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Die Arche Alfsee gibt Mensch und Tier Heimat

Rieste Die Arche Alfsee in Rieste im Osnabrücker Land ist etwas Besonderes: Seit mehr als zehn Jahren kümmern sich Beate Wulf und ihr Ehemann Siegbert Ehmann-Wulf um vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierarten.

Zudem bieten sie Kindern mit emotionalen oder psychischen Problemen ein zu Hause auf Zeit und verschaffen behinderten Menschen mit Hilfe der Tiere unvergessliche Momente. Das Ehepaar praktiziert in der Arche eine Form der tiergestützten Therapie. Die Tiere gäben den Menschen, die mit ihnen umgehen, eine unmittelbare Rückkopplung über ihr Verhalten, sagt der Sozialpädagoge Siegbert Ehmann-Wulff. Er sieht darin den wesentlichen Grund für die «therapeutische Wirkung» von Tieren.

Er erinnert sich beispielsweise an einen extrem unruhigen Jungen, bei dem die Aufmerksamkeitsdezifitstörung (ADS) diagnostiziert wurde. «Wir hatten gerade Ziegen neu bekommen. Die waren ängstlich und deshalb sehr unruhig. Der Junge wollte, dass die Tiere ihm aus der Hand fressen. Tag für Tag ging er zu ihnen ins Gehege und blieb, als Gegenpol zu den Ziegen, konzentriert und völlig ruhig. Und er hat es geschafft», berichtet Ehmann-Wulf. Das Selbstbewusstsein des Jungen stieg, er wirkte deutlich entspannter.

Mensch und Tier scheinen auf dem Hof Arche Alfsee ganz selbstverständlich zueinander zu finden. So fühlen sich beispielsweise Autisten sich zu den Lamas hingezogen. «Die sind dem Menschen zugewandt, wahren aber gleichzeitig körperlich Distanz - ein Verhalten, das Autisten anspricht», so die Sozialpädagogin Beate Wulf.

Mittlerweile gibt es auch erste Ansätze in der Justiz, die positive Wirkung von Tieren auf Menschen für die Resozialisierung zu nutzen. Der Osnabrücker Kriminologe und frühere Landesjustizminister Prof. Hans-Dieter Schwind belegte mit der jüngst vorgelegten Studie «Tiere im Strafvollzug», dass Tiere eine positive Wirkung haben. In Justizvollzugsanstalten wie Vechta, Groß-Hesepe bei Lingen oder Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern, untersuchte er, wie sich das Verhalten schwieriger Jugendlicher änderte, sobald sie für Tiere verantwortlich wurden.

In Vechta leben in einem Gehege von 6000 Quadratmetern Enten und Hühner. In Groß-Hesepe werden 70 zugeflogene Wildenten ebenso betreut wie Kaninchen und Katzen.

«Die tiergestützte Therapie eignet sich für jugendliche Straftäter im offenen Vollzug und für Justizvollzugsanstalten, die ausreichend Freifläche für eine Tierhaltung haben», hat Schwind festgestellt. Wer für Pferde, Schafe, Ziegen oder auch Enten und Hühner zu sorgen habe, dessen Tagesablauf sei klar strukturiert, sagt der Wissenschaftler. Das erlebten viele Inhaftierte in den Jugendgefängnissen oft zum ersten Mal in ihrem Leben.

Außerdem baue der Kontakt mit Tieren Aggressionen ab und helfe bei Depressionen. Straftäter lernen, Verantwortung zu tragen, bauen Bindungen auf und entwickeln Mitgefühl, ist der Wissenschaftler überzeugt. In den Vereinigten Staaten sei die tiergestützte Therapie bei der Wiedereingliederung von Strafgefangenen bereits verbreitet.

Rainer Wohlfahrt vom Freiburger Institut für tiergestützte Therapie beschäftigt sich seit mehr als fünf Jahren mit dem Thema Mensch und Tier. «Wir stellen fest, dass Tiere eine Art Türöffner-Funktion übernehmen können. Dass heißt, durch sie finden Therapeuten Zugang zu den Patienten und deren Problemen», sagt Wohlfahrt.

Missbrauchte Kinder erzählen Tieren von ihren Qualen und Schulverweigerer gehen wieder öfter in den Unterricht, wenn sie Tiere versorgen und so auf einer anderen Ebene motiviert werden. «Diese Arbeit sollte aber nur von dafür speziell ausgebildeten Leuten geleistet werden», sagt Wohlfahrt. Eine tiergestützte Therapie sei mehr als nur kuscheln.

Weitere Informationen: www.arche-alfsee.de Von Stefanie Terschüren, dpa

dpa-infocom


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