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Wattenmeer jetzt UNESCO-Weltnaturerbe

Hannover/Kiel Für manche mag es nur öder Schlick sein - doch seit Freitag ist es amtlich: Das Wattenmeer an der Nordseeküste ist im Olymp der weltweit einzigartigen Naturlandschaften.

Nun steht es in einer Reihe mit exotischen Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australiens Küste, den Galapagos-Inseln im Pazifik oder dem Serengeti-Nationalpark in Tansania. Mit der Aufnahme des Wattenmeeres in die Weltnaturerbe-Liste erklärte es die UNESCO zum unverzichtbaren Erbe der gesamten Menschheit. Die UN fordert die Wattenmeer-Staaten Deutschland und die Niederlande mit dem Titel auf, dem Erhalt des Raumes oberste Priorität einzuräumen. Für die beiden Länder ist es die erste Naturlandschaft mit Welterbestatus. Die Freude ist riesig.

Gesetze oder Vorgaben sind mit dem Welterbe nicht verbunden, es ist streng genommen nur ein symbolischer Titel. Sein Prestige bringt aber einen Schub an internationalem Interesse: Die Welterbe-Urteile der UNESCO - der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur - sind mit einem internationalen Medienecho verbunden. Die Bilder des Wattenmeeres gingen wenige Minuten nach der Entscheidung um die ganze Welt. Meist verzeichnen neue Welterbe-Orte - gleich ob nun Kultur- oder Naturerbe - mehr Tourismus. Niedersachsen und Schleswig-Holstein erklärten, sie hofften nun auf wachsende Gewinne im Fremdenverkehr. Die Bundesregierung unterstützt die deutschen Welterbestätten zudem mit einem millionenschweren Programm, wie Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte.

«Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland», erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Die Aufnahme sei auch Anerkennung für bestehende Schutzbemühungen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sagte: «Die Anerkennung ist eine große Ehre für die Länder an der deutschen Nordseeküste sowie ein Meilenstein und Ansporn für die gemeinsamen internationalen Bemühungen für den Schutz des Wattenmeeres.» Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) betonte: «Naturschutz hat bei uns eine Tradition, die annähernd 100 Jahre zurückreicht. Mit der Anerkennung nehmen wir den Auftrag an, dieses Erbe auch für die folgenden Generationen zu erhalten.»

Nur einen Tag vor dem Ritterschlag für das Wattenmeer hatte die UNESCO dem Dresdner Elbtal wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke den Kulturerbe-Titel aberkannt. Vor diesem Hintergrund warnten Minister Sander und sein schleswig-holsteinischer Kollege Christian von Boetticher (CDU), dass der Schutz eines Welterbes nicht leichtfertig gefährdet werden dürfe.

EU-weit gibt es nur 33 Naturerbe-Stätten, weltweit 176. Trotz des Aufstiegs mit dem Wattenmeer in den Welterbe-Olymp bleibt aus deutscher Sicht auch ein Wermutstropfen: Die Wattflächen Hamburgs fehlen. Die Hansestadt hatte kurz vor dem Einreichen der Bewerbung Anfang 2008 einen Rückzieher gemacht - aus Angst vor Querelen um die Vertiefung der Elbe. Ihre Mündung grenzt ans Hamburgische Wattenmeer. In Deutschland haben damit nur Niedersachsen und Schleswig-Holstein für ihre Wattenmeerflächen die höchsten Weihen der UNESCO erhalten. Auch Dänemarks Wattenmeer ist noch kein Welterbe. Deutschlands nördlicher Nachbar war bereits 2005 aus den Nominierungsbemühungen der drei Wattenmeer-Staaten ausgeschert. Die Dänen wollten erst einen Nationalpark Wattenmeer realisieren und sich nicht parallel dazu bei der UNESCO bewerben.

Das Welterbe-Gebiet reicht damit von der Insel Texel in Holland bis zur Nordspitze Sylts. Neben der ausgesparten Hamburger Fläche und Dänemarks Teilbereich waren in der Bewerbung auch von der Wirtschaft beanspruchte Gebiete ausgeklammert worden, etwa Schifffahrtswege. Somit sind nur zwei Drittel der Gesamtfläche des Wattenmeeres Welterbe. Nachnominierungen sind aber erlaubt. Noch am Freitag kündigte der Hamburger Senat die Prüfung einer solchen Nachnominierung für das Hamburgische Wattenmeer an.

Mit der Aufnahme bestätigt die UNESCO laut ihrer Kriterien, dass das Wattenmeer «von außergewöhnlichem universellem Wert» sei. Sollte es durch nicht ausreichenden Schutz geschmälert werden, wäre das «ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Menschheit». Nach Angaben der deutschen UNESCO in Bonn begründete das Welterbe-Komitee die gefällte Entscheidung damit, dass das Wattenmeer eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde sei und ein einzigartiges Ökosystem mit besonderer Artenvielfalt beherberge.

Die Ernennung des Wattenmeeres zum Erbe der Menschheit ist eine Krönung für 30 Jahre grenzüberschreitende Bemühungen zum Schutz der einzigartigen Landschaft. Seit 1978 koordinieren Deutschland, Dänemark und die Niederlande ihre Pläne für den Erhalt des Watts gemeinsam. Hans-Ulrich Rösner vom Wattenmeerbüro der Umweltstiftung WWF im nordfriesischen Husum ist überzeugt, dass die Auszeichnung eine «klare politische Absicherung des Schutzes» sei. Deutschland und die Niederlande hätten sich nun vor der Staatengemeinschaft zum Erhalt des Ist-Zustandes am Wattenmeer verpflichtet. «Zum Schutz wird künftig auch beitragen, dass das Weltnaturerbe identitätsstiftend ist für die ganze Region und sie über die Ländergrenzen verbindet.»

dpa-infocom