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Film

«The Limits of Control»: Minimalismus von Jarmusch

Hamburg - Künstler neigen mit fortschreitendem Alter mehr und mehr zum Minimalismus - und daran gemessen erscheint Jim Jarmusch mit seinem jüngsten Werk schon wesentlich älter als seine tatsächlichen 56 Lebensjahre.

Sein neuer Film «The Limits of Control» ist Minimalismus pur, in Handlung, Darstellung und Bildsprache. Dabei ist der Film vor allem dank des eindrucksvollen Spiels von Hauptdarsteller Isaach De Bankolè und der einfühlsamen Kameraführung keineswegs langweilig - der Zuschauer darf nur nicht den Unterhaltungswert früherer Jarmusch-Filme erwarten.

Jarmusch sagt, er habe schon immer mal einen Film in Spanien drehen wollen, und deswegen spielt dieser Film dort. Einer seiner Bekannten wohnt seit Jahrzehnten in einem architektonisch interessanten Madrider Hochhaus aus den 1960er Jahren, und deswegen muss De Bankolè als der Geheimnisvolle Fremde zunächst mal dort absteigen.

Aus einem nur Jarmusch bekannten Grund wollte er einmal Bankolè und die Schauspielerin Paz de la Huerta gemeinsam vor der Kamera haben. «Also schrieb ich Paz eine Rolle direkt auf den Leib», sagt Jarmusch. Nur aus diesem Grund turnt die 24-Jährige also ständig nackt oder nur mit einem transparenten Regencape bekleidet durch den Film. Ein anderer Anlass ist für den unbefangenen Betrachter auch nicht zu erkennen. Jarmusch hat das Drehbuch für den Film nach seinen Vorlieben selbst geschrieben. Das Ganze wirkt entsprechend stark konstruiert.

Im Grunde spielt sich in «The Limits of Control» zwei Stunden lang dieselbe Szene ab: Der Geheimnisvolle Fremde trifft an wechselnden Orten in Spanien andere Unbekannte, die ihn in belanglose Gespräche verwickeln wollen. Den Geheimnisvollen Fremden, der als Erkennungszeichen stets zwei Tassen Espresso vor sich stehen hat, als wortkarg zu beschreiben, wäre untertrieben. Es geht auch nicht um die Gespräche, sondern nur um die Übergabe geheimnisvoller Instruktionen in einer Streichholzschachtel.

Niemand weiß, in welcher Mission der Geheimnisvolle Fremde unterwegs ist, und als er schließlich seine Zielperson trifft (Bill Murray) wird klar: Es ist auch unerheblich, worum es dabei geht. Nur schade, dass Murray, der in Jarmuschs Filmen «Coffee and Cigarettes» (2003) und «Broken Flowers» brillierte, diesmal nur in einer kurzen Gastrolle zu sehen ist. Es gibt auch ein kurzes Wiedersehen mit Tilda Swinton, eine weitere Erinnerung an «Broken Flowers».

«The Limits of Control» ist ein sehenswerter Film für Cineasten, die tief in Jim Jarmuschs künstlerische Sichtweise der Welt eintauchen wollen. Es sind die betörenden Bilder, die diesen Film ohne störende Handlung sehenswert machen. Für dieses Erlebnis müssen die Zuschauer allerdings ein wenig Geduld mitbringen.

www.thelimitsofcontrol.de Von Klaus Peters, dpa

dpa-infocom