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Bernhard Grzimek: Sonderling und Medienstar

Frankfurt/Main 1909 herrscht in Deutschland Kaiser Wilhelm II., Afrika ist fest in der Hand der europäischen Kolonialstaaten.

Das Fernsehen ist noch nicht erfunden, aber ein künftiger TV-Star kommt zur Welt.

Am 24. April wird im oberschlesischen Neiße Bernhard Grzimek geboren, den 50 Jahre später in Deutschland jedes Kind aus dem Fernsehen kennt. Noch über 20 Jahre nach seinem Tod (1987) ist Grzimek einer der bekanntesten Deutschen.

Ein netter Fernsehonkel war er nicht, auch wenn er den meisten Menschen so in Erinnerung geblieben ist. In der Biografie von Claudia Sewig, «Bernhard Grzimek - Der Mann, der die Tiere liebte», wird er als eitel, streitbar und ungeheuer fleißig beschrieben. Er verfasste zahlreiche Bücher, Tausende von Artikeln und gilt als Pionier des Naturschutzes in Deutschland und Afrika. Seine Popularität nutzte er geschickt für Kampagnen gegen das Robbenschlachten, die Jagd auf bedrohte Pelztiere oder die Käfighaltung von Hühnern.

Internationalen Naturschutz habe es schon vor vor Grzimek gegeben, wenngleich mit kolonialistischen Ansätzen, sagt Manfred Niekisch, Nachfolger Grzimeks als Direktor des Frankfurter Zoos und Professor für internationalen Naturschutz. Grzimek habe den Naturschutz in die Moderne geführt und als einer der ersten erkannt und gefordert, dass die Afrikaner selbst ihre Natur schützen müssen. «Insbesondere aber hat er es verstanden, die damals ganz neuen Massenmedien Film und Fernsehen für seine Zwecke und Ziele zu nutzen.»

«Guten Abend, meine lieben Freunde» - nach diesen Begrüßungsworten in näselndem Tonfall wuchs in Millionen Familien die Spannung: Welches Tier würde wohl diesmal im TV-Studio neben dem Moderator sitzen, liegen oder durch die Kulissen streifen? Geparden, Affen oder Schlangen aus dem Frankfurter Zoo assistierten, wenn Grzimek «Ein Platz für Tiere» präsentierte. Seit den 1950er Jahren brachte er die Tierwelt ferner Länder fast 30 Jahre lang regelmäßig in die Wohnzimmer - Infotainment zur besten Sendezeit. Gleichzeitig nutzte er das Medium zur Werbung für Natur- und Artenschutz und sammelte Millionen für seine Projekte in Afrika, vor allem für die Erhaltung des Nationalparks Serengeti in Tansania.

Grzimek sei zutiefst überzeugt gewesen, dass die Wildtiere und ihre Lebensräume erhalten werden müssen, sagt Niekisch, der Grzimek persönlich kannte. Gemeinsam hatten sie in den 80er Jahren eine Kampagne gegen den Verzehr von Froschschenkeln entwickelt. Mit Aufklebern der Zoologischen Gesellschaft «verzierte» Grzimek die Speisekarten von Restaurants, die Froschschenkel anboten. Er sei immer von seiner Überzeugung getrieben gewesen, sagt Niekisch. «Dass er dadurch zum Medienstar wurde, hat er genossen, aber das war nicht seine Motivation.» Überzeugt habe er die meisten wohl durch seine Klarheit, sein Wissen und seinen Charme.

Für seinen 1959 entstandenen Film «Serengeti darf nicht sterben» erhielt Grzimek 1960 einen Oscar. In Deutschland hatte die Filmbewertungsstelle Bedenken, den in 30 Ländern gezeigten Streifen mit dem Prädikat «wertvoll» zu versehen, heißt es in einer Würdigung der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Moniert wurde unter anderem der Satz: «Es wäre besser um die Welt bestellt, wenn die Menschen sich wie Löwen benähmen.»

Bei den Dreharbeiten kam Grzimeks Sohn Michael ums Leben - ein persönlicher Schicksalsschlag, den Grzimek nie verwand und an der seine Ehe mit Hildegard zerbrach, die er schon 1930 geheiratet hatte. 19 Jahre nach dem Tod Michaels heiratete der inzwischen geschiedene Grzimek Michaels Witwe Erika.

Äußerlich immer seriös und korrekt gekleidet, war Grzimek ein Sonderling und liebte das Skurrile, bisweilen war er albern. Er legte Furzkissen und künstliche Hundehaufen aus und freute sich wie ein Kind, wenn er jemanden damit erschreckte. Während eines Banketts mit offiziellen Gästen in Simbabwe habe er plötzlich in seine Jackentasche gegriffen und seiner Tischnachbarin eine lebendige Gottesanbeterin in den Ausschnitt gesteckt, berichtet sein Mitarbeiter und Nachfolger in Afrika, Markus Borner. Die Frau fiel in Ohnmacht. Zur Marotte wurde das Platzieren von Aufklebern der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Besonders stolz war er, wenn er sie in Damentoiletten anbringen konnte.

Bei einem Zirkusbesuch brach Grzimek in Frankfurt am 13. März 1987 im Alter von 77 Jahren tot zusammen. Seinem Wunsch gemäß wurde die Urne mit seiner Asche neben dem Grab seines Sohnes Michael im Ngorongoro-Krater in Tansania beigesetzt. Zur Trauerfeier kamen hohe Würdenträger mit der tansanischen Ministerin Gertrude Mongella an der Von Sabine Ränsch, dpa

dpa-infocom


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