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«Einfach überleben»: Abhängige betreiben Suchtportal

Detmold Zwei Jahre Abstinenz nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch wären für die meisten Menschen Grund genug, den Blick auf erfreulichere Dinge des Lebens zu richten.

Doch Wolfgang Schwalenstöcker und Peter Korff aus Detmold lässt die Sucht nicht los: Mit dem kürzlich gestarteten Suchthilfeportal «suchthilfe-magazin.de» wollen die beiden trockenen Alkoholiker anderen Betroffenen Informationen zur Sucht und Hilfestellung auf dem Rückweg in ein normales Leben geben.

«Wenn ein Abhängiger nach Hilfe sucht, braucht er nicht den hoch spezialisierten Vortrag irgendeines Professors, sondern handfeste Informationen, wie er aus seiner Misere heraus findet», beschreibt der 65-jährige Schwalenstöcker die Zielrichtung. In der Tat springen dem Internet-Nutzer unter dem Suchwort «Alkoholismus» weit mehr als 400 000 Treffer unsortiert entgegen. Schwalenstöcker und sein zum Freund gewordener Mitpatient Korff haben gleichwohl auch einen sehr persönlichen Antrieb für ihr Projekt: «Wir sind beide Hartz IV-Empfänger. Für uns ist es eine Existenzfrage, trocken zu bleiben, und zur Abstinenz gehört eine sinnvolle Tätigkeit. Eigentlich wollen wir einfach überleben.»

Mit Unterstützung durch das ärztliche Personal begann bereits in der Therapie die Recherche über Inhalte des Internetauftritts und das Know-how zur Realisierung: «Wir hatten zwei Computer, aber keine Ahnung. Wir mussten uns alles mühsam aneignen.» So hat sich der 56-jährige ehemalige Installateur Korff in dieser Zeit zum versierten Webdesigner entwickelt. Das Resultat von fast zwei Jahren intensiver Arbeit bis zum Start des Portals lässt die «Handschrift» von Betroffenen deutlich erkennen: «Wir wollen informieren, nicht therapieren.»

Ganz ohne Fachleute muss der Internet-Auftritt dennoch nicht auskommen. Der stellvertretende Direktor des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Lippe, Ahmad Bansi, beantwortet im wöchentlichen Rhythmus «Fragen an Experten»; und in «Martina Wehrmanns Kolumne» steuert die Seelsorgerin der Hellweg Kliniken in Oerlinghausen Nachdenkliches zum Thema Sucht bei. Verweise auf andere Webseiten und Literaturempfehlungen zum Thema Sucht ergänzen das übersichtlich gestaltete Angebot.

Der Schritt aus dem Dunstkreis des Alkohols ins Licht der Öffentlichkeit war bisweilen mit persönlichen Verletzungen verbunden. «Der Bekanntenkreis meiner Partnerin hat sich schlagartig halbiert, nachdem ich mich als trockener Alkoholiker geoutet habe. Dabei wollte ich nur offen mit meiner Krankheit umgehen», erzählt Schwalenstöcker. Der Kampf gegen die Stigmatisierung von suchtkranken Frauen und Männern ist ihnen nicht nur wegen solcher Erlebnisse ein besonderes Anliegen: «Schließlich ist Alkoholsucht eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannte Krankheit.»

Inzwischen empfinden die beiden Internet-Suchthelfer berechtigten Stolz auf das Erreichte. «Ich freue mich natürlich, was wir in den letzten beiden Jahren abstinent und mit wenig Geld auf die Beine gestellt haben», sagt der frühere Journalist Schwalenstöcker. Korffs Gedanken gehen mehr in Richtung Familie: «Die haben mich anfangs für etwas größenwahnsinnig gehalten. Jetzt sind meine Frau und meine Kinder stolz darauf, dass wir das tatsächlich durchgezogen haben.»

Auch wenn die Kasse knapp ist: An sinnvoller Tätigkeit mangelt es beiden nicht und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Ausbau der Internet-Präsenz steht auf dem Programm, es sollen Betroffene als Autoren und Mitarbeiter ins Boot geholt werden: «Allein schaffen wir das ja gar nicht.» Ehrgeiziger Plan ist die Installation eines «Suchthilfe-TV» im offenen Kanal des Bürgerfernsehens: «Wir haben noch Arbeit für mehrere Jahre.»

Suchtportal: www.suchthilfe-magazin.de Von André Kalbreier, dpa

dpa-infocom



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