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Haftbefehl nach Messerattacke auf Tochter

Hachenburg Als kleines Kind kam sie aus der Türkei nach Deutschland.

Jetzt hätte eine 24-jährige Westerwälderin den Ehrbegriff im Herkunftsland ihrer Familie beinahe mit dem Leben bezahlt.

Offenbar weil er die Ehre der Familie gekränkt sah, hat in Hachenburg (Westerwaldkreis) ein gebürtiger Türke zum Messer gegriffen und seine erwachsene Tochter lebensgefährlich verletzt. Die unbegreifliche Bluttat hat in der beschaulichen Kleinstadt nicht nur Landsleute des Täters schockiert. Wieder und wieder drehen sich die Gespräche um die Schreie in der kleinen Einkaufspassage der Fußgängerzone, Spekulationen machen die Runde.

Gegen den 53-jährigen Mann ist Haftbefehl erlassen worden. Die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Koblenz geht von versuchtem Mord aus niederen Beweggründen aus. Haftgrund, so teilt die Staatsanwaltschaft mit, ist Fluchtgefahr.

Der in der Verbandsgemeinde Westerburg wohnende Beschuldigte ist deutscher Staatsangehöriger türkischer Herkunft und von Beruf Metallgießer. Er war in der Nähe des Tatortes widerstandslos festgenommen worden. Als Motiv gibt er an, unmittelbar vor der Tat von der mehrjährigen Beziehung seiner Tochter zu einem verheirateten türkischen Familienvater erfahren zu haben. Die Staatsanwaltschaft spricht daher von der Absicht, sich an der Tochter zu rächen und „die Familienehre wiederherzustellen“.

Die Tatwaffe, ein Messer mit einer acht Zentimeter langen Klinge, brachte er von zu Hause mit. In dem Friseursalon seiner Tochter ließ der Täter erst von seinem Opfer ab, als ein zufällig anwesender Versicherungsvertreter dazwischenging. Die junge Frau erlitt mindestens drei Stiche in den Bauch, einen in die Leiste und zwei in den Oberschenkel. Ferner hat sie Schnittverletzungen an den Armen. Der Hausarzt war sehr schnell vor Ort, wenig später auch der Notarzt. Die 24-Jährige befindet sich noch immer in Lebensgefahr. Ihr Gesundheitszustand, so der leitende Ermittler Jürgen Johnens gegenüber unserer Zeitung, ist jedoch stabil.

Der Tatort wurde inzwischen wieder freigegeben, das Geschäft blieb am Mittwoch vorerst geschlossen. Inhaber und Angestellte benachbarter Betriebe in der Einkaufspassage in der Fußgängerzone empfinden Mitleid mit dem Opfer. Bei vielen Nachbarn fließen bei dem Gedanken an die schreckliche Tat im direkten Umfeld Tränen.

Unter den türkischen Mitbürgern in Hachenburg ist die Bluttat Gesprächsthema Nummer eins. Sie sind ebenso erschüttert wie die Deutschen. Und besorgt um das Bild, das dadurch in der Öffentlichkeit entsteht. Es sei auffällig, dass derartige Taten mit dem Motiv der gekränkten Familienehre in Deutschland häufiger vorkommen als in der Türkei, sagt ein türkischer Geschäftsmann in der Innenstadt. Dies liege auch daran, dass die unterschiedlichen Mentalitäten hier stärker aufeinanderprallen. Und dennoch – der Mann schüttelt den Kopf: „Wegen vermeintlich verletzter Ehre... Die meisten, insbesondere die jüngeren Türken, die in Deutschland aufgewachsen sind, können so eine Tat nicht verstehen.“ (son/elm)

RZO



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