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Arcandor und Karstadt: Tag der Entscheidung

Düsseldorf - Für den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ist heute der Tag der Entscheidung.

Das Unternehmen kündigte am Wochenende an, rasch Insolvenz anzumelden, wenn ihm am Montag die beantragte staatliche Hilfe von 437 Millionen Euro verweigert wird.

Die Aussichten auf ein Eingreifen des Bundes sehen schlecht aus: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte bis zuletzt, dass zunächst die Anteilseigner am Zug seien. Wann die Bundesregierung am Montag über den Hilfsantrag entscheiden könnte, war zunächst unklar.

Ungewiss ist auch, was aus den Überlegungen für ein Zusammengehen der Warenhaus-Ketten Karstadt und Kaufhof wird. Nach einem Krisengipfel zwischen Arcandor und der Kaufhof-Mutter METRO am Sonntag gab es Verwirrung statt der erhofften Klarheit. METRO teilte zunächst mit, man habe sich auf konkrete Gespräche zur Bildung einer Deutschen Warenhaus AG verständigt. Wenig später wurde die Formulierung abgeschwächt. Nun heißt es lediglich, alle Beteiligten hätten einen konstruktiven Beitrag zugesagt.

Damit ist unklar, ob die Verhandlungen weit genug fortgeschritten sind, um eine von der Politik geforderte Voraussetzung für die Bewilligung des beantragten Rettungsdarlehens zu erfüllen, wie dies Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick am Sonntag darstellte. Zugleich hatte er betont, dass auch eine Kaufhof-Lösung für Karstadt Staatshilfen für den gesamten Konzern nicht ersetze. Arcandor hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass auch für die Versandhandelstochter Primondo (u.a. Quelle) mit rund 20 000 Beschäftigten eine Lösung gefunden werden müsse.

Karstadt und Kaufhof haben zusammen mehr als 50 000 Beschäftigte. Diese befürchten einen deutlichen Stellenabbau. Nach bisheriger Einschätzung von METRO-Konzernchef Eckhard Cordes könnte die Schließung von 30 Karstadt-Filialen und 10 Kaufhof-Häusern nötig sein. Dadurch würden etwa 5000 Vollzeitstellen verloren gehen, sagte Cordes der «Bild am Sonntag».

Am 12. Juni läuft ein 650-Millionen- Euro-Kredit an Arcandor aus. Spätestens bis dahin muss eine Lösung stehen. Bei Arcandor geht es um mehr als 50 000 Arbeitsplätze.

Arcandor hat in Berlin nach eigenen Angaben ein Konzept vorgelegt, dass erhebliche Beiträge von Mitarbeitern, Eigentümern und Partnern zur Sanierung des Konzern beinhalte. Zusammen beliefen sich diese Zugeständnisse auf fast 700 Millionen Euro.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver. di rief Merkel eindringlich zu staatlichen Hilfen auf. «Ohne die Hilfe der Politik geht es nicht. Die Rettungsbeihilfe muss am Montag kommen», verlangte die stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende Margret Mönig-Raane zusammen mit Betriebsräten.

Die Karstadt-Beschäftigten greifen unterdessen zu Protestaktionen, um die Politik zu Hilfen zu bewegen. In Wismar besetzten sie am Sonntag symbolisch des Karstadt-Stammhaus. An Montag wollen sie mit verhängten Schaufenstern in der ganzen Republik mahnen. Das solle den Kunden zeigen, wie ihre Innenstädte ohne Karstadt-Häuser aussehen würden, sagte die Karstadt-Betriebsrätin Gabriele Schuster. Außerdem sind in den nächsten Tagen bundesweit Mahnwachen geplant.

dpa-infocom