pic Zählpixel
kalaydo leftkalaydo logo
suchen im
Lexikon
RZ-Online-Archiv
Zeitungs-Archiv
Internet
< Schnell-Navigation >
KinoWelt VideoWelt FotoWelt MeineWelt
Geld & Recht       » News       » Steuer-Tipps

Schuldenfalle schnappt in der Krise häufiger zu

Berlin «Wir können nicht jeden vor seinem Unglück retten», sagt der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen.

Aber mehr Familien und Alleinstehenden, die vor dem Ruin stehen, könnte schon geholfen werden, glaubt er.

Schon jetzt sind nach Schätzung der Sozial- und Verbraucherverbände drei bis vier Millionen Haushalte überschuldet. Eine genaue Zahl liegt nicht vor, weil es diverse Definitionen für «Überschuldung» und zu wenige aktuelle Daten gibt. Die Tendenz, die der «Schuldenreport 2009» aufzeigt, ist aber klar: Mit der Wirtschaftskrise wird sich das Problem verschärfen.

«Wir rechnen mit einem zusätzlichen Ansturm von Hilfesuchenden in Beratungsstellen», sagt Carlo Wahrmann, der sich für die Berliner Caritas seit 20 Jahren um Menschen in Geldnöten kümmert. Zugleich treibt ihn eine andere Sorge um: Wenn die öffentlichen Kassen leer sind, werde auch bei den bundesweit 950 Schuldnerberatungsstellen gekürzt. Diese seien aber bereits heute hoffnungslos überlastet und betreuten lediglich 10 bis 15 Prozent aller Überschuldungsfälle.

Meistens gibt es mehrere Ursachen , die Menschen in eine ausweglose Finanzlage bringen. In den Beratungsstellen nannten 29 Prozent Arbeitslosigkeit als Hauptauslöser, 14 Prozent gaben neue Lebensverhältnisse wie Trennung oder Tod eines Partners an.

Tiefer liegender Grund ist oft mangelnde Bildung in Finanzfragen und die Tatsache, dass «Schulden für Konsum gesellschaftlich akzeptiert und verbreitet» seien, wie Svenja Koch vom Deutschen Roten Kreuz feststellt. Das fange schon bei Jugendlichen an, die sich im Freundeskreis Geld liehen, um mit Gleichaltrigen mithalten zu können. «Schulden sind wie Drogen», warnt der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Rainer Brückers. «Sie können das Leben versüßen, aber sie machen auch abhängig und sie sind zerstörerisch.»

Die Herausgeber des «Schuldenreports 2009» - Verbraucherzentralen, Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Diakonisches Werk - sehen vor allem die Banken in der Pflicht. Sie dürften nicht länger Kredite an Menschen vergeben, die nicht entsprechend finanzkräftig seien. Zudem müssten sie in den momentanen Krisenzeiten Kunden in Not entgegenkommen. Wer etwa seinen Arbeitsplatz verliere, dem müsse die Bank geringere Kreditraten einräumen statt ihm für deftige Gebühren eine Umschuldung mit noch höherer Zinslast anzubieten, sagt Billen. Es gehe nicht, dass Banken in Not mit Milliarden Steuergeldern gerettet würden, aber «die Kunden im Regen stehen».

Schließlich verlangen die Verbände von den Banken und Sparkassen, sich an der Finanzierung der Schuldnerberatung zu beteiligen. «0,1 Prozent der Summe jedes vergebenen Kredites sollten an Beratungsstellen fließen», schlägt Brückers vor. Mit mehr Geld könnten dann die monatelangen Wartezeiten auf einen Beratungstermin verkürzt werden. Davon profitierten letztlich auch die Kreditinstitute. Die Statistik der Beratungsstellen zeigt, dass überschuldete Menschen im Durchschnitt 36 000 Euro Schulden haben. 60 Prozent davon entfallen auf rückständige Kredite bei Banken.

Die 1999 eingeführte Verbraucherinsolvenz hat sich nach Ansicht der Sozialverbände als reformbedürftig erwiesen. Das Prinzip sei gut: Privatpersonen können dank des Verfahrens nach sechs Jahren von ihrer Restschuld befreit werden und dann einen Neuanfang machen. Doch Rechtspfleger und Insolvenzrichter seien überlastet und die Bürokratie viel zu groß. Und bei vielen Betroffenen seien die Einkommen auch nach der Insolvenz so gering, dass die Schwierigkeiten wieder von vorne begännen, berichtet die Vorsitzende des Wohlfahrtsverbandes, Heidi Merk.

Verbraucherzentrale Bundesverband: www.vzbv.de Von Bernd Röder, dpa

dpa-infocom


Sie benötigen Flash Player 9, um den RZ-Video-Player ansehen zu können.
Regioticker
Eventkalender
rz lexikon
Energiesparen