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TuS Koblenz

Das Knie von Nessos spielt nicht mit

Koblenz Über zwei Jahre hat Evangelos Nessos gekämpft, aber der Körper spielt einfach nicht mehr mit.

Nach einer Knieverletzung muss der einstige Publikumsliebling und Leistungsträger bei Fußball-Zweitligist TuS Koblenz seine Profi-Karriere beenden.

Wenn Trainer Uwe Rapolder am Donnerstag um 14 Uhr den Kader von Zweitligist TuS Koblenz zum Aufgalopp für die anstehende Saison bittet, wird es wieder einer jener Momente sein, die Evangelos Nessos mächtig aufs Gemüt schlagen. Den Duft des frisch gemähten Rasens zu spüren, dem Ball hinterherzujagen und womöglich sogar ein Tor zu schießen, diese für einen Vollblut-Fußballer durch nahezu nichts zu ersetzenden Gefühle sind für den fast 31-Jährigen inzwischen nicht mehr als eine Erinnerung.

Und Nessos ist Vollblut-Fußballer, sonst hätte er den Kampf gegen seinen Körper wohl schon viel früher aufgegeben. Über zwei Jahre hat sich der Mann mit der Trikot-Nummer 26 dagegen gewehrt, nun ist in ihm die Erkenntnis gereift, dass es keinen Sinn mehr macht. Den Fußballprofi Evangelos Nessos wird es nicht mehr geben.

"Den Alltag kann ich ganz gut bewältigen, aber größere Belastungen verträgt das Knie einfach nicht mehr", erzählt Nessos. Seine Patellasehne ist zur Achillesferse geworden. Es ist der (zu) teure Preis für seinen Einsatzwillen und den Ehrgeiz, der Mannschaft helfen zu wollen. "Heute weiß ich, dass ich zu lange mit Schmerzen gespielt habe", blickt der Grieche zurück. Im Frühjahr 2007 hatte er im tobenden Abstiegskampf mit der TuS die Signale beiseite geschoben oder mit Schmerzmitteln betäubt. Ehe das Knie vollends streikte. Nach 91 Spielen für die TuS, in denen Nessos dank seiner mitreißenden Spielweise auf der Außenbahn Kult-Status bei den Fans erlangt hatte. Zusammen mit Brenny Evers bildete er ein Duo, das maßgeblichen Anteil am Zweitliga-Aufstieg hatte.

"Inzwischen hat sich mein Leben komplett verändert", lassen seine Erzählungen erahnen, welche Spuren die dann folgende Leidenszeit hinterlassen hat. Körperlich wie mental. Die beiden ersten Operationen verliefen nicht nach Wunsch, "der Rest waren dann Flickarbeiten", so Nessos weiter.

Und doch gibt er anfangs die Hoffnung nicht auf, doch irgendwann wieder für die TuS auflaufen zu können. Auch, als die anfängliche Prognose von drei Monaten Genesungszeit verstreicht. "Man hat mir immer gesagt, dass der Körper seine Zeit braucht, um sich von den Schmerzen zuvor zu erholen", berichtet der Grieche, "davon habe ich gezehrt." Was folgt, sind Entbehrungen und eine emotionale Achterbahn-Fahrt. Über ein Jahr fährt Nessos nach Düsseldorf in die Reha, seitdem ist er in Köln in Behandlung, wo er unter der Woche im Hotel wohnt. "Irgendwann wirst du verrückt, wenn du siehst, wie die Spieler zur Reha kommen und gehen - und ich bin immer noch da", schwindet bei ihm mehr und mehr der Optimismus, fällt es schwerer, sich zu motivieren. Es ist ein schleichender Prozess, in dem die Rückschläge stärker sind als die Phasen, die Mut machen. Nessos steht zwischenzeitlich wieder auf dem Platz, aber bei Maximalbelastung meldet sich prompt das lädierte Knie. "Ich habe gemerkt, dass es so keinen Sinn mehr macht", sagt Nessos heute. Sicherlich, so räumt er ein, für die Rheinlandliga würde es noch reichen, aber das ist nicht sein Anspruch.

Stattdessen versucht er, das Kapitel Profifußball gedanklich abzuschließen und sein Leben danach zu ordnen. So ganz geht es freilich nicht ohne Fußball. Zwischenzeitlich hat er sich für einen Lehrgang angemeldet, um den Trainerschein zu machen.

Am 30. Juni endet offiziell sein Engagement bei der TuS. Wenn es nach Nessos geht, soll es jedoch nicht das Ende der Tätigkeit im Verein sein. Ein Gespräch in der kommenden Woche soll Klarheit darüber bringen, ob er beim Zweitligisten eine Anschluss-Tätigkeit als Trainer oder in der Geschäftsstelle erhält. "Das würde mir sicher auch helfen, das Ganze zu verarbeiten", glaubt Nessos.

Bei den Koblenzer Fans, die seine Verdienste für Mannschaft und Verein nicht vergessen haben, steht er ohnehin nach wie vor hoch im Kurs. Im letzten TuS-Heimspiel gegen den FC St. Pauli wurde ihm sogar eine Plakat-Aktion gewidmet. "Das hat mich unheimlich gefreut", so Evangelos Nessos, der sich am liebsten mit einem seiner Flankenläufe bedanken würde. Aber das Knie spielt nicht mehr mit. (Sven Sabock)

RZO


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