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Die Insel Föhr geht touristisch neue Wege

Wyk auf Föhr Für mutige Naturen kommen Gummistiefel nicht infrage: Ins Watt vor der nordfriesischen Insel Föhr gehen sie nur barfuß. Doch an diesem Frühlingstag hat das Wasser keine zehn Grad.

Walter Stubenrauch, Leiter des Nationalparkzentrums in Wyk auf Föhr, greift deshalb heute lieber zu den schützenden Stiefeln. «Viele unterschätzen das Wattenmeer», sagt der 52-jährige gelernte Biologie- und Geschichtslehrer.

Stubenrauch sticht eine stählerne Grabgabel in den festen Nordseeboden vor dem Wyker Südstrand und fördert einen beachtlichen Wattwurm zu Tage. Bis zu 50 davon leben auf einem Quadratmeter. Sie hausen in j-förmigen Röhren, fressen sich durch den Boden, verdauen das organische Material darin und versuchen, sich dabei nicht selbst von hungrigen Vögeln erwischen zu lassen. Weil das Leben in diesem produktivsten Ökosystem der Welt weitgehend im Verborgenen tobt, müssen sich Touristen an den Boden unter ihren Füßen halten. «Wir haben einen Bück-Nationalpark», erklärt Stubenrauch seinen Gästen.

Neben Rentnern und Kurgästen kommen Schulklassen und vor allem Familien mit Kindern zu seinen Führungen. Denn in den vergangenen Jahren hat sich die knapp 83 Quadratmeter große Insel vor allem einen Namen als Familien-Urlaubsziel gemacht. Das soll auch so bleiben. Weil die klassische Familie seltener wird, sucht Föhr aber nach Alternativen. Singles, junge Paare ohne Kinder und Reisende im Rentenalter stellen zum Teil andere Ansprüche, weiß die Marketingchefin der Tourismus GmbH Föhr, Sandra Lessau.

Die Saison im Frühjahr und Herbst außerhalb der Ferien soll verlängert werden. «Das können wir nicht mit Familien mit schulpflichtigen Kindern, dazu müssen wir die Menschen ab 50 oder 55 ansprechen.» Die Anbieter müssen sich auf kurzfristigere Buchungen und kürzere Reisen einstellen. Dazu seien mehr Hotels mit höherem Niveau nötig. Einen ersten Schritt in der Vermarktung hat Föhr bereits gemacht. Seit Anfang 2007 arbeiten alle Gemeinden in der Tourismus GmbH zusammen.

Neben den traditionellen Stärken wie Strand, Meer und Watt, Friesendörfern und Reetdachromantik, Golfplatz und Segelbootmarina will Föhr künftig noch andere Akzente setzen. So möchte sich die Insel als Vorreiter bei der Nutzung von erneuerbarer Energie etablieren. Viele Landwirte haben erkannt, dass sie mit Solarzellen auf ihren großen Scheunendächern nicht nur ein grünes Image, sondern auch viel Geld bekommen können. Seit Jahren schon drehen sich 19 Windräder über Föhr verteilt. «Wir wollen sie durch fünf größere ersetzen und räumlich zusammenfassen», sagt der Bürgermeister von Wyk auf Föhr, Heinz Lorenzen. Dafür gibt es landespolitisch aber noch kein grünes Licht.

Der 63 Jahre alte ehrenamtliche Chef der Inselhauptstadt, der vor seiner Pensionierung Lehrer war, kann sich eine Einrichtung zur Information über die erneuerbare Energie auf Föhr vorstellen. «Wir haben ein Hundert-Prozent-Ziel und wollen dabei nicht stehen bleiben», sagt Lorenzen. Das heißt, auf Föhr soll mit Solar- und Windenergie sowie Erdwärme mindestens so viel Strom produziert werden, wie Einwohner und Urlauber verbrauchen. Das ist eine Menge. Denn zu den Insulanern kommen übers Jahr immerhin 200 000 Urlauber, die für insgesamt 1,9 Millionen Übernachtungen sorgen.

Weitere Auskünfte: Föhr Tourismus, Postfach 15 11, 25933 Wyk auf Föhr, Telefon: 04681/300, E-Mail: urlaub@foehr.de

Tourismus Föhr: www.foehr.de Von Sönke Möhl, dpa

dpa-infocom