schnitt und der Ernte.

Eine Züchtung dauert etwa 25 Jahre. Apfelforscher Andreas Peil führt vor: Behutsam werden von der Blüte die männlichen Staubgefäße geknipst und der Pollen getrocknet. Der wird dann vorsichtig mit dem Pinsel auf der Blütennarbe eines anderen Baumes aufgetragen. Damit keine Biene mehr dazwischenfunkt und fremden Pollen überträgt, werden die Blüten mit einer Stofftüte geschützt. Aus den Kernen der ersten Früchte wachsen Sämlinge. «Von unserer Arbeit haben erst unsere Nachfolger etwas», sagt Peil. Seit 1970 wurden in Deutschland etwa 30 neue Sorten gezüchtet. Einige haben sich durchgesetzt, so Pinova, Pilot und Pirol, die aus Pillnitz stammen.

In der Natur des Apfels liege es , dass er sich nicht über Samen identisch vermehre, sagt Hanke. Das gelinge nur über Reiser, die vom Baum geschnitten werden. «Die Forschung sucht aber auch nach neuen Methoden, genetisches Material aufzubewahren», erläutert sie. Eine Möglichkeit ist das Einfrieren von Triebstücken bei minus 196 Grad Celsius. Bei Bedarf werden sie dann auf Unterlagen aufgepropft. «Problematisch sind allerdings Einfrieren und Auftauen», sagt Hanke. Das vertragen die empfindlichen Zellen schlecht.

Im Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) stehen für die Forschung die genetischen Ressourcen und damit die Samen im Mittelpunkt. Mit knapp 150 000 Mustern aus rund 3000 Pflanzenarten und 801 Gattungen ist es eine der weltweit größten Einrichtungen ihrer Art. Hier wird der Samen in Kühlzellen gelagert.

Auf dem zehn Hektar großen Gelände in Dresden-Pillnitz wachsen neben den Apfelbäumen auch je 150 Sorten Süß- und Sauerkirschen, dazu Pflaumen, Birnen und Quitten. Auch eine Sammlung mit Erdbeerpflanzen aus aller Welt gehört zur Deutschen Genbank Obst. Pflanzen oder Reiser werden an internationale Forscher oder Züchter abgegeben. «Obst ist ein Kulturgut, das bewahrt werden muss», sagt Hanke.

Genbank Obst: www.deutsche-genbank-obst.de

Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen: www.jki.bund.de

Institut Gatersleben: www.ipk-gatersleben.de Der Apfel Pro Kopf und Jahr werden in Deutschland etwa rund 17 Kilogramm Äpfel verzehrt, abgeschlagen liegen Bananen auf Platz 2 mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 10 Kilogramm. Als Vorfahre des Kulturapfels gilt die Wildart Malus sieversii, die aus Kasachstan stammt. Heute sind etwa 20 000 Apfelsorten bekannt, von denen aber nur 20 wirtschaftlich eine Rolle spielen.

Alte Apfelsorten sind etwa der Golden Delicious, Cox Orange und Boskoop, neuere heißen Fuji, Elstar oder Gala. Im Geschmack geht die Spannweite von süß bis herzhaft sauer. Wichtig für den Geschmack sind auch Bissfestigkeit und Knackigkeit. Die Farben der Früchte reichen von weiß bis schwarzrot. Wildäpfel sind manchmal nur beerengroß, im Durchschnitt sind die Früchte im Handel etwa 250 Gramm schwer.

Feinde des Apfelbaumes sind Krankheiten wie Feuerbrand, Apfelschorf und Mehltau. Zunehmend machen den Bäumen auch klimatische Veränderungen zu schaffen: Sonnenschein kann zu Sonnenbrand an den Früchten führen. Zu viel Regen und Hagel richten ebenfalls Schäden an: die Rinde wird beschädigt und bietet damit Angriffsflächen für Schädlinge. Von Gudrun Janicke, dpa

dpa-infocom


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