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Der «Rosinenbomber» warf noch einmal Rosinen ab

Berlin - Auf dem stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof wurde vergangene Woche noch einmal die Vergangenheit wach.

Mit dröhnenden Motoren zog eine alte Douglas DC 3 im Tiefflug ihre Kreise.

Die Luken der Maschine öffneten sich und wie vor 60 Jahren schwebten an kleinen Fallschirmen gut 1000 Pakete mit Schokoladenrosinen der wartenden Menge am Boden entgegen. Mit im Cockpit saß der US-Pilot Gail Halvorsen. Der 88 Jahre alte Veteran hatte den Steuerknüppel nicht mehr selbst in der Hand. Aber er wollte noch einmal in einem der alten «Rosinenbomber», die ihn einst berühmt machten, mit von der Partie sein. Zehntausende Besucher auf dem Flughafen verfolgten das Spektakel.

Es war ein Höhepunkt der Feierlichkeiten, mit denen Berlin der alliierten Luftbrücke und des Endes der Blockade vor 60 Jahren gedachte. Die Sowjetunion hatte 1948/49 die Land- und Wasserwege zu den Westsektoren Berlins elf Monate lang abgeriegelt. Dies war im Kalten Krieg zwischen Ost und West Moskaus Antwort auf die Einführung der D-Mark in Westdeutschland und im Westteil der Vier-Mächte-Stadt Berlin gewesen. Briten und Amerikaner entschlossen sich daraufhin, die damals etwa 2,1 Millionen Einwohner im eingeschlossenen West- Berlin auf dem Luftweg zu versorgen. Auch Flugzeuge aus Neuseeland, Australien und Südafrika waren beteiligt.

Halvorsen gilt als der Pilot , der als erster auf die Idee kam, Berliner Kindern aus dem Fenster seiner Pilotenkanzel Kaugummi, Schokolade und andere Süßigkeiten («Candy Drops») zuzuwerfen. Das machte den «Candy Bomber» damals berühmt und viele seiner Kameraden folgten seinem Beispiel. So wurde nahezu in der gesamten westlichen Welt ein Foto zum Symbol der Luftbrücke, das einen «Rosinenbomber» im Landeanflug über winkenden Kindern zeigt. Diese 1948 entstandene Aufnahme des 2004 gestorbenen Fotografen Henry Ries wurde in den USA sogar zur Druckvorlage für eine Briefmarke.

Rund um die Uhr wurden 462 Tage lang mit fast 280 000 Flügen etwa 2,3 Millionen Tonnen Hilfsgüter befördert. Alle 90 Sekunden startete und landete eine Maschine an den drei Berliner Enden der Luftbrücke: Tempelhof, einen buchstäblich schnell aus dem Boden gestampften Flugplatz in Tegel und am Militärflugplatz Gatow. Bei der Hilfsaktion verloren 78 Menschen ihr Leben.

Transportiert wurde praktisch alles , was Menschen zum Leben brauchen, ob Kohle oder Benzin oder Lebensmittel. Sogar die Anlagen für den Bau eines Kraftwerkes schafften die alliierten Piloten heran. Am 12. Mai vor 60 Jahren gaben die Sowjets auf und brachen die Blockade ab. Die Versorgung aus der Luft ging aber noch bis zum 27. August 1949 weiter.

Neuauflage eines Rosinenbombers. Von Harald Rohde, dpa

dpa-infocom