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Forscherin: Deutschland ist ein Paradies für Chemiker

Mainz Die promovierte Chemikerin Aránzazu del Campo arbeitet seit Februar am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Sie leitet die Forschungsgruppe "Aktive Oberflächen und Materialien". Die Spanierin studierte in Madrid und forschte unter anderem in den USA, Italien und Großbritannien.

Im Interview mit unserer Zeitung erläutert die 36-jährige zweifache Mutter, was Eigenarten der deutschen Forschungslandschaft sind und wie sich die anspruchsvolle wissenschaftliche Karriere und das Familienleben vereinbaren lassen.

Sie haben in einigen Ländern geforscht. Wie schätzen Sie die Bedingungen für Wissenschaftler in Deutschland ein, gerade auch hier in Mainz?

Generell ist Deutschland für Chemiker ein Paradies. Die Chemieindustrie hierzulande ist sehr stark, und das hilft uns natürlich. In Spanien und Italien etwa fehlt diese unterstützende Industrie. Grundsätzlich gilt, dass die Forschung eine langwierige Sache ist. Man muss viele Widerstände überwinden, schon im Labor. Wenn man dann noch um Gelder oder die Infrastruktur kämpfen muss, wird es natürlich schwierig. Speziell Mainz ist für die Polymerforschung weltweit bekannt und verfügt über eine tolle Infrastruktur. Es ist ein Privileg, hier zu arbeiten.

Zum Vergleich: Das amerikanische Forschungssystem ist stärker ergebnisorientiert. Ist das nur ein Nachteil?

In den USA gibt es vom Staat oder von der Universität zunächst einmal nicht viel Geld für den Forscher. Er muss ab dem ersten Tag um finanzielle Mittel kämpfen. Wissenschaftler sind deshalb ständig im Wettbewerb und müssen auch stärker marketingorientiert sein. In Deutschland müssen sie das zwar auch, aber es gibt eben auch eine Grundausstattung. Für den Forscher gilt es, das auszuloten. Er muss ja ergebnisorientiert arbeiten und soll nicht nur vermeintlich verrückte Ideen verfolgen. Diesen Freiraum für Kreativität muss es andererseits aber auch geben, denn so kommen neue Theorien zustande - und nicht nur durch den Druck der Industrie.

Was sind für Sie Besonderheiten in der deutschen Wissenschaft?

Die Nachwuchsförderung in Deutschland ist gegenüber Spanien und Italien - in diesen Ländern habe ich länger geforscht - sehr gut. Hier wird viel Wert auf die Entwicklung der jungen Forscher gelegt. Wer gut ist, hat viele Möglichkeiten, entsprechende Unterstützung zu finden.

Das System gibt also viel. Es verlangt auf der anderen Seite aber auch eine Menge Flexibilität.

Ja, Sie müssen im Laufe der Karriere bereit sein, einige Male den Forschungsstandort zu wechseln. Das macht es kompliziert, gerade wenn man das Familienleben damit vereinbaren will. Andererseits ist es wichtig, weil man sich ständig entwickeln muss. Aber natürlich: Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, erfordert viel Mut, Willen und auch körperliche Kraft. Kompromisse gehören dazu. Unsere Kinder etwa müssen von Montag bis Freitag Vollzeit zur Krippe. Das ist aber keine schlechte Sache. In Deutschland ist es irgendwie in der Gesellschaft drin, dass das Kind lange bei der Mutter bleiben muss. In Frankreich und Spanien ist es selbstverständlich, dass die Mutter sofort zur Arbeit zurückkehrt, wenn sie einen anspruchsvollen Job hat. Die Max-Planck-Gesellschaft hilft übrigens bei der Suche nach einem Krippenplatz. Das hat es überhaupt erst ermöglicht, dass ich hier arbeite.

Das Gespräch führte Holger Schleper

RZO