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Arzneien am Steuer: Gefährliche Nebenwirkungen

Düsseldorf/Heidelberg Nach ein paar Gläsern Alkohol hinter das Steuer - dass das keine gute Idee ist, wissen die meisten Menschen.

Aber unter dem Einfluss von Medikamenten Auto fahren, das müsste doch in Ordnung gehen?.

Nein, sagt Prof. Thomas Daldrup , Forensischer Toxikologe an der Universität Düsseldorf. «Alle Substanzen, die auf das Gehirn einwirken, beeinträchtigen die Handlungsfähigkeit.» Dazu zählen zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel, Psychopharmaka, aber auch Mittel gegen Bluthochdruck oder Hustentropfen mit Codein.

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) in Heidelberg passieren inzwischen unter dem Einfluss von Arzneien mindestens ebenso viele Unfälle wie unter Alkoholeinfluss. Bis zu sieben Prozent der jährlich rund 2,2 Millionen Verkehrsunfälle in Deutschland sind demnach auf medikamentenbedingte Fahruntüchtigkeit zurückzuführen. Anders als für Alkohol und Drogen gibt es für Arzneien aber keine Grenzwerte.

Problematisch seien vor allem rezeptpflichtige Arzneien, sagt Daldrup. Als besonders kritisch bezeichnet er Medikamente, nach deren Einnahme der Blutzucker oder der Blutdruck stark absinken oder die Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein können. Aber auch frei verkäufliche Erkältungsmittel, die zum Beispiel ein besseres Durchschlafen ermöglichen, seien riskant.

Auch sie wirkten dämpfend und könnten dadurch die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr stören, erklärt der Toxikologe. Und die Ausrede «Das habe ich nicht gewusst, im Beipackzettel steht so viel drin» gelte bei einem Unfall oder einer Polizeikontrolle nicht. «Der Gesetzgeber verlangt, dass Autofahrer vor Antritt der Fahrt prüfen, ob sie sich fahrtüchtig fühlen.»

Das betrifft zum Beispiel Menschen , die Antihistamine gegen Allergien oder Reiseübelkeit einnehmen. «Die machen müde», sagt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin. Allergische Reaktionen wie Niesanfälle können ebenfalls die Aufmerksamkeit gefährden: «Dann ist man nicht verkehrstüchtig.»

Auch die Betäubungsspritze beim Zahnarzt kann gefährlich werden. «Hier sind Spätwirkungen möglich», warnt Daldrup. «Das Narkosemittel kann in die Blutbahn gelangen und dann Herz-Kreislaufprobleme bis hin zur Bewusstlosigkeit auslösen.» Erst wenn die örtliche Betäubung ganz abgeklungen ist, dürfe sich der Patient wieder hinter das Steuer oder auf das Fahrrad setzen. Wer ganz sicher gehen will, lässt Wagen und Rad 24 Stunden lang stehen. Auf jeden Fall aber sollte der Zahnarzt seine Patienten auf die möglichen Folgen hinweisen.

Nicht zu unterschätzen sind auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Folgen für die Fahrtüchtigkeit seien oftmals nicht ausreichend erforscht, bedauert die DGVM. Vor allem ältere Menschen schlucken manchmal mehrere Mittel gleichzeitig - und laufen Gefahr, dass eines dann gar nicht mehr wirkt oder die Wirkung viel zu stark ist.

«Wer dauerhaft mehrere Medikamente nimmt, sollte sich informieren», rät Sellerberg. Schließlich seien mehr als 5000 Wechselwirkungen bekannt. So könne sich zum Beispiel ein blutdrucksenkender Betablocker negativ auf ein Arzneimittel gegen Diabetes auswirken, indem er die Unterzuckerung des Patienten verstärkt und Warnsymptome wie Zittern verringert. Auch der Einfluss von Nahrungs- und Genussmitteln werde gelegentlich unterschätzt: So verstärkt Alkohol beispielsweise die Wirkung von Schlafmitteln.

In manchen Fällen können Medikamente die Fahrtüchtigkeit aber auch positiv beeinflussen. Denn bestimmte Krankheiten, etwa Epilepsie, machten Patienten das Fahren fast unmöglich. «Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann dann wieder zur Fahreignung führen», sagt Daldrup. Das gelte auch für Schmerzpatienten: Normalerweise dürfe ein Patient unter Morphineinfluss nicht Auto fahren - außer er nimmt es regelmäßig in der verordneten Dosis ein. Wechselwirkungen mit Lebensmitteln Sogar der Verzehr von kalzium- oder magnesiumhaltigen Nahrungsmitteln kann die Wirkung von Medikamenten verändern. Daher sollten zum Beispiel etliche Antibiotika, Schilddrüsenhormone oder Osteoporose-Arzneien nicht zusammen mit Milch, Joghurt, Käse oder einigen Mineralwässern eingenommen werden. Vorsicht ist auch bei Grapefruitsaft angebracht: Er kann bewirken, dass sich zum Beispiel cholesterinsenkende Mittel gefährlich stark im Blut anreichern. Von Nina C. Zimmermann, dpa

dpa-infocom



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