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Wurde Bürgermeister im Lift zudringlich?

Cochem Er hat einmal gesagt, auch schlechte Presse sei gute Presse. Daran wird der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kaisersesch (knapp 13 000 Einwohner) nicht gedacht haben: Im Amtsgericht Cochem wird vor großem Medienaufgebot erörtert, ob er Mitarbeiterinnen nachstellt. Wegen eines Falls von sexueller Nötigung ist er angeklagt.

Mit völlig gegensätzlichen Darstellungen hat vor dem Cochemer Amtsgericht der Prozess gegen den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kaisersesch, Ewald Mattes, begonnen. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Verwaltung wirft ihm vor, sie während einer Dienstreise im Hotelaufzug sexuell bedrängt zu haben, er bestreitet die Vorwürfe der 43-Jährigen vehement.

Eingehend wird die Nebenklägerin bei ihrer Vernehmung befragt. Sie selbst lehnt den Ausschluss der Öffentlichkeit ab, obwohl sie viel Persönliches preisgeben muss, etwa langjährige Magersucht und Eheprobleme. Die dreifache Mutter schildert, dass sie allein die Familie ernähren und das Haus abbezahlen muss, nachdem ihr Ehemann durch einen Unfall arbeitsunfähig wurde. In dieser Not habe sie die Arbeitsstelle bei der Verwaltung als Segen empfunden, die ihr nach einem Praktikum mit befristetem Arbeitsvertrag angeboten wurde. Doch bald hätten Kolleginnen gewarnt: "Jetzt musst du mit auf Dienstreise gehen." Alle Frauen in der Verwaltung hätten gewusst, was das bedeuten würde.

Offen sei über die sexuellen Annäherungsversuche des Bürgermeisters bei diesen Reisen gesprochen worden. Die Nebenklägerin bezichtigt Mattes der ständigen sexuellen Anmache, die in einem Übergriff im Hotelaufzug in Stuttgart gipfelte. Dort soll er sie nach einem Kneipenbesuch mit viel Alkoholgenuss gegen ihren Willen in die Ecke gedrängt, die Bluse zerrissen, die Brüste begrapscht und ihr Zungenküsse aufgezwungen haben. Auf die Nachfrage, warum sie sich wegen Mattes" Verhalten keine Hilfe geholt habe, erwiderte die Frau: "Ich brauchte den Job." Im Übrigen sei sie beim Büroleiter abgewiesen worden. Der Büroleiter hingegen stellt sich vor seinen Dienstherrn. Er habe nie - auch nicht von anderen Frauen - von sexuellen Belästigungen gehört. Auch eine Angestellte der VG, die nach Aussage der Nebenklägerin Bescheid wusste, bestreitet solches Wissen. Sie bezeugt vielmehr eine Drohung der ehemaligen Kollegin, nachdem deren Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde: "Wenn ich gehen muss, dann muss Mattes auch gehen." Der Prozess wird fortgesetzt. (Brigitte Meier)

RZO