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Wenn der Hund die Wohnung verwüstet: Tipps für Halter

Sievershütten Die Tapeten sind von den Wänden gerissen, das Sofa ist zerfetzt, der Teppich in Stücke zernagt.

So etwas erleben zahlreiche Hundehalter. Selbst wenn sich der Vierbeiner bislang bestens benommen hat, kann es passieren, dass er die Wohnung zerlegt.

Halter sprechen dann oft von Zerstörungswut - für Experten dagegen sind das klare Anzeichen für eine Verhaltensstörung. Der Begriff «Zerstörungswut» beinhalte, dass das Verhalten des Hundes zielgerichtet ist, erklärt Christine Holst, Tierpsychologin aus Sievershütten in Schleswig-Holstein. Davon kann aber keine Rede sein: «Hunde handeln nicht aus Wut heraus.»

Holst unterscheidet drei Ursachen: Entweder wurde das Tier nicht richtig erzogen und weiß nicht, was es annagen darf. Oder der Hund ist unterbeschäftigt und gelangweilt. Oder er hat durch Ereignisse aus seiner Vergangenheit extreme Verlustängste, erträgt es nicht, alleingelassen zu werden - und reagiert sich an der Einrichtung ab.

«Welpen entdecken die Welt und probieren in ihrem Spieltrieb vieles aus», erklärt Christine Holst. Beginnt der Halter nicht sofort mit dem Erziehen, sondern entschuldigt das Verhalten, weil der Hund so süß aussieht, bekommt er später möglicherweise die Quittung dafür. Erlauben Besitzer, alte Hausschuhe anzunagen, müssen sie sich nicht wundern, wenn irgendwann die teuren Turnschuhe zerkaut sind. «Hunde erkennen solche Feinheiten nicht. Deswegen ist es wichtig, sie früh und konsequent zu erziehen.»

Wurde sowohl das versäumt als auch, den Hund ans Alleinsein zu gewöhnen, randaliert er später möglicherweise in der herrenlosen Wohnung. Dann hilft unter Umständen eine Verhaltenstherapie: «Ein Hund lernt immer, deswegen kann die versäumte Gewöhnung an das Alleinleben später nachgeholt werden», sagt die Tierpsychologin Marie Lühl aus Berlin.

«Auch Langeweile kann zu Zerstörungswut führen», so Marie Lühl. Vielleicht jagt der Besitzer den Vierbeiner beim Gassigehen nur ein paar Mal um den Block. Doch Hunde brauchen ausgiebigen Auslauf und geistige Anregung. Sie müssen etwa schnüffeln und apportieren. Fehlt ihnen das, tun sie vielleicht, was ihnen gefällt.

«So ein Verhalten kann sich langsam entwickeln», weiß Christine Holst. Ursachen könnten ein neuer Partner, ein neuer Job oder ein Baby sein. «Trotzdem sollte man versuchen, das Tier angemessen auszulasten und es jeden Tag geistig zu beschäftigen.» Abhängig vom Tier, könne schon eine Viertelstunde am Tag Wunder bewirken.

Steckt Verlustangst hinter dem Möbelnagen, hat das vor allem mit Erfahrungen zu tun, die der Vierbeiner gemacht hat. «Das kann besonders dann auftreten, wenn der Hund mehrere Besitzer hatte, also zum Beispiel ein Tierheimtier ist», sagt Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz aus Hamburg. «Dann kann es zur sogenannten Trennungsangstproblematik kommen, bei der das Tier Stress und Angst empfindet, sobald es alleingelassen wird.» Doch auch dann muss das Herrchen nicht verzweifeln: «Das Verhalten ist ja in der Regel auf eine Örtlichkeit wie die Wohnung beschränkt, deswegen ist es ebenfalls gut abzutrainieren.» Von Aliki Nassoufis, dpa

dpa-infocom


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