pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Reise   » News  » Deutschland  » Gesundheit  » Katalog  » Recht  » Traumziele  » Tipps  » Galerie

Kuckucksbähnel dampft seit 25 Jahren durch die Pfalz

Neustadt/Elmstein Das nennt sich Service: Der Zug bleibt auf freier Strecke stehen und die Fahrgäste werden umgehend informiert, wo das Problem liegt.

«Liegt» im wahrsten Sinne des Wortes: Auf die Gleise ist nämlich ein Baum gestürzt.

Der Baum wird zersägt und wenig später dampft das Kuckucksbähnel weiter. Seit 25 Jahren fährt die historische Eisenbahn von Neustadt/Weinstraße nach Elmstein im Pfälzerwald. Sie ist ein Besuchermagnet. An den Pfingsttagen (30. Mai bis 1. Juni) wird das Jubiläum gefeiert.

Aber auch an anderen Wochenenden ist der Zug, an der Spitze die Dampflok «Speyerbach» aus dem Jahr 1904, gerammelt voll auf seiner Fahrt. Auffällig viele Familien nutzen die Chance, im Fahrradtempo durch die idyllische Landschaft zu tuckern und nach einer Wanderung oder einem Picknick wieder zurückzufahren. Die Stimmung ist deutlich entspannter als in einem Zug der Deutschen Bahn. Als der umgestürzte Baum aus dem Weg geräumt werden muss, wird nicht etwa was von «Verspätung» gemurrt, sondern neugierig aus dem Fenster geschaut.

Etwa 32 000 Fahrgäste transportiert das Kuckucksbähnel jährlich, erzählt Horst Kayser, Leiter des Eisenbahnmuseums in Neustadt, das für den Betrieb der historischen Bahn zuständig ist. Die Museumsleute und ein Förderverein betreiben die Bahn ehrenamtlich. «Wenn wir nur einen Mann bezahlen müssten, könnten wir sofort aufhören.» Etwa 20 Mann hat der harte Kern des Teams, davon sind ein Drittel aktive oder pensionierte Eisenbahner.

Aber als Lokführer oder Schaffner sind auch Leute aus ganz anderen Richtungen unterwegs. So gehört zu den Fahrern ein hauptberuflicher Musiker, der eigentlich bei der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz angestellt ist. Anderes Beispiel: Der 71 Jahre alte Kayser kam von der Modell-Eisenbahn zur richtigen Lok. Sein Motto: «Jetzt spiel ich mit 1:1.»

Einen Zuschuss des Landes bekommen die Hobby-Bahner lediglich für den Unterhalt der Strecke. Während ein Teil der Strecke zwischen Neustadt und Lambrecht auch von der Deutschen Bahn genutzt wird, steht der letzte, 13 Kilometer lange Abschnitt im Elmsteiner Tal allein unter der Regie der Kuckucksbähnler. Den Betrieb der Bahn finanzieren die Verantwortlichen vor allem über die Fahrpreise. Auch kleinere Reparaturen werden in Eigenregie angepackt.

Für das Jubiläumswochenende haben die Kuckucksbähnler drei weitere Lokomotiven angemietet, um das erhoffte Besucherinteresse bewältigen zu können. Ist das Bähnel sonst an großen Teilen des Jahres sonntags und an Feiertagen zweimal täglich in jeder Richtung unterwegs, so wurde das Angebot für dieses Wochenende fast auf einen Stundentakt ausgebaut. Gefeiert wird außerdem im Museum in Neustadt und am Endbahnhof Elmstein. Auch eine Säge werden die Loks dann wieder an Bord haben, falls mal wieder ein Baum auf der Strecke liegt. «Das kommt schon mal vor», sagt Kayser.

Weitere Infos: www.eisenbahnmuseum-neustadt.de Von Marc Strehler, dpa

dpa-infocom