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Südafrika auf WM-Kurs

Frankfurt/Main - Die Fußballwelt schaut in den nächsten Wochen auf den Confederations Cup: Bestehen die Südafrikaner bei dem Turnier vom 14. bis 28. Juni die Generalprobe für die ersten Weltmeisterschaften auf dem Kontinent 2010?

«Ich denke, dass das Land gut vorbereitet ist. Wir werden das eine oder andere Problem im organisatorischen Ablauf haben - wie dies auch 2005 in Deutschland der Fall war. Ich sehe aber keine großen Probleme», sagt Horst R. Schmidt als FIFA-Berater für die beiden Turniere in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die schwierige Vorbereitung und die immer wieder geäußerten Zweifel an den Gastgebern sind allerdings auch an dem Organisations-Spezialisten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht spurlos vorüber gegangen.

«Meine Fantasie hat natürlich ausgereicht, um auch die Risiken zu sehen. Die Frage, ist das Land so leistungsfähig, die WM gut zu organisieren und die gesamte Infrastruktur bereitzustellen, die stellt sich schon», meint der Aschaffenburger. Mitunter habe er sich gefragt, «ob das alles, was ich einbringen kann, die Sache weiterbringt. Macht das überhaupt alles Sinn? Solche Gedanken kamen ab und zu. Die Aufgabe hat mich schon beansprucht.»

Der DFB pflegt seit der WM-Bewerbung für 2006, die Südafrika schon austragen wollte, enge Kontakte zum einstigen Konkurrenten. Nach dem «Sommermärchen» stellte der Verband dann den Südafrikanern sein Knowhow zu Verfügung. Nach Angaben von Schmidt, der bei der WM Geschäftsführender Vize-Präsident des Organisationskomitees war und neben Wolfgang Niersbach als der große Macher im Hintergrund galt, gibt es «kaum eine Dokumentation des OK und DFB, die nicht dort gelandet wäre.»

Zuletzt war Schmidt jeden Monat am Kap - und musste sich auch in der hohen Kunst der Diplomatie üben. «Manchmal hätte ich natürlich gerne gesagt: Wir machen das jetzt so und so - aber das verträgt sich eben nicht mit meinem Auftrag», erklärt der 67-Jährige, der schon bei den Olympischen Spiele 1972 in München zum OK-Team gehörte. «Je älter man ist, desto weiser wird man ja auch und deshalb gelingt es leichter, sich zurückzunehmen.»

Die WM-Arenen, untermauert Schmidt, werden bis zum Jahresende stehen. «Ein Problem ist, dass einige Stadien der Rugby-Union gehören. Zur gleichen Zeit wie der Confed Cup findet die Lions Rugby Tour statt», sagt Schmidt. «Ein Vorgang der beachtlich und bei uns kaum vorstellbar ist.» Bei den Spielen mit dem eiförmigen Ball sind die Stadien anders ausgestattet und werden anders vermarktet. «Das ist eine Belastung für den Confed Cup als WM-Testlauf.» Ganz anders als in Deutschland ist auch der Ordnungsdienst aufgestellt - weil die dortige Liga kaum einen professionellen hat. 500 bis 700 Personen pro Spielstätte müssen extra ausgebildet werden.

Beim viel diskutierten Thema Sicherheit sieht der DFB-Funktionär die Südafrikaner gut vorbereitet. «Das OK wird von den staatlichen Sicherheitsorganen hervorragend unterstützt. Die Konzepte haben eine hohe Qualität, von Langzeitprogrammen bis hin zur Spezialisierung von Polizeibeamten», sagt Schmidt, der als Leiter einer Gruppe von Sicherheitsexperten über diese Vorgänge gut informiert sei. Deutschen Touristen, die in einem Jahr zur WM wollen, empfiehlt er, über die Reiseveranstalter zu gehen «und sich nicht spontan auf den Weg zu machen - wie es Fußballfans gerne tun».

Beim Confederations Cup werden nach seiner Einschätzung jedoch 95 Prozent der Zuschauer aus Südafrika sein. «Die Grundbegeisterung im Land ist da, das wird man spüren», sagt der FIFA-Berater. Allerdings läuft der Kartenvorkauf nach Informationen aus Südafrika bisher eher schleppend. «Man hat Firmen - nicht nur von Sponsoren, sondern aus der ganzen Wirtschaft - veranlasst, Karten für Mitarbeiter zu erwerben», erklärt Schmidt. Etwa 400 000 von den 640 000 Tickets seien bisher abgesetzt.

Im Gegensatz zu Fußballspielen in Europa könne man nicht einfach die Stadionkassen an Spieltagen aufmachen. «Es besteht die Gefahr, dass einfach zu viele Menschen versuchen würden, ins Stadion zu kommen.» Wozu das führen könne, habe man immer wieder bei Zuschauerkatastrophen in Afrika gesehen. Beim Confederations Cup 2005 betrug die Auslastung 86 Prozent. «Das war schon Knochenarbeit», erinnert sich Schmidt. «Wenn 70 bis 80 Prozent der Tickets verkauft würden, dann wäre das ein großer Erfolg.» Von Ulrike John, dpa

dpa-infocom