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«Sunshine Cleaning»: Zwei Frauen suchen ihr Glück

Hamburg - Die Krise hat die USA voll erwischt, jetzt sind alternative Geschäftsmodelle gefragt.

Bislang pendelten die beiden Schwestern Rose (Amy Adams) und Norah (Emily Blunt) mehr schlecht als recht zwischen miesen Aushilfsjobs und dem Arbeitsamt hin und her.

Aber eines Tages hat Roses Freund , der Polizist Mac (Steve Zahn), eine Idee, die nur auf den ersten Blick makaber wirkt: Eine Reinigungsfirma, die an den Orten putzt und aufräumt, an denen ein Verbrechen oder ein Selbstmord geschah.

Wie man unschöne Spuren von Blut oder Hirn routiniert beseitigt, haben ja bereits John Travolta und Samuel L. Jackson in «Pulp Fiction» eindrucksvoll gezeigt. Also schlagen Rose und Emily der Krise eine Schnäppchen und gründen ihre Firma. Gestorben wird ja praktisch immer, und Waffen gibt es in Amerika auch genug.

Die Regisseurin Christine Jeffs legt mit «Sunshine Cleaning» eine sehr sympathische, kurzweilige, glänzend besetzte Tragikomödie vor, die hinter ihrer schwarzhumorigen Fassade eine bewegende Familiengeschichte erzählt. Produziert wurde der Film vom Erfolgsteam des mit zwei Oscars ausgezeichneten Independent-Hits «Little Miss Sunshine» (2006), und auch jetzt geht es wieder um belächelte Außenseiter und Freaks, die sich ihren Traum vom Glück nicht ausreden lassen.

Rose und Norah haben nicht nur mit ihrer Firma alle Hände und Handschuhe voll zu tun, sondern müssen sich auch um ihren reichlich schrulligen, verwitweten Vater Joe (wunderbar: Oscarpreisträger Alan Arkin) kümmern, der immer wieder auf arg komische Ideen kommt. Einmal kauft er billig Shrimps in rauen Massen auf und packt die Viecher in die Badewanne, bis es ganz erbärmlich stinkt. Aber Joe hat andere Qualitäten: Für Roses achtjährigen, etwas verhaltensauffälligen Sohn Oscar (Jason Spevack) ist er ein toller Opa und Kumpel zugleich.

Aber es herrscht halt nicht nur eitel Sonnenschein. Die beiden Schwestern müssen mächtig kämpfen, um an ihrem neuen Job nicht zu verzweifeln. Aber das Selbstvertrauen steigt mit jeder Leiche. Rose beendet ihre freudlose Affäre mit dem verheirateten Polizisten, und Norah macht die Tochter eine toten Frau ausfindig und beginnt endlich, über ihren eigenen Tellerrand zu blicken. Der frühe Tod der Mutter ist das Drama, das sie beide verarbeiten müssen.

Dabei kommt der Film ohne jede Larmoyanz oder übertriebene Sentimentalitäten aus. Kameramann John Toon findet eher unterkühlte Bilder, menschenleere Straßen, verwahrloste Häuser, leere Fabriketagen oder Trailerparks vor majestätischer Bergkulisse. In einer Szene trifft Norah auf eine aufdringlich geschminkte alte Dame, die gerade ihren Mann verloren hat, und fragt, ob sie sich ein paar Minuten gemeinsam vors Haus setzen sollen. Ein schmerzhaftes Bild, das trotzdem Hoffnung ausstrahlt. Von Johannes von der Gathen, dpa

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